Ärztliche Versorgung in Dorsten

Ärztinnen in Rhade haben eine randvolle Praxis

Dorsten - Die Kassenärztliche Vereinigung soll sich zur medizinischen Versorgung in Dorsten öffentlich äußern. Besonders prekär scheint die Situation in Rhade zu sein, doch eine Sonderbehandlung bekommt der Ortsteil nicht.

Viele Menschen in Rhade fühlen sich nach Angaben des dortigen SPD-Ortsvereins medizinisch unterversorgt. Die nackten Zahlen scheinen dem Vorsitzenden Christopf Kopp recht zu geben: Die beiden in Rhade niedergelassenen Medizinerinnen Marlies Weddeling und Marion Hüttermann arbeiten jeweils bis zu 70 Stunden pro Woche, müssen pro Quartal mehr als 3500 Menschen behandeln, viele auch außerhalb der Sprechstunden zuhause. "Und dann droht zum Quartalsende die Deckelung des Budgets, da die Budgetierung nicht an die Patientenzahl gekoppelt ist", erklärt Kopp.

Nicht nur Rhade im FokusEiner parteipolitischen Diskussion hat sich die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe bislang stets verweigert. Also beantragte die SPD-Fraktion in der letzten Woche im Haupt- und Finanzausschuss, dass die Stadtspitze eine solche Informationsveranstaltung organisiert, "damit Problemlösungen aufgezeigt werden können". Das wird jetzt auch geschehen, aber etwas anders, als die SPD es geplant hatte. Denn während es den Sozialdemokraten vor allem um Rhade ging, will die Mehrheit von CDU und FDP das Thema gesamtstädtisch diskutieren. "Solche Probleme gibt es in anderen Ortsteilen auch", meint Bernd Schwane (CDU), blieb in der Sitzung aber konkrete Angaben schuldig. Michael Baune (SPD) verwies vergeblich auf die "exemplarische Bedeutung von Rhade" mit seinen ländlichen Strukturen.

Bedarfsplanung zähltDass eine Informationsveranstaltung unter städtischer Regie neue Erkenntnisse oder gar Lösungen bringt, darf ohnehin bezweifelt werden. Schließlich kann man keinem Mediziner vorschreiben, wo er sich niederlässt. Und: Wie viele Ärzte für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, legt die sogenannte kassenärztliche Bedarfsplanung fest. "Die Bedarfsplanung soll eine ausreichende flächendeckende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten gewährleisten", verdeutlicht Jens Flintrop, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Festgelegt wird er vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Er ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen in Deutschland. "Es ist unsere Aufgabe, die Vorgaben der Bedarfsplanungsrichtlinie in konkrete Bedarfspläne einfließen zu lassen", so Flintrop. Die allerdings für den Kreis Recklinghausen und nicht für jeden Dorstener Stadtteil erstellt werden.

Und so stimmt die Arztquote rein rechnerisch. Trotzdem macht Flintrop den Dorstenern ein wenig Mut: "In naher Zukunft ist eine Reform der Bedarfsplanung vorgesehen, um den aktuellen Entwicklungen in der ambulanten Versorgung Rechnung zu tragen." Zeitpunkt? Offen!

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