Emschertalbahn

Zug fährt ohne Lokführer und rammt Transporter

Dorsten - "Wie in einem schlechten Hollywoodfilm" - so beschreibt ein Dorstener die Zugfahrt, die er am Freitagvormittag mit der RB 43 (Emschertalbahn) erlebte. Zunächst wirkte alles fast normal - bis der Zug einen Transporter rammte und der Dorstener den Führerstand leer vorfand.

Der Fahrgast, der seinen Namen nicht hier lesen möchte, war von Dortmund in seine Heimatstadt unterwegs, als der Zug auf freier Strecke zwischen Gladbeck Ost und Gelsenkirchen-Buer Süd anhielt. "Der Lokführer sagte durch, dass es Probleme mit dem Bremssystem und der Druckluft gebe, und stieg aus." Eine volle Stunde sei er um den Zug gelaufen, hätte telefoniert und kontrolliert. "Dann sagte er, dass ein Techniker unterwegs sei und wir versuchen würden, bis zum nächsten Bahnhof zu fahren, um dort auszusteigen."

Immer schneller geworden

Deswegen machte sich der Fahrgast auch keine Sorgen, als der Zug kurze Zeit später wieder losrollte. "Er fuhr zwar rückwärts, aber ich wusste ja auch nicht, ob der nächstgelegene Bahnhof vielleicht hinter uns liegt." Immer schneller seien sie geworden, bestimmt 50 bis 60 Stundenkilometer schnell. "Da scheint ja wieder alles zu funktionieren", habe er sich gedacht.

Plötzlich dann der Knall. Der Dorstener sah, wie ein Transporter gerammt wurde und wie die Schranken am Bahnübergang Wielandstraße in Gladbeck offen standen. "Da wurde mir klar, dass da was nicht stimmte." Er lief zum Führerstand hinten, ein anderer Fahrgast kontrollierte vorne. "Da bemerkten wir, dass das andere Zugteil fehlte und auch kein Lokführer da war."

Notbremse gezogen

Er zog die Notbremse. Der Waggon hielt auf freier Strecke. "Ich habe die Polizei gerufen. Wir wussten ja gar nicht, wo wir sind und ob das jetzt gefährlich ist. Es hätte ja auch ein anderer Zug kommen können." Und dann sah er den anderen Zugteil anrollen. "Da haben wir die Türen geöffnet und uns zum Aussteigen bereit gemacht. Es hätte ja sein können, dass der nicht bremsen kann."

Konnte er aber. Der Lokführer kam, koppelte die beiden Waggons wieder zusammen und fuhr nach Gelsenkirchen Buer Süd. "Zum Glück. Aber es ist schon heftig, einige Kilometer ohne Lokführer rückwärts auf einer Strecke zu fahren, die man nicht kennt", sagt der Dorstener.

Als verletzt sei bisher niemand gemeldet worden, teilte die Pressestelle der Deutschen Bahn auf Nachfrage mit. Die Bundespolizei bestätigte den Vorfall und hat die Ermittlungen gegen den Zugführer aufgenommen, erklärte Pressesprecher Jörg Bittner auf Nachfrage. "Dass da nicht mehr passiert ist, grenzt an ein Wunder", sagte er.

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