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Harald Hoppe (li.) ist seit dem 1. Oktober 2015 offiziell Pauls Vormund. Zusammen mit seiner Frau Petra kümmert er sich um den Zwölfjährigen.

Im Fall "Paul"

Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter eingestellt

Dorsten - Die Staatsanwaltschaft Essen hat das Ermittlungsverfahren gegen den Leiter des Dorstener Jugendamtes, Dietmar Gayk, und einen seiner Mitarbeiter eingestellt. Das bestätigte die Essener Pressestaatsanwältin Anette Milk am Montag auf Anfrage. Beide waren in den Fall „Paul“ verwickelt.

Der Dorstener Jugendamtsleiter und sein Mitarbeiter sowie der Life-Geschäftsführer Gerd Lichtenberger waren wegen des Falls „Paul“ in den Fokus der Ermittlungsbehörde geraten. „Paul“, das ist der mittlerweile zwölfjährige Junge, der unter Vormundschaft des Jugendamtes Dorsten stand und ein halbes Jahr intensivpädagogisch in Ungarn betreut worden war, bis die Maßnahme vorzeitig abgebrochen wurde und „Paul“ nach Deutschland zurückkehrte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte nach „Pauls“ Rückkehr seit Sommer 2015 unter anderem wegen des Vorwurfes, dass die Jugendamtsmitarbeiter ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht gegenüber dem Jungen vernachlässigt hätten. Gegen Life-Geschäftsführer Gerd Lichtenberger steht der Verdacht des Betruges weiterhin im Raum. Die CDU in Bochum hat Strafantrag gegen Lichtenberger gestellt. Die Ermittlungen wegen Verdachts auf Betrug im Fall "Paul" wurde von Essen an Bochum abgegeben.

Pressestaatsanwältin Anette Milk wies darauf hin, dass der ermittelnde Kollege auf acht DIN-A-4-Seiten begründet habe, warum er die Vorwürfe gegen die beiden Jugendamtsmitarbeiter nicht erhärtet sieht. „Ein strafrechtlich relevantes Verhalten ist mit der einer Verurteilung erforderlichen Sicherheit nicht zu erwarten“, zitiert sie aus dem Untersuchungsbericht des Kollegen. Heißt: Ein Pflichtverstoß nach §171 des Strafgesetzbuches (das ist der Paragraf, der eine Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht definiert) war den Dorstenern nicht nachzuweisen.

Entwicklung nicht gefährdet

Der Ermittler, so Milk, stelle außerdem fest, „dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass die gesunde Entwicklung des Kindes gefährdet“ worden sei. „Wir sind sehr enttäuscht, wie das Verfahren ausgegangen ist“ – so kommentiert „Pauls“ jetziger Vormund, Harald Hoppe, die Einstellung des Verfahrens. „Ich gestehe, ich bin da sicher befangen, aber ich maße mir ein gesundes Rechtsverständnis an“, sagt Hoppe auch. Dass der verantwortliche Staatsanwalt keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Jugendamts-Mitarbeiter gefunden habe, kann Hoppe nicht nachvollziehen: „Wir werden ein Klageerzwingungsverfahren vor dem Oberlandesgericht in Hamm anstreben“, kündigte Hoppe an.

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