Eine Seniorin aus Datteln wurde Ziel eines Trickbetrügers - sie sollte für Corona-Medizin bezahlen (Symbolbild).
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Eine Seniorin aus Datteln wurde Ziel eines Trickbetrügers - sie sollte für Corona-Medizin bezahlen (Symbolbild).

Fälle nehmen zu

Trickbetrug-Serie in Datteln: Vermeintlicher Staatsanwalt fordert zehntausende Euro

  • Fabian Hollenhorst
    vonFabian Hollenhorst
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Die Maschen der Trickbetrüger nehmen immer kuriosere Formen an: In zwei Tagen gab es in Dattlen gleich drei Fälle - und die Täter forderten hohe Summen

Update, 23. September, 15.25 Uhr: Die Dattelnerin Waltraud H. erhielt einen „fürchterlichen Anruf“ wie sie sagt: Ihre Tochter soll eine Frau mit dem Auto überfahren haben. Am Hörer meldete sich angeblich die Staatsanwaltschaft aus Dortmund. Und Waltraud H. sollte 85.000 Euro für die Freilassung ihrer Tochter bezahlen, sagt sie.

Es war eine Drucksituation für die Seniorin aus Datteln. Und weil im Hintergrund eine Frauenstimme immer wieder um Hilfe gebettelt hat, hatten sie und ihr Mann Heinz die Geschichte der Trickbetrüger kurzzeitig sogar geglaubt. Ihre angebliche Tochter durften sie dabei nicht sprechen – sie sei völlig aufgelöst, sagte der Trickbetrüger. Erst ein Anruf bei ihrer Tochter im Beisenkamp brachte die Gewissheit, dass alles nur eine große Lüge war.

Datteln: Auch 94-Jährige soll für die Freilassung ihrer Tochter zahlen

Einen ähnlichen Fall erlebte eine 94-jährige Dattelnerin, wie Polizei-Sprecherin Annette Achenbach auf Nachfrage bestätigt. Die Anruferin gab sich als Tochter der Seniorin aus und sagte, sie hätte einen Menschen überfahren. Auch die 94-Jährige handelte richtig und legte auf. Ein Anruf bei ihrem Sohn bestätigte dann ihren Betrugsverdacht. Annette Achenbach rät dazu, solche Trickbetrug-Anrufer bei der Polizei zur Anzeige zu bringen.

Unsere Erstberichterstattung: Als am Montagvormittag, 21. September, gegen 12 Uhr das Telefon bei der 85-jährigen Dattelnerin Helene P. klingelte und eine Stimme die Worte „Hallo Mama, hier ist der Uwe“ sagte, hatte sie noch keine bösen Gedanken. Denn ihr Sohn heißt tatsächlich Uwe und war am Vortag noch zum Abendessen zu Gast. Doch dann wurde sie misstrauisch: 40.000 Euro sollte sie für ihren am Coronavirus erkrankten Sohn auftreiben, damit er Medikamente aus den USA besorgen kann.

„Die Stimme war ganz anders“, berichtet Helene P., „aber das kann am Telefon schon mal sein. Deswegen habe ich ihn quasseln lassen.“ Im Laufe des Gespräches fielen ihr dann weitere Ungereimtheiten auf. „Der Anrufer hat gesprochen, als wäre er todkrank, aber am Vorabend war unser Uwe noch kerngesund“, sagt sie.

Und der Anrufer muss wohl bemerkt haben, dass die 85-Jährige nicht in Panik verfallen ist. Sie vertröstete den Anrufer auf einen späteren Zeitpunkt und versprach ihm, die große Geldsumme bis dahin aufzutreiben – eine Lüge. Der ungeduldige Anrufer legte auf und meldete sich nicht mehr bei der Frau aus Datteln.

Datteln: Rückruf bei ihrem Sohn brachte der Senioren Gewissheit

Ein Anruf bei ihrem Sohn Uwe auf der Arbeit brachte Helene P. dann die Gewissheit: Sie hatte einen Trickbetrüger am Hörer. „Wir haben schon oft über solche Situationen gesprochen“, sagt Uwe P. – auch über ungebetene Gäste an der Tür. Umgehend ist er mit seiner Mutter zur Polizeiwache gefahren, um Anzeige zu erstatten.

Polizei-Sprecherin Annette Achenbach lobt das vorbildliche Verhalten der Seniorin. Mit genauen Fragen, die nur der Sohn oder die Tochter beantworten können, kann man die Identität der Gesprächspartner überprüfen, rät sie. Denn die Trickbetrüger setzen auf die Drucksituation und wollen schnell an ihr Geld kommen.

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