Alte Postkarten aus Dorsten

Schöne Grüße aus der Dorstener Historie

Dorsten - Walter Biermann sammelt alles, was mit Dorsten zu tun hat: Der 78-Jährige hat mehr als 500.000 alte Fotos und andere Dokumente aus der Lokalgeschichte auf seinem Computer gespeichert und in seiner Garage einsortiert.

Er ist der Hüter eines hobbymäßig betriebenen eigenen "Stadtarchivs". Rund 500.000 Fotos von alten Ansichten Dorstens, darunter Tausende von Postkarten, hat Walter Biermann auf der immensen Festplatte seines Computers gespeichert.

Urkunden, Festschriften, Baupläne

Doch das ist nicht alles: Mehrere Regalmeter hoch und lang sind die ausziehbaren Registerschränke in seiner Garage, prall gefüllt mit alten Urkunden, Festschriften, Broschüren, Bauplänen, Zeitungsartikeln aus der Historie Dorstens. "Davon ist bisher nur ein Teil eingescannt", sagt der 78-Jährige.

Die Lippebrücker früher und heute

Wie sieht er sich selbst? Als Heimatkundler, Heimatforscher, Heimatfreund? "Keine Ahnung, ich sauge doch eigentlich nur alles wie ein Schwamm auf, was mit Dorsten zu tun hat", antwortet der Holsterhausener. "Aber natürlich hat das damit zu tun, dass Dorsten meine Heimatstadt ist."

Seit Jahren trägt Walter Biermann auf Flohmärkten zusammen, was ihn an interessanten Ansichten aus der Lippestadt ins Sammler-Auge springt. "Eine Zeit lang hat mich ein Bekannter auch mit Ebay-Fundstücken beliefert", erzählt er. "Doch schon bald habe ich gemerkt: Ich hatte eigentlich schon fast alles selbst, was da im Internet angeboten wurde."

Ein Riesiger Wissensschatz

Wer zu Hause bei Walter Biermann sitzt, muss Zeit mitbringen, am besten viel Zeit. Zu jedem alten Bild, das er nach Stadtteil, Sachgebiet oder Personennamen katalogisiert hat, kann er eine Geschichte erzählen. Der 78-Jährige weiß, wann und wo welches Haus stand. Weiß, wem es gehörte. Weiß, wer welches Geschäft, welche Fabrik betrieben hat. Weiß auch, welche unterschiedlichen Besitzer die Dorstener Gaststätten, Hotels und Ausflugslokale im Laufe der vergangenen 100 Jahre hatten. Selbstredend, dass der 78-Jährige Mitglied in den unterschiedlichsten lokalhistorischen Vereinen in Dorsten ist.

Als Sprecher des Ökumenischen Geschichtskreises Holsterhausen hat er jahrelang mit dafür gesorgt, dass die Sammelbände "Holsterhausener Geschichten" erscheinen konnten. Im Hervester Heimatverein fungiert er quasi als "Stadtteil-Historiker".

Torhäuser früher und heute

Im Heimatbund Dorsten und Herrlichkeit ist er als langjähriges Vorstandsmitglied aus der Archivarbeit nicht wegzudenken. Nur aus dem Verein für Orts- und Heimatkunde ist er ausgetreten. "Nachdem die maßgeblichen Leute damals befürwortet haben, dass das Heimatmuseum im Alten Rathaus am Markt aufgelöst wird", sagt er. "Das hat mir in der Seele wehgetan."

Die Sammelleidenschaft war schon entfacht

Walter Biermann ist in Dorf Hervest geboren, dort groß geworden. Hat auf der Zeche gelernt, war zehn Jahre lang auf Montage als Industriemaurer im In- und Ausland tätig, hat dann bei der Ruhrgas gearbeitet. Als er damals vom Dorstener Standort nach Essen wechseln sollte, sattelte er beruflich um. In der Friedrichstraße in Holsterhausen betrieb Biermann mit seiner Frau Rosi jahrelang einen Trödelladen, in dem man auch Antiquitäten finden konnte. "Der war eigentlich nur Mittel zum Zweck", sagt er heute.

Denn seine Sammelleidenschaft war da schon längst entfacht. Und seine Privatstücke waren ihm immer absolut heilig. "Die habe ich gekauft, nur ganz selten mal getauscht, aber niemals verkauft."

Nach zwei Krankheitsfällen will der engagierte Historien-Sammler, der 2010 mit der Silbernen Stadtplakette ausgezeichnet worden ist, nun etwas kürzertreten. Und macht sich in dem Zusammenhang bereits Gedanken, was irgendwann aus seiner umfangreichen Dokumentensammlung werden wird.

"Ich bin froh, dass mir unser Bürgermeister eine Perspektive eröffnet hat", sagt der 78-Jährige. Denn Tobias Stockhoff hat angedeutet, dass das "Biermann-Archiv" ab 2020 im dann fertiggestellten Dorstener Bürgerbahnhof einen eigenen Raum bekommen könne. Dort bestehe die Möglichkeit, sie solange zwischenzulagern, bis alle Dokumente gesichtet sind und entschieden ist, wo sie endgültig ihren Platz für die Nachwelt finden werden.

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