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Hier ist die Welt noch in Ordnung: Im virtuellen New York des Spiels „Mario Odyssey“ von Nintendo.

Risikopatient aus Datteln zockt

Menschenmassen trotz Coronavirus-Pandemie: Der Videospiel-Markt boomt - ein Dattelner ist dabei

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Videospiele boomen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie – für Risikopatienten wie Nils Sonder sind sie eine willkommene Abwechslung.

  • Zahlreiche Videospiele stellen derzeit Rekord-Zahlen an gleichzeitigen Spielern auf
  • Auch Risikopatient Nils Sonder aus Datteln zockt, während er den realen Kontakt zu Menschen vermeidet
  • Das Videospiel-Zeitalter birgt auch für Eltern in der Kindererziehung neue Herausforderungen

Nils Sonder ist dieser Tage besonders vorsichtig. Er gehört zur sogenannten Risikogruppe – er leidet an einer Lungenkrankheit. Zurzeit hat der Außendienstmitarbeiter für den technischen Maschinenbau regulär Urlaub. Natürlich hatte er in dieser Zeit sowieso vor, einem seiner größten Hobbys nachzugehen – Videospiele. 

Durch die Coronavirus-Pandemie hat er nun deutlich mehr Zeit dafür, als ihm unbedingt lieb wäre. „Ich arbeite noch im Garten und gehe mit unseren beiden Hunden raus“, sagt der 28-Jährige. Menschen meidet der Dattelner aber so gut es eben geht. 

Datteln: In der virtuellen Welt tummeln sich zurzeit zahlreiche Videospieler

Anders sieht es in der virtuellen Welt aus – hier treffen sich Gamer aus aller Welt –Erkrankte in häuslicher Quarantäne, Schüler, die ihre Freizeit genießen oder eben Menschen wie Nils Sonder, die aus Vorsicht lieber zu Hause bleiben. 

Viele Jahre hat der 28-Jährige Vereins-Basketball in Recklinghausen gespielt. Seine Lungenerkrankung zwang ihn zu einem frühen Ende dieses Hobbys. In seinem Alltag kommt er heutzutage ohne große Probleme aus.

Doch seine Liebe zum Basketball und der amerikanischen Profi-Liga NBA hat er durch die Krankheit nicht verloren. Also schlüpft er regelmäßig auf der Spielekonsole in die Rollen von Superstar LeBron James, Legende Dirk Nowitzki oder stellt als Team-Manager seine eigenen Spieler und Trainer ein, um die Meisterschaft zu gewinnen – alles an der Konsole. „Natürlich ist das kein Ersatz dafür, selbst einen Ball in der Hand zu haben“, sagt Sonder.

Datteln: Große Vereine nutzen Fußball-Simulation für ihre Scounting-Abteilung

Fußball-Fans, die sonst mit Champions League, Europapokal und Bundesliga nahezu jeden Tag in der Woche in den Genuss eines Spiels kamen, können sich bei „Fifa 20“ virtuell mit ihren Lieblingsvereinen messen. 

Und auch die Rolle von Jürgen Klopp, David Wagner oder Jogi Löw kann eingenommen werden. Der „Football Manager“ soll sogar so detailliert sein, dass englische Medien darauf verweisen, dass Mannschaften wie Manchester City oder der FC Everton die Simulation für ihre Scouting-Abteilung verwenden.

Für Nils Sonder sind Sportspiele besonders einsteigerfreundlich. „Wer eh schon viel Fußball schaut, wird wenig Probleme damit haben, da es hier auch auf die richtige Taktik und die Qualität der Spieler ankommt“, sagt er. Weniger einsteigerfreundlich sind laut Sonder Spiele wie „League of Legends“ oder „Call of Duty“ – hier gibt es eingefleischte und anspruchsvolle Liebhaber der Spiele. Und da man in Teams mit anderen zockt, erwarten die auch ein gewisses Niveau von ihren Mitstreitern, um zu gewinnen. 

Ehepaar aus Datteln sitzt auch gerne gemeinsam vor Videospielen

Doch das macht auch den Reiz aus: „Diese Spiele sind sehr taktisch geprägt und es gibt viele verschiedene Möglichkeiten zu gewinnen“, sagt Sonder. Auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie ist Nils Sonder beim Zocken selten allein. Seine Frau Tanja (26) teilt seine Leidenschaft. Bei Spielen wie League of Legends kämpfen sie Seite an Seite. 

Zocken geht auch zu zweit. Nils und Tanja Sonder haben aber auch verschiedene Spiele-Vorlieben

Aus mehr als 140 verschiedenen Charakteren können sie auswählen, in Teams von fünf gegen fünf geht es dann darum, die gegnerische Basis zu zerstören. Das führt zu großen Schlachten. Jeder Charakter hat dabei eigene Fähigkeiten. Ob Zaubersprüche, Laserkanone oder Pfeil und Bogen – es gibt zahlreiche Mittel, seine Gegner aus dem Weg zu räumen. 

Wie vielfältig die Gaming-Welt ist, zeigt das Beispiel des Ehepaares aus Datteln. Neben dem gemeinsamen Spiel kann jeder auch seine eigenen Vorlieben ausleben: Basketball interessiert Tanja Sonder weniger. Sie greift dann lieber zu Spielen wie „Animal Crossing“ oder „Stardew Valley“ – und das kommt fast schon Arbeit gleich. 

Denn dann schlüpft sie quasi in die Rolle einer Landwirtin, muss ihren Hof in Schuss halten, aber auch immer weiter expandieren und eine eigene Welt aufbauen: Neue Felder, neue Tiere und mehr Fläche führen zu mehr Arbeit.

Datteln: Etienne Gardé von Rocketbeans TV: Kinder in Sachen Videospiele erziehen

Dass Gaming längst nicht mehr auf eine bestimmte Zielgruppe gerichtet ist, bestätigt Etienne Gardé – ein „Gamer“ der ersten Stunde. Er war seit Anfang der 2000er Jahre als Videospiel-Redakteur im TV bei Formaten wie „GIGA Games“ und „Game One“ zu sehen, bis er mit seinen Kollegen einen eigenen Internetsender gründete. „Rocketbeans TV“ sendet täglich live aus Hamburg. 

Auf der Spielemesse „Gamescom“ in Köln berichtete der 40-Jährige unserer Redaktion im vergangenen Jahr: „Nicht-Zocken ist für mich wie keine Filme und Serien zu gucken.“ Laut ihm ist für jeden Geschmack etwas dabei. Während seine Eltern kaum wussten, was ihr Sohn am Computer oder der Konsole treibt, nutzt Gardé seine Erfahrungen nun auch bei der Erziehung seiner Kinder. 

Es gebe Spiele, bei denen Kinder unvergessliche Abenteuer erleben können, aber auch welche, bei denen sie aktiv etwas lernen. Für Gardé steht aber auch fest: „Einem verhaltensauffälligen Kind würde ich jetzt nicht erlauben, sechs Stunden am Tag Counter Strike zu spielen.“

Immer mehr Menschen in Datteln erkranken am Coronavirus - das sind die neusten Zahlen.

Eine Nachbarschaftshilfe in Datteln will unter anderem Risikopatienten helfen - das ist der Plan.

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