Coca-Cola-Dose wird 50

Blech als Symbol für Freiheit

DORSTEN - Sie ist ein Kind der Wirtschaftswunderzeit – und feiert in diesem Jahr runden Geburtstag: Vor einem halben Jahrhundert kam die erste Coca-Cola-Dose auf den deutschen Markt. In den Dorstener Industriepark an der Marler Straße bringt sie seit 1982 einen „Hauch von Welt“.

Begonnen hat alles Anfang der 60er-Jahre. Die Beatles landen ihre ersten Hits, die Menschen werden mobil und erkunden mit ihren VW-Käfern Südeuropa. Häufig mit auf Reisen: eine Dose mit einer weißen Raute auf rotem Grund und dem geschwungenen Coca-Cola-Schriftzug – unter Sammlern bekannt als Diamantdose.

Es war die erste deutsche Coca-Cola-Dose, der Siegeszug begann. „Erfrischung für unterwegs“, war damals das Motto, ein Stück Blech als Symbol für ein Stück Freiheit. „Die Leute wurden mobiler und man konnte die Dose leicht transportieren. Damit entsprach sie dem Zeitgeist“, sagt Arndt Sonneck, Koordinator Kommunikation bei Coca-Cola Nordwest.

Das blieb nicht immer so. Dem grünen Zeitgeist war die Dose irgendwann ein Dorn im Auge: zu umweltschädlich, die Dosenproduktion verursacht zu viele Treibhausgase, war die Meinung der Kritiker. 2003 führte die rot-grüne Bundesregierung das Einwegpfand, im Volksmund auch als Dosenpfand bekannt, ein. Der Markt für die Dose brach für viele Getränkehersteller ein. „Wir hatten einen spürbaren Umsatzrückgang“, sagt Sonneck. Auch im Dorstener Werk merkte man die sinkende Nachfrage, die Produktion ging zurück. „Es war anfangs nicht leicht“, sagt Produktionsleiter Holger Lorenschat. Das änderte sich erst, als 2006 eine einheitliche Rücknahmeregelung für Einwegverpackungen eingeführt wurde. „Seitdem füllen wir wieder mehr Dosen ab“, sagt Lorenschat.

Bei voller Produktion verlassen heute pro Tag etwa 1,5 Mio. Dosen das Werk. Dorsten ist mittlerweile bundesweit der einzige Standort, an dem Dosen abgefüllt werden. Seit 1982 wird das Kultgetränk in den Hallen an der Rudolf-Diesel-Straße produziert. Dafür hatten sich damals 32 Konzessionäre aus der Region zusammengeschlossen. Seit Mitte der 90er-Jahre läuft die Produktion aller deutschen Werke einheitlich unter dem Dach der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG.

Die Maschinen in Dorsten rattern von Sonntagabend bis Freitagabend, 24 Stunden am Stück, drei Schichten arbeiten im Wechsel, alle zwei Stunden kommt eine Lkw-Ladung mit Dosen aus dem rheinland-pfälzischen Weißenthurm am Werk an. Die Dosen rasen auf Bändern in die Produktionshalle, werden dort gespült, mit dem Coca-Cola-Gemisch befüllt und anschließend der Deckel mit einer sogenannten Falzrolle verschlossen.

Die Rezeptur gilt als eines der bestgehüteten Geheimnisse der Welt. Lorenschat kennt sie auch nicht. „Sonst wäre ich nicht mehr hier.“ Das Werk wird mit einem Konzentrat aus Irland beliefert, das mit Zucker und Wasser zu einem Sirup vermischt wird, der wiederum mit Wasser und Kohlensäure zu Cola verarbeitet wird. Auch alle anderen kohlensäurehaltigen Softdrinks des Unternehmens werden in Dorsten abgefüllt.

Dass Coca Cola aus Dosen anders schmeckt, als aus Glas- oder Plastikflaschen, will Lorenschat nicht bestätigen. „Da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden.“ Für den Produktionsleiter bleibt die Dose die perfekte Verpackung. „Sie ist leicht, stabil und unendlich recyclebar.“

Aktuell wird der Geburtstag mit einer Sonderedition – eine von vielen aus den Bereichen Fußball oder Popkultur in den vergangenen Jahren – gefeiert. „Trink ne Coke mit ...“, heißt es diesen Sommer.

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