Erstes Seifenkistenrennen in Dorsten vor 50 Jahren

Die tollkühnen Rennfahrer in ihren rollenden Kisten

Dorsten - Vor 50 Jahren startete das erste und einzige Dorstener Seifenkistenrennen. Es gab einen würdigen Sieger und einen Zwischenfall beim Prominentenlauf, über den Norbert Holz noch heute schmunzelt.

Sonntag, 16. Juni 1968. Gut 1000 Zuschauer waren zur Rampe an der Clemens-August-Straße gekommen, um das erste Dorstener Seifenkistenrennen zu beobachten. Organisiert hatten dieses sportliche Spektakel die Pfadfinder von St. Agatha in Zusammenarbeit mit Opel Lüning. Norbert Holz, heute der Motor der Mr. Trucker Kinderhilfe, gehörte damals zum Leiterstab der Pfadfindergruppe und erinnert sich bestens an dieses lokale Event: "Wir hatten ja eigentlich keine geeignete Strecke, deswegen haben wir vom Technischen Hilfswerk an der Clemens-August-Straße extra eine Rampe für das notwendige Gefälle bauen lassen."

Um 14 Jahr startete das Rennen mit den Prominentenläufen in fantasievollen Gefährten. Bürgermeister Hans Lampen nahm in einem "Kanu", sein Renn-Konkurrent Amtsdirektor Heinrich Quinders in einer "Kinderwiege" Platz.

"Die lange Kraftfahrerpraxis des Bürgermeisters war schließlich ausschlaggebend für den deutlichen Sieg, den er mit seinem als Boot ausgekleideten Rennwagen vor dem mit einer Schlafwiege fahrenden Amtsdirektor errang", schrieb der Lokalredakteur der Ruhr-Nachrichten in seinem Bericht.

Gattin des Amtsdirektors steht quer auf der Bahn

Beim zweiten Lauf mit Kaplan Wilhelm Lepping und der Gattin des Amtsdirektors - bekannt für ihre Vorliebe zu üppigem Hutschmuck - kam es zum Eklat und vorzeitigen Abbruch: "Frau Quinders riesiger Hut flog vom Kopf. Sie wollte ihn fangen, ließ die Lenkseile los, geriet ins Schleudern und stand plötzlich quer auf der Piste", muss Norbert Holz noch heute über diese Szene schmunzeln.

Viel Beifall erhielten anschließend die jungen "Rennfahrer", die um die Würde des Stadt- bzw. Amtsmeisters rangen. Allen voran der Schüler Thomas Funke, der mit 37,1 Sekunden Bahnrekord aufstellte und als unangefochtener Gesamtsieger aus den Wettbewerben herausging. Sein Lohn: 20 Mark Prämie und die Qualifikation für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft, die auf der Uhlenhorststrecke in Duisburg-Wedau ausgetragen wurde.

Doch in Duisburg erreichte der hoffnungsvolle Seifenkisten-Nachwuchs aus Dorsten nur den 134. Platz unter 6000 Teilnehmern. So zerplatzten seine sportlichen Ambitionen wie Seifenblasen. Bleibt zu vermuten, dass auch Amtsdirektor-Gattin Ellinor Quinders seit dem Schicksalstag im Juni 1968 mit Seifenkisten nichts mehr am Hut hatte.

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