Auch Kritik an Dorstener Tafel

Tafel-Vorsitzender wehrt sich gegen Vorwürfe der ungerechten Verteilung

Dorsten - Die Diskussion um die Praxis der Essener Tafel, nur noch Kunden mit deutschen Pass aufzunehmen, hat auch kritische Kunden der Dorstener Tafel auf den Plan gerufen.

"Wir werden hier auch gegenüber den Flüchtlingen benachteiligt", wandte sich ein langjähriger Tafel-Kunde an unsere Zeitung. So gäbe es beispielsweise im Barkenberger Laden einen Flüchtling als sogenannten Praktikanten, der sich aus dem Angebot reichlich bedienen dürfe.

Lange Wartezeiten

Eine andere Dorstenerin beschwerte sich über die langen Wartezeiten, die ihr trotz Terminvergabe an den Ausgabetagen zugemutet würden. Herbert Rentmeister, Vorsitzender des Dorstener Tafel-Vereins, nimmt grundsätzlich jede Kritik ernst, doch diese Vorwürfe weist er entschieden zurück: "Kunden dürfen bei uns nicht arbeiten. Es sei denn, sie werden uns beispielsweise vom Arbeitsamt zur Eingliederung zugewiesen. Dann absolvieren sie ein unentgeltliches Praktikum und dürfen sich am Ende ihrer Arbeit etwas von den Waren mitnehmen. Aber nicht mehr oder bessere Sachen als die übrigen Kunden", legt Rentmeister für die gerechte Verteilung durch das Ladenteam die Hand ins Feuer.

Vorzügliche Lebensmittelspenden

Die Dorstener Tafel habe das Glück, durch die mittelständischen und Discounter-Unternehmen mit vielfältigen und vorzüglichen Lebensmittelspenden bestens versorgt zu werden, sodass sich die Probleme der Essener Tafel hier gar nicht stellten: "Jeder bekommt genug." Deswegen zeigt sich Rentmeister über die losgetretene Neiddebatte erschrocken: "Dafür fehlt jede Grundlage."

Einfache Regeln

Die Regeln der selbstständigen Dorstener Tafel seien eigentlich relativ einfach: "Jeder Inhaber des Dorstens-Passes, auf dem keine Nationalität vermerkt ist, ist berechtigt, eine Kundenkarte zu bekommen. Damit setzt ja die Stadt und nicht die Tafel den ,Filter? für die Bedürftigkeit. Das entlastet uns sehr."

Das System, Nummern mit ungefähren Zeitangaben für den Einkauf auszugeben, habe sich ebenfalls bewährt: "So entstehen keine Schlangen. Auch, wenn eventuelle Wartezeiten nicht grundsätzlich auszuschließen sind. Schließlich arbeiten im Laden ehrenamtlich Menschen und keine Motoren."

"Die Tafel ist ein Zubrot"

Grundsätzlich möchte Herbert Rentmeister noch eins betonen: "Die Tafel ist ein Zubrot, kein Versorger. Würden die etablierten Parteien die soziale Gerechtigkeit und Marktwirtschaft weiter nach vorne bringen, wären wir so überflüssig wie ein Kropf. Eigentlich muss man sich schämen, dass man Tafeln braucht."

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