Abendsprechstunde

Moderne Schulterchirurgie kann Schmerzen oft lindern

Großflächiger Knorpelverschleiß am Schultergelenk ist nicht heilbar. Allerdings kann die moderne Schulterchirurgie Schmerzen oft gut lindern - auch ohne Prothese.

Dass arthroskopische Verfahren heute den Gelenkersatz mehr und mehr ablösen, weil sie immer ausgefeilter werden, das thematisierten PD Dr. Mike H. Baums, Chefarzt der Orthopädie, und Oberärztin Nina-Jessica Scholz vom St.-Elisabeth-Krankenhaus bei einer spannenden und extrem gut besuchten Abendsprechstunde.

Die Botschaft: Zwar hat sich das künstliche Gelenk zu einer innovativen Therapieoption bei fortgeschrittener Arthrose entwickelt, minimalinvasive Methoden nehmen aber immer mehr Raum ein. So könnten laut Baums arthroskopische Techniken wie etwa die Mikrofraktierung das Voranschreiten des Knorpelverschleißes bremsen: "Gerade für junge Menschen mit einem isolierten Knorpelschaden käme eine Prothese oft zu früh. Hier können wir durch eine Knorpelzellentransplantation den Gelenkersatz hinauszögern."

Zwischenlösung zwischen Transplantation und Prothese

Bei zu großem Schaden aber käme eine weitere Alternative infrage: Ein Teilersatz der geschädigten Knorpeloberfläche sei eine Zwischenlösung zwischen Transplantation und Prothese. Dabei werde das Gelenk punktuell mit einer Metallkappe überkront. Auch die sogenannte CAM-Prozedur bei Jüngeren habe sich bewährt. Baums: "Arthroskopisch werden dabei frei im Gelenk schwimmende Knorpelteile und instabile Knorpelfragmente entfernt. Knochenvorsprünge, die durch die Arthrose entstanden sind, sowie das Spalten der Gelenkkapsel können die Beweglichkeit verbessern."

Werden die Gelenkschleimheut und der entzündete Schleimbeutel dann entfernt, verringerten sich auch die Schmerzen deutlich. Bei Veränderungen der Bizepssehne können ergänzende Methoden zudem Besserung bringen. "Bisherige Resultate sind vielversprechend, allerdings bringt nicht jeder Patient die nötigen Voraussetzungen dafür mit", so Baums.

Bilder aus dem Inneren eines Gelenks

Doch was genau ist eigentlich eine solche Arthroskopie? Darauf ging Nina-Jessica Scholz in ihrem Vortrag näher ein: Bei dieser Gelenkspiegelung wird demnach über einen kleinen Hautschnitt eine Sonde mit einer Minikamera eingeführt. Sie überträgt Bilder aus dem Inneren des Gelenkes auf einen Bildschirm, sodass der Arzt die Gelenkstrukturen betrachten kann.

Der Vorteil: Festgestellte Schäden können oft noch während des gleichen Eingriffs behandelt werden. Der Patient werde dazu unter Narkose relativ gemütlich in einem Liegestuhl gelagert, die Risiken seien minimal. Klassische Befunde für einen arthroskopischen Eingriff seien - sofern konservative Methoden ausgeschöpft seien - die Kalkschulter, das Schulterengpasssyndrom sowie Rupturen der Rotatorenmanschette. Ist die Gelenkzerstörung allerdings zu stark, sei eine Prothese wohl unumgänglich.

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