Bagatellunfall

Polizei oder nicht? So verhalten Sie sich bei Bagatellschäden richtig

Dorsten - 1500 Unfälle mit Sachschaden gab es 2017 laut Polizeistatistik in Dorsten. Die Dunkelziffer ist höher, denn nicht alle Unfälle müssen der Polizei gemeldet werden. Aber ist das auch sinnvoll?

Eine kleine Unachtsamkeit und schon war's passiert: Ein 18-jähriger Fahranfänger aus Dorsten nahm einem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt. Es kam zur Kollision, bei der ein auf den ersten Blick überschaubarer Sachschaden entstand. Personen wurden nicht verletzt.

Ein klassischer Bagatellschaden also. Oder nicht? Der junge Unfallverursacher war sich da nicht ganz so sicher. Der andere Verkehrsteilnehmer schon. Er bot an, seinen Wagen sofort in die Werkstatt zu fahren. Die Unfallbeteiligten tauschten Fotos ihrer Führerscheine aus und fuhren getrennte Wege. Alles ging ganz schnell.

Polizei sah von Unfallaufnahme ab

Dem Verursacher ließ die Sache jedoch keine Ruhe. Er kontaktierte seine Mutter, die ihm riet, die Polizei zu verständigen: "So bin ich zumindest noch aufgewachsen", sagte die Mutter im Gespräch mit unserer Redaktion. "Dass man bei jedem Unfall immer sofort die Polizei verständigen sollte." Die Beamten hätten ihrem Sohn aber zu verstehen gegeben, dass eine nachträgliche Unfallaufnahme in diesem Fall wenig sinnvoll wäre.

Aber was genau gilt als Bagatellschaden? Und was müssen Autofahrer bei Unfällen mit Blechschäden sonst noch beachten?

Damit ein Unfall als Bagatelle eingestuft wird, dürfen zunächst einmal keine Personen zu Schaden gekommen sein. Die Polizei unterscheidet in ihrer Unfallstatistik zwischen Unfällen mit leichten und schweren Sachschäden. "Entscheidend ist dabei die Fahrbereitschaft der beteiligten Fahrzeuge", sagt Ramona Hörst von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Recklinghausen. "Eine Schadenssumme X, bis zu der Schäden als Bagatellschäden gelten, gibt es nicht."

Oberflächliche Lackschäden gelten als Bagatelle

Die Kosten für die Beseitigung des Schadens müssen sich allerdings in Grenzen halten. Laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes kann nur bei oberflächlichen Lackschäden von einer Bagatelle gesprochen werden. Eine offizielle Bagatellschadensgrenze gibt es nicht, im Allgemeinen wird von rund 750 Euro ausgegangen. Gerade für Laien ist es aber schwierig, die Schadenshöhe richtig einzuschätzen.

Domenik Columbus von der LVM-Versicherungsagentur in Dorsten rät deshalb, immer darauf zu bestehen, dass die Polizei kommt und den Unfall aufnimmt: "Die Unfallstelle sollte so wenig wie möglich verändert werden. Und wenn die Polizei sagt, dass die Fahrbahn geräumt werden muss, sollten unbedingt vorher Fotos aus verschiedenen Perspektiven gemacht werden." Viele Versicherer würden außerdem Schadenskärtchen an ihre Kunden ausgeben. "Die sollte man am besten immer im Auto liegen haben, das ist eine 24 Stunden erreichbare Notrufnummer."

Polizei muss nicht eingeschaltet werden

Ohne Unfallaufnahme seitens der Polizei bestehe die Gefahr, dass der Unfallhergang nachträglich durch einen Teilnehmer verändert werden könnte, sagt Columbus. "Da trifft dann eventuell ein Anfänger auf einen erfahrenen Unfallgegner, der sagt, man brauche keine Polizei - und im Zweifel kriegt der Anfänger dann später eine Schuld zugewiesen, die er gar nicht gehabt hat."

Grundsätzlich besteht aber keine Verpflichtung, die Polizei zu rufen, wenn die Schuldfrage unstrittig und ganz offensichtlich nur geringfügiger Sachschaden entstanden ist.

Kommen aber Personen zu Schaden oder werden Fahrzeuge beschädigt, deren Halter nicht auffindbar sind, sei stets die Polizei zu verständigen, wie Ramona Hörst von der Kreispolizeibehörde betont. "Wenn man sich in diesen Fällen von der Unfallstelle entfernt, begeht man Fahrerflucht." Hörst empfiehlt, im Zweifelsfall immer die 110 anzurufen. "Man muss sich im Zweifel aber auf erhebliche Wartezeiten einstellen. Und wenn die Polizei dazukommt, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass der Unfallverursacher ein Bußgeld zahlen muss."

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