IG Windstill

Kampf gegen Windräder

DATTELN - Sie fürchtet gesundheitliche Schäden, den Wertverlust ihrer Häuser und die Verschandelung der Natur. Die „IG Windstill“ macht gegen den geplanten Bau von gigantischen Windrädern – eins in Becklem und drei in Essel – mobil. Über 100 Interessierte kamen zum Infoabend nach Horneburg. Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Wesener zeigte die mögliche Marschrichtung auf.

Windräder können krank machen. Das sei das Ergebnis einer schwedischen Studie, trug der Horneburger Martin Meurer vor. Neben Schattenwurf, der in Wintermonaten bei Anlagen dieser Größe (in Essel: 200 Meter hoch) 1 400 Meter betragen kann, und der Schallbelästigung durch Generatoren und Getriebe, rücke der niederfrequente Schall (Infraschall) in den Mittelpunkt der Forschung. „Über das Gehör ist er nicht wahrnehmbar, aber sie spüren ihn“, so der 40-Jährige. Laut der Studie litten 30 Prozent der Anwohner von Windkraftanlagen unter anderem an Migräne, Schlafstörungen, Ohrendruck oder Angstzuständen.

Die „Verschandelung der Landschaft“ sei das eine, ebenso wichtig sei für die Anwohner der Wertverlust ihrer Immobilien. Rund 350 Grundstücke in den angrenzenden Ortsteilen (Essel, Becklem, Horneburg, Oer-Erkenschwick, Suderwich und Meckinghoven) seien betroffen. Laut Studie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt sei mit einer Wertminderung von 20 bis 30 Prozent zu rechnen. „Das sind bei einem durchschnittlichen Grundstückswert von 300 000 Euro hochgerechnet rund 21 Millionen Euro, die verbrannt werden“, so Meurer. Ganz zu schweigen davon, dass die Häuser nur schwer verkäuflich seien.

„Wir haben nichts gegen regenerative Energien und Windräder, aber wir haben etwas dagegen, sie in unseren Garten zu setzen“, sagte Detlef Koller. Der Esseler ist Mitbegründer der Bürgerinitiative.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehle einen Abstand von zwei Kilometern zur Wohnbebauung, in NRW genügten derweil 450 Meter zu einzelnen Gehöften. Bayern und Sachsen drängen darauf, das Zehnfache der Windradhöhe als Mindestabstand zu Wohnhäusern vorzuschreiben. Die Bundesregierung beschloss daher im April eine Änderung im Baugesetzbuch mit einer sogenannten Länderöffnungsklausel. Die Landesregierungen könnten so zukünftig über die Mindestabstände entscheiden. Doch der Bundesrat scheint sich dagegen auszusprechen.

In der Hoffnung, dass die Gesetzesänderung eintritt, setzt Rechtsanwalt Wesener auf den Faktor Zeit. Er fordert die Bürger auf, im Herbst ihre Bedenken gegen das Vorhaben in Essel zu äußern. Denn nur, wer in der ausgewiesenen Frist eine Stellungnahme einreiche, seine individuelle Betroffenheit schildere, könne nachher klagen.

Der Recklinghäuser Jurist empfiehlt, Kontakt mit einem Naturschutzverband aufzunehmen. Der Artenschutz von Flora und Fauna solle bei dem Bauvorhaben auf Recklinghäuser Boden gründlich unter die Lupe genommen werden. Sowohl für Essel als auch für Becklem gilt: „Nehmen Sie die Kommunalpolitik in die Verantwortung, sprechen Sie Ihren Bürgermeister und die Fraktionen an“, so Wesener.

Für das Becklemer Windrad (178 Meter hoch) strebt der Anwalt ein Normenkontrollverfahren und ein Eilverfahren auf Außervollzugsetzung des Verfahrens an.

Die IG-Sprecher (Detlef Koller, Andreas Nauta, Christoph Wesselbaum, Martin Meurer) sind per E-Mail zu erreichen: igwindstill@t-online.de

Klagen kostet Geld, so wurden alle Anwesenden aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten. „Wir müssen wenigstens 10 000 Euro im Topf haben“, sagte Koller und schlug 100 Euro pro Kopf vor. Darüber hinaus gebe es einige Personen, die mehrere Tausend Euro zur Verfügung stellen.

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