Experten-Meinung

So sind die Tiere durch den heißen Sommer gekommen

Vögel singen im Oktober, Eichhörnchen produzieren einen dritten Wurf, dem Rotwild ist das Brunften zu anstrengend. Wie die Tiere nun gut in Herbst und Winter kommen, das erzählen Experten.

Dass im Oktober noch Reviergesang der Vögel zu hören ist, das erlebt Nikolai Eversmann von der Biologischen Station Lembeck in diesem Jahr zum ersten Mal: "Singvögel singen, um ihr Brutrevier zu verteidigen, aber eigentlich müssten alle mit dem Brüten längst durch sein."

Vögel brüteten eine "Bonus-Brut" aus

Dass er in diesem warmen Herbst aber noch Rotkehlchen - ja sogar dem wunderbaren Gesang des Zilpzalps - lauschen kann, zeige ihm, dass die Vögel noch eine "Bonus-Brut" ausbrüteten. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht von einem schlagartigen Kälteeinbruch überrascht werden: "Dann ist der Nachwuchs ernsthaft gefährdet", fürchtet der Biologe.

Der heiße Sommer war für die Eichhörnchen richtig cool. Davon ist Claudia Schäfer vom Eichhörnchen-Notruf überzeugt: "Die Baby-Findlinge, die uns gebracht wurden, waren alle gut genährt, weil die Mütter wegen der reichlichen Nahrung bessere Milch produzieren konnten. Wir haben sogar einen kompletten dritten Wurf. Das jüngste Hörnchen ist gerade mal fünf Wochen alt."

Genug Nahrung für den Wintervorrat ist da

Walnüsse, Haselnüsse, Eberesche, Bucheckern - da fällt das Anlegen des Wintervorrates auch nicht schwer. "Das haben die Hörnchen jetzt schon erledigt. Sie werden demnächst in ihr Winterquartier umsiedeln", weiß Claudia Schäfer.

Der Igel hatte es in diesem Ausnahme-Sommer gar nicht leicht: "Es gab wenig Schnecken. Dafür viele Schmetterlinge, aber die muss ein Igel erst mal erwischen", sagt Simone Paul-Urff von der Igel-Hilfe. Und das Gift, mit denen die Leute die schädlichen Zünsler in ihren Buchsbäumen bekämpft hätten, hätten auch Igel vergiftet.

Katzenfutter und Wasser als Zusatznahrung

Zurzeit strolchten noch viele Baby-Igel mit nur 150 Gramm Gewicht durch die Wiesen. "Es wäre schön, wenn die Leute Katzenfutter und Wasser als Zusatzfutter aufstellten." Spezielle Futterhäuser mit Klappe ließen auch keine Ratten durch. So könnte Familie Igel gut genährt in den Winterschlaf.

Ein kleiner Käfer kam 2018 ganz groß raus: Noch nie wurden in örtlichen Nadelholzbeständen derart viele Fichtenborkenkäfer gezählt, und noch nie war der Fraßschaden, den sie anrichteten, derart groß, berichtet NABU-Mitglied Ferdinand Graf von Merveldt.

Fraßschaden durch den Fichtenborkenkäfer

Er nennt zwei Gründe für diese Schäden: Durch die anhaltende Trockenperiode waren die Abwehrkräfte der Bäume im Sommer erschöpft, so dass die Insekten ab Juli, August und September gewaltigen Schaden anrichten konnten. Zudem erlaubte ihnen die Witterung in diesem Jahr nicht nur eine, sondern sogar drei oder vier Brutperioden.

Die Brunft in den Wäldern ist gerade vorbei. "Doch eigentlich hat man wenig davon mitbekommen", fällt Hermann Wolff, dem Vorsitzenden des -Hegerings der Herrlichkeit Lembeck und Dorsten, auf. War das Rotwild an kühleren Tagen sonst sehr aktiv und laut bei der Sache, hat die ungewöhnliche Herbstwärme die "tierischen" Paarungswerber doch eher leise gestimmt.

Es könnte ein gutes Jahr für Hasen werden

Außerdem lasse das ungewöhnlich warme Wetter noch etwas anderes vermuten: "Es könnte ein gutes Jahr für Hasen werden, da den sonst typischen Krankheiten, wie Parasitenbefall im Darm, keinen Nährboden finden", vermutet Hermann Wolff.

Durch das warme Wetter im Frühjahr und das dadurch entstehende Überangebot an Futter für die Bienen, haben sich die Völker schnell vergrößert. "Deswegen war die Schwarmkontrolle in diesem Jahr sehr wichtig", sagt Imkerin Karina Möllers.

Die Brutphase der Bienen dauert länger

Die Schwärme hätten sich oft in Gärten niedergelassen, kämen nicht alle über den Winter. Problematisch für die Bienen ist das warme Wetter. "Die Brutphase dauert länger, die Bienen arbeiten sich auf, dadurch sterben sie früher, die Varroabelastung kann wieder zunehmen. Durch erhöhten Futterverbrauch besteht die Gefahr des Verhungerns. Wir hoffen jetzt auf kühleres Wetter."

Für die Schildkröten war dieser Supersommer perfekt: "Weil die klimatischen Verhältnisse ihrem natürlichen Lebensraum, wie Griechenland und Türkei, angepasst war", erklärt Barbara Klobusch von der Schildkrötenauffangstation.

Ungewollte Naturbruten der Schildkröten

Die Problematik seien allerdings die massiven ungewollten Naturbruten: "Plötzlich tauchen überall kleine Schildkröten aus unbemerkten Gelegen auf, die durch die Wärme ausgebrütet wurden", sagt die Expertin. Besonders problematisch sei die Vermehrung der vom EU-Gesetz verbotenen invasiven, gebietsfremden Arten, die oft ausgesetzt werden.

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