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Ein Pflegekind aufzunehmen (das Foto wurde von der Agentur gestellt), ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Die Kinder mit sehr schwierigen Biografien, die in ihrem kurzen Leben oft Vernachlässigung, Gewalt oder schreckliche Ereignisse hinnehmen mussten, haben besondere Bedürfnisse und stellen hohe Anforderungen an ihre Pflegeeltern oder Einzelbetreuer. „Paul“ fand in Obhut des ungarischen Betreuers eine Annahme, die er in seinem elfjährigen Leben entbehren musste.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Fall "Paul" noch nicht zu den Akten gelegt

Dorsten - Der Fall "Paul" wurde noch nicht zu den Akten gelegt. Seit August ermittelt die Staatsanwaltschaft Essen wegen Betrugsverdachts und Verletzung der Fürsorgepflicht.

Dass die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Anette Milk, noch nicht mit einer Bilanz der Ermittlungsarbeit aufwarten kann, hängt mit den umfangreichen Recherchen zusammen, sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Dirk Hartwich (SPD Rhade) hatte sich zwischenzeitlich besorgt gezeigt, dass der Fall in Vergessenheit gerät. "Es müssen noch zahlreiche Verfahrensbeteiligte und natürlich auch die -beschuldigten vernommen werden", begründete Milk jetzt, warum noch keine greifbaren Ergebnisse vorliegen.

Im Fokus der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen stehen Dietmar Gayk, Jugendamtsleiter aus Dorsten, sowie ein weiterer Mitarbeiter seiner Behörde. Sie werden verdächtigt, gegen ihre Fürsorgepflichten gegenüber dem Jungen "Paul" verstoßen zu haben. Das Jugendamt war bis Mai 2015, bis ein anderes Jugendamt in Viersen den Fall übernahm, Vormund von Paul.

6000 Euro monatlich abgerechnet

Gerd Lichtenberger, Geschäftsführer der "Life" GmbH Bochum, einer Firma, die Jugendhilfemaßnahmen organisiert und begleitet, steht únter Betrugsverdacht. Die Kosten für „Pauls“ Auslandsbetreuung in Ungarn summierten sich auf rund 6000 Euro monatlich, die von „Life“ mit der Stadt Dorsten abgerechnet worden sind. Ob und in welchem Umfang „Paul“ in Ungarn von Life-Mitarbeitern betreut wurde, ist zwar dokumentiert worden, wird aber infrage gestellt.

Neben den Beschuldigten und Beteiligten will der Staatsanwalt auch mit „Paul“ sprechen. Anette Milk wies darauf hin, dass der Ermittler sondieren wolle, „ob dem Kind geschadet worden ist“. Laut ihrer Auskunft halte ein "erfahrener Jugendstaatsanwalt" die Fäden in der Hand.

Nur von der Polizei befragt

Harald Hoppe, früherer Pflegevater von „Paul“, ist seit Kurzem zusammen mit seiner Frau Petra amtlich bestellter Vormund des Kindes. Er erklärte: „,Paul‘ ist bisher erst von der Polizei interviewt worden. Dass der Staatsanwalt mit ihm sprechen will, ist mir noch gar nicht bekannt.“

Aus Sicht seines Vormundes entwickelt „Paul“ sich gut. Ende Oktober habe die jugendpsychiatrische Klinik in Neuss dem Jungen attestiert, dass er „kerngesund“ und „psychisch unauffällig“ sei. „Umso schlimmer, dass das Jugendamt Dorsten so mit ,Paul‘ umgegangen ist“, kommentierte Hoppe.

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