Benefizkonzert

Musik im Hervester Bahnhof reißt das Publikum von den Stühlen

Zwei ganz unterschiedliche Chöre gestalteten den Konzertabend für den guten Zweck am Samstag im Hervester Bahnhof. Und es hat sich in zweierlei Hinsicht gelohnt.

"Unterschiedlicher kann so ein Konzert nicht laufen." Rita Schütter brachte den Samstagabend im Hervester Bahnhof auf den Punkt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kultur im Bahnhof" der Freien Christengemeinde traten zwei höchst unterschiedliche Chöre auf, die aber beide gleichermaßen das Publikum begeisterten: Herzdamen und Christians at Work.

Im ersten Teil des Abends Songs aus vergangenen Tagen zum Träumen und zum Erinnern mit den Herzdamen, im zweiten Teil "Kirche aktiv" - Mitmachsongs mit den Christians at Work. "Heute Abend bekommen die Zuhörer die christliche Botschaft in moderner Verpackung präsentiert", beschrieb es Organisator Martin Wilms.

Den Abend eröffneten die Herzdamen aus Oberhausen. Bereits nach dem ersten Titel, der Europahymne, dirigiert von Chorleiter Arno Bovensmann, war klar: Dies wird ein Abend, der verzaubert. Das Publikum war in bester Stimmung und der Chor großartig eingestimmt. Mit jedem der Lieder steigerte sich die Begeisterung. Chorleiter Bovensmann hatte bei der Liedauswahl das richtige Gespür bewiesen, um den Auftritt der Herzdamen Richtung Höhepunkt zu steuern.

"Der Beginn war noch ein wenig zurückhaltend, aber dann drehte der Chor auf", so eine Zuhörerin. Zum Repertoire gehörten echte Leckerbissen aus der Pop- und Soul-Musikgeschichte, darunter Elvis Presleys "Can?t help falling in love", "Come fly with me" von Frank Sinatra und "Sunny" von Bobby Hebb. Songs, die hohe Anforderungen an den Chor stellten.

Christians at Work wurden mit stürmischem Applaus begrüßt

Der zweite Teil dieses Musikabends stand im Zeichen des Chores Christians at Work - kurz CAW. Schon bevor der erste Ton erklang, wurde die Musikerinnen und Musiker mit stürmischem Applaus begrüßt. "Ich mache vor, ihr macht mit", sagte ein Chormitglied und gab damit das Motto des Konzertes vor.

Bei Songs wie "Man in the mirror" von Michael Jackson, "Happy" von Pharrell Williams und "Close to you" von den Carpenters hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Im Kirchensaal wurde getanzt, geklatscht und mitgesungen. Die Mischung aus Chor, Band und Kabarett riss das Publikum mit - auch diejenigen, die mit Kirche sonst nicht viel am Hut haben.

Martin Wilms war für dne kabarettistischen Part zuständig

Für den kabarettistischen Part zwischen den Songs von CAW war an diesem Abend Martin Wilms (seit 28 Jahren mit dem Chor unterwegs) zuständig. Er präsentierte Ausschnitte aus seinem Programm "Die Rechnung bitte". "In diesem Programm geht es darum, dem Tod den Schrecken zu nehmen, um das etwas lockerere Umgehen mit der eigenen Endlichkeit", beschreibt der Kabarettist.

Mit seinen Synonymen fürs Sterben sorgte er für Lacher in den Publikumsreihen: "Der Gynäkologe scheidet dahin, der Gärtner beißt ins Gras, der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzliche Lücke, Dolly Buster nippelt ab."

1600 Euro für den Verein "SchlussStrich"

Viel Spaß am Samstagabend in der Kirche am Bahnhof - aber ein ernster Hintergrund. Alle Erlöse des Abends werden dem Verein SchlussStrich gespendet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Projekte gegen Kinderprostitution finanziell zu unterstützen. Kinderprostitution ist ein wachsendes Problem, aber vor allem eine unbeschreibliche Not für die Betroffenen auch bei uns in Deutschland und in Europa.

Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet entwickelt sich ungehemmt eine Szene für den Missbrauch von Kindern. "Es gibt dort eine regelrechte Kindesmissbrauchs-Industrie. Jeder weiß es, aber die Polizei auf beiden Seiten der Grenze ist gut geschmiert und verschließt die Augen", so Martin Wilms.

SchlussStrich e.V. informiert über die Situation, leistet politische Lobbyarbeit und unterstützt Projekte. Am Samstag kamen 1600 Euro für den Verein zusammen.

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