Neues aus der Wissenschaft

Studie enthüllt neue Details zur Ansteckung mit Coronavirus

Eine aktuelle Studie verdeutlicht, wann die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus am größten ist. Was bedeutet das für Quarantäneregeln in Deutschland?

  • Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus* steigen weiter rasant.
  • Eine aktuelle Studie wirft ein neues Licht auf die derzeitigen Quarantäne- und Test-Regelungen in Deutschland.
  • Insbesondere zur Ansteckung sind neue Details bekannt geworden.

Frankfurt – Die Corona-Pandemie hat Deutschland weiter fest im Griff. Das lässt sich besonders eindrücklich an den täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus ablesen, die das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem täglichen Bericht vorstellt. Noch immer infizieren sich viele mit dem Virus, und die Infektionszahlen steigen weiter. Eine neue Studie aus Schottland liefert jetzt Ergebnisse, die skizzieren, wann Corona-Infizierte besonders ansteckend sind.

Corona-Studie: Metastudie beschäftigt sich mit der Verbreitung des Coronavirus

Die Forscherin Muge Cevik hat zusammen mit ihrem Team an der University of St Andrews die Verbreitung von Viren wie dem Coronavirus Sars-CoV-2 untersucht. Das Ziel der Studie war, genauere Aussagen über die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu treffen. Dazu haben die Forschenden in einer Metastudie insgesamt 79 Corona-Studien verglichen.

Die erstaunlichen Ergebnisse der Gruppe von Forschenden wurden nun im Magazin „The Lancet - Microbe“ veröffentlicht. Im Kern untersuchten die Forscher:innen den Einfluss dreier Faktoren auf das Infektionsgeschehen: die Virus-Last, die Virus-Ausscheidung und lebende, isolierte Viren.

Untersuchungsaspekte der Corona-Studie von Cevik et al.
Virus-Last Veränderung der Viren-Anzahl im Körper während der Infektion
Virus-AusscheidungZeitdauer, in der eine infizierte Person Viruspartikel ausscheidet
Isolierung und Untersuchung des lebenden VirusIndikator für die Ansteckungsgefahr durch eine Person
Quelle: Studie von Cevic et al.

Aktuelle Corona-Studie ermittelt Zeitpunkt, an dem Infizierte am ansteckendsten sind

Der bisherige Stand der Corona-Forschung geht davon aus, dass die hauptsächlichen Ansteckungsquellen Hals und Nase seien. Als Cevic und ihre Team in ihrer Studie den Faktor der Virus-Last näher unter die Lupe nahmen, zeige sich, dass die Virus-Last in Hals und Nase gerade zu Beginn der Infektion mit dem Coronavirus besonders hoch sei. Die höchste Anzahl an Viren bei Infizierten wurde von den Wissenschaftler:innen zwischen dem ersten und dem fünften Tag gemessen, nachdem die Corona-Infizierten erste Symptome entwickelt hatten.

Eine neue Corona-Studie aus Schottland hat ermittelt, wann Infizierte am ansteckendsten sind (Symbolbild).

Dies sei nicht nur bei Menschen mit starken Corona-Symptomen der Fall, zeigte die Studie. Auch bei schwachen Symptomen sei die Anzahl der Viren in diesem Zeitraum besonders hoch. Weiterhin machten die Forschenden auch beim Faktor der Virus-Ausscheidung neue Entdeckungen. Genetisches Material des Coronavirus Sars-CoV-2 konnte noch über Wochen in Rachenabstrichen und Stuhlproben ermittelt werden. Jedoch finde sich das lebende Virus ausschließlich in Proben, die in einem Zeitraum von neun Tagen nach dem Auftreten der ersten Symptome abgenommen wurden.

Neue Corona-Studie zeigt: Schnelle Isolation unabdingbar – Teststrategie sinnvoll?

Die Forschenden konnten auch erkennen, dass sich Covid-19 unter anderem deshalb so schnell verbreite, weil die, die am ansteckendsten sind, oft noch gar nichts von ihrer Erkrankung mit dem Coronavirus wissen. Denn die Gefahr einer Corona-Ansteckung sei wenige Tage vor bis zu fünf Tagen nach den ersten Symptomen besonders hoch. Somit empfehlen die Forscher:innen dringend, dass direkt beim Auftreten erster Corona-Symptome Maßnahmen ergriffen werden müssen. Corona-Infizierte müssten sich direkt in Quarantäne begeben, und nicht erst das Ergebnis eines Tests abwarten, so die Forschenden der Corona-Studie aus Schottland.

Hier zeigt sich auch ein Problem der Corona-Teststrategie. Denn bis das Ergebnis eines Corona-Tests vorliegt, ist diese kritische Phase der Ansteckung bereits in vollem Gange oder sogar schon vorüber. Ebenso zeigte die Metastudie, dass das Coronavirus noch über Wochen durch Tests ermittelt werden könne.

Doch zu diesem Zeitpunkt könnten Patienten bereits nicht mehr ansteckend sein, denn lebende und somit ansteckende Viren wurden nur innerhalb von neun Tagen nach den ersten Symptomen nachgewiesen. Hier stellt sich die Frage, wie eine Teststrategie, auch in Deutschland, entsprechend angepasst werden könnte. Denn der standardmäßig genutzte PCR-Test testet, ob das Coronavirus* noch im Körper ist. Er kann jedoch nicht aufzeigen, ob es sich um lebende Viren handelt.

Aktuelle Corona-Studie: Schnelle Quarantäne immens wichtig – doch nicht immer ist das möglich

Die Ergebnissen der Corona-Studie von Cevik et al. machen noch einmal deutlich, wie wichtig eine schnelle Isolation von Infizierten ist. Doch nicht immer sei das möglich, bemerken die Forschenden im Mediennetzwerk „The Conversation“. Viele Betroffene könnten schlicht nicht einfach ins Homeoffice gehen oder sich bei ersten Symptomen direkt krankmelden. Doch ginge man nach den Ergebnissen, wäre genau das zwingend notwendig.

Ein Lösungsvorschlag der Forscher:innen ist, die Quarantäne bei einer Corona-Infektion zu verkürzen. So könne man es Menschen erleichtern, sich zu isolieren. Eine Quarantäne von fünf bis sieben Tagen nach dem Auftreten der ersten Symptome könne ausreichen, so die Forschenden. Denn damit sei der Zeitraum, in dem eine Person am ansteckendsten ist, überbrückt. Auch sollten Regierungen überlegen, den Bürgern weitere finanzielle Anreize in der Corona-Pandemie zu schaffen, damit sich diese nicht gezwungen sähen, zu arbeiten, obwohl sie krank seien. (Sophia Lother)*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Patrick Hertzog/Afp

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