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Der Tigg im Jahr 1926: Dort wo heute der Verkehr entlang läuft, stand bis 1929 noch das alte Amtshaus. Schon damals betrieb Familie Köster ihre Wirtschaft am alten Marktplatz.

Zukunft des alten Dattelner Marktplatzes

Früher war der Tigg der Mittelpunkt der Innenstadt, heute ist er nur noch Nebensache

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DATTELN - Der Tigg ist im Wandel: Es gab Zeiten, da war auf dem alten Marktplatz mächtig Betrieb. Seit Jahren ist das nicht mehr der Fall. Heute findet eine Diskussionsveranstaltung zur Zukunft des Tiggs statt.

Verkehrsberuhigte Wohnlage, Gastronomie, soziales Angebot oder Parkplatz? Der Tigg ist seit Jahren keine Hauptanlaufstelle mehr für die Besucher der Innenstadt. Wie aber sieht die Zukunft für den Altmarkt am Kopf der langen Fußgängerzone aus? Heute kann ab 19 Uhr im Familenbüro Nord, Kirchstraße 2, über diese (Streit-)Frage diskutiert werden.

Es gab Zeiten, da war der alte Marktplatz der Mittelpunkt des städtischen Lebens in Datteln. Von 1870 bis 1929 stand dort, wo nun der Verkehr über die Lohstraße in Richtung Türkenort führt, das alte Amtshaus. In unmittelbarer Nähe befanden sich die alte Post, die Alte Apotheke und eine Reihe von beliebten Einzelhandelsgeschäften wie Hülsdau, Wienken, Hecht und Goldberg. Auch ein breites gastronomisches Angebot war mit Köster, Schlathölter oder Bleiming vorhanden. Viel übrig geblieben vom Glanz der 20er Jahre ist heutzutage nicht mehr: Kösters Kaffeehaus steht noch an Ort und Stelle und auch die Alte Apotheke ist weiterhin im Tigg-Umfeld ansässig. Menschenmassen sind dagegen am alten Markt keine mehr zu finden. Der Altmarkt ist ein „schwieriges Pflaster“

Schwieriges Pflaster

Dass der Tigg ein „schwieriges Pflaster“ ist, weiß auch der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Stephan Bröcker. Wenn eine seiner Veranstaltungen im Innenstadtbereich nicht gerade mit dem großen Landfrauen-Markt oder dem Hollandmarkt auffahren kann, dann sei es keine leichte Aufgabe, neben den Hauptanlaufstellen unterhalb der Hohen Straße, am Neumarkt und an der Castroper Straße auch noch den Tigg „zu bespielen“.

Ein Beispiel dafür lieferte „Datteln im Licht“ im November. Die Werbegemeinschaft dachte sich für den Tigg mit Rudelsingen und einem musikalischen Angebot etwas Besonderes aus. Auch dort wurden Häuser in verschiedenen Farben angestrahlt. Doch viele Dattelner, die auf Hoher Straße und Neumarkt dem Lichtermeer folgten, sparten sich den Gang durch die Gasse am Action-Markt und Johnny Canone vorbei und bekamen von dem breiten Angebot am Tigg nicht viel mit. „Die Zentren schrumpfen zusammen. Das ist in Recklinghausen ähnlich“, sagt Stephan Bröcker. Über die Zukunft „kebbeln sich verschiedene Meinungen“, sagt er. Er würde für die Zukunft einen flachen Platz – beispielsweise Parkplatz – begrüßen , auf dem dann bei Veranstaltungen auch ein Zelt oder eine Bühne aufgebaut werden könnte – das gestaltet sich aktuell aufgrund der dreieckigen Lage, dem Brunnen in der Mitte und den beiden Bushaltestellen schwierig.

Über 100 Jahre Familienbesitz

Seit über 100 Jahren betreibt die Familie Köster eine Gastronomie am Tigg. Nach zwischenzeitlichen Vermietungen, wird das heutige Kaffeehaus Köster seit fünf Jahren wieder im Familienbetrieb bewirtschaftet. Inhaberin Ulrike Köster hat natürlich genaue Vorstellungen, was sich demnächst vor der Haustür ihres Geschäftes abspielen soll: „Erst einmal verkehrstechnisch beruhigen“, sagt sie, „das gleicht hier manchmal einer Rallyestrecke.“ Der Durchgangsverkehr würde dem Tigg keinen zusätzlichen Betrieb bringen. In diesem Zuge müssten nach ihrer Meinung dann auch die Bushaltestellen weichen und der Platz könnte in diesem Zuge erweitert werden.

Häufig außen vor gelassen

Ulrike Köster hat nämlich für den bevorstehenden Sommer einiges vorbereitet: Der Außenbereich des Kaffeehauses soll in neuem Glanz erstrahlen. Dafür wurde Geld in Mobiliar, Umrandungen und neue Schirme investiert. Ulrike Köster findet es schade, dass der Tigg oftmals im Stadtbild außen vor gelassen wird. „Bei einem möglichen Weihnachtsmarkt in der Innenstadt zum Beispiel. Früher war dieser auf dem Tigg und viele hätten sich ihn auch dort wieder hin gewünscht. Aber geredet wird nur über den Neumarkt und die Hohe Straße.“

Sie haben Vorschläge für eine zukünftige Nutzung des Tiggs? Schicken Sie uns ihre Ideen an: @ dmpredaktion@medienhaus-bauer.de Das Quartiersmanagement bittet um Anmeldung. @ quartiersmanagement-datteln@stadtraumkonzept.de oder Tel. 0 23 63/39 88 38 1.

Zu der heutigen Tigg-Diskussion laden die Stadtverwaltung und das Quartiersmanagement ein. Wie schon bei der Schemm-Zukunft sollen die Bürger ihre Vorstellungen für eine Umgestaltung mit einbringen können. Auch die Punkte Autoverkehr und Parkplätze sowie Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit sollen besprochen werden. Die Diskussionsrunde richtet sich an Mitglieder der Arbeitsgruppe Mobilität sowie an Anlieger und Eigentümer im Bereich Tigg, Umfeld Amanduskirche, Neue Straße und Heibeckstraße.

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