Abendsprechstunde

Die Diagnose Brustkrebs ist kein Grund zur Panik

Die Diagnose Brustkrebs ist zwar im ersten Moment ein Schock, aber kein Notfall und auch kein Grund zur Panik. Heute nehmen sich Experten viel Zeit für die Suche nach der richtigen Therapie.

Die Gynäkologie und Radiologie arbeiten dabei Hand in Hand. Wie gewaltig das Wechselspiel zwischen den beiden Kliniken ist, das erklärten Radiologie-Chefarzt Dr. Dirk Orban und Gynäkologie-Chefarzt Dr. Stefan Wilhelms aus dem St.-Elisabeth-Krankenhaus bei der beliebten Abendsprechstunde. Von der Diagnose Brustkrebs bis zur Nachbehandlung steht das Telefon zwischen den beiden nicht still - außer wenn sie bei einer gemeinsamen Tumorkonferenz die bestmögliche Strategie zur Bekämpfung des Karzinoms für jede Patientin individuell festlegen.

Aber von Anfang an: Kommen Frauen mit einem auffälligen Tastbefund an der Brust ins St.-Elisabeth-Krankenhaus, werden sie natürlich zuerst in der Gynäkologie vorstellig. Zur Erhärtung einer Diagnose wird zunächst ein Ultraschallbild (Sonographie) erstellt. Die Krux: Alles lässt sich darauf leider nicht entdecken - kleine Mikroverkalkungen etwa.

Mammographie mit einer Duplex-Sonographie gekoppelt

Um Veränderungen im Gewebe genauer zu definieren, kommt die Radiologie ins Spiel, die klassisch per Mammographie mit einer Duplex-Sonographie gekoppelt auf Ursachenforschung geht und Weichteilverdichtungen sowie Verkalkungen orten kann. Orban: "Bei besonders verdichtetem Gewebe kann ich mit einer Mammographie alleine allerdings nicht unterscheiden, ob es sich bei der Veränderung um eine Zyste oder einen Tumor handelt. Da kommt dann das Ultraschall ins Spiel."

Kommt der Radiologe mit beidem nicht weiter, steht zudem die Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmitteln zur Verfügung, bei der auch mit einer Nadel Gewebeproben entnommen werden können.

"Der Charme der unterschiedlichen Verfahren besteht in der ebenfalls unterschiedlichen Bilddarstellung", erklärt Orban. Während die Röntgenstrahlen bei der Mammographie ein sogenanntes Summationsbild von Brust und Tumor ergeben, erzeugen die Ultraschallwellen bei der Sonographie sowie de Radiowellen beim MRT jeweils ein Schnittbild mit nur einer Ebene, das quasi wie ein Puzzle zusammengefügt werden müsse. "Wenn der Befund dann vorliegt, wollen wir Ärzte natürlich wissen, worum es sich genau handelt", nimmt Weilhelms den Faden wieder auf. Das geschehe in der Regel mit einer sonographisch gesteuerten Stanzbiopsie.

In die Pathologie zur genaueren Untersuchung

Drei bis vier Proben dieser Stanze werden in die Pathologie zur genaueren Untersuchung geschickt. Handelt es sich hingegen um Mikroverkalkungen, muss wieder der Radiologe ran, weil der Ultraschall die Verkalkungen ja nicht erkennt. Stattdessen erfolgt die sogenannte Saugbiopsie, bei der die Entnahmestelle gleichzeitig markiert wird. "So weiß der Gynäkologe, wo er operieren muss. Wir führen mit den Clip-Markierungen sozusagen seine Hand", so Orban. Wenn es denn zu einer OP kommt.

Heute werde immer mehr Brust erhaltend behandelt und bei den Möglichkeiten der multimodalen Therapie aus Strahlentherapie, Antikörpern und systemischer Therapie wie Chemo das individuell beste Verfahren ausgewählt. Habe man früher den Tumor sofort entfernt, werde er heute oft erst einmal gezielt an einer kleinen Stelle behandelt, um die Wirkung der Therapie auszuloten. Tumorkontrolle nennen das die Experten.

Die Radiologie ist unabdingbar

Wichtig auch: Die Radiologie ist unabdingbar, wenn es darum geht, das Streuungsrisiko festzustellen und um zu erfahren, was der Tumor angerichtet hat. Lungenmetastasen etwa würden per CT, Lebermetastasen per Ultraschall, Hirnmetastasen per MRT und Knochenmetastasen per Röntgen oder Skelettszintigraphie gesichtet. Bei der Festlegung der Therapie spiele aber auch immer die Psyche eine Rolle. Auch sie sei einer der Schlüssel zur Genesung. Deshalb unterstützen Psychoonkologen wie Stefanie Riegert das Ärzteteam mit einem umfassenden Beratungsangebot für die Patientinnen und ihre Angehörigen.

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