Foodsharing

Lebensmittelretter eröffnen ersten "Fair-Teiler" in Dorsten

Teller statt Tonne: Eine Gruppe Lebensmittelretter hat in den Räumen der Dorstener Arbeit eine Verteilstelle für Lebensmittel eröffnet und sagt der Verschwendung den Kampf an.

Der kleine Raum rechts neben dem Haupteingang der Dorstener Arbeit, Am Holzplatz 19, ist bei der Eröffnung schon gut gefüllt. Gnocchi, Käse, Schokoküsse - das Angebot ist breit gefächert. Jeder kann sich hier rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche Lebensmittel abholen. Und auch abgeben, denn nur so funktioniert Foodsharing: Lebensmittel werden vor der Tonne gerettet und mit jedem geteilt, der möchte.

"Ich konnte es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass Lebensmittel weggeschmissen werden", sagt Dorstens Foodsharing-Botschafterin Nicky Johannsen, die das Projekt mit ihrer Familie an den Start gebracht hat. 15 Foodsaver umfasst die Gruppe in Dorsten aktuell.

Die Foodsaver bekommen ihre Lebensmittel unter anderem von der Dorstener Tafel. Bei einigen Tafel-Kunden und Lieferanten hatte das zuletzt für Irritationen gesorgt. "An die Foodsaver werden von der Tafel ausschließlich solche Lebensmittel abgegeben, die wir als Tafel nicht mehr an unsere Kunden weitergeben dürfen und die wir sonst zur Kippe bringen müssten", stellte Johannes Wulf von der Dorstener Tafel klar. "Unseren Tafelkunden entgeht damit nichts." Foodsharing und den Dorstener "Fair-Teiler" unterstützt Wulf ausdrücklich.

Auflagen der Tafeln gelten für Foodsharing nicht

Tafeln geben Lebensmittel ausschließlich an Bedürftige ab, die einen entsprechenden Nachweis vorlegen müssen. In Dorsten ist das der "Dorsten-Pass", den Bedürftige im Bürgerbüro erhalten. Nur mit diesem Pass erhält man bei der Tafel einen Kundenausweis, der letztlich zum Einkauf berechtigt.

Rechtlich werden Tafeln als Lebensmittelbetrieb eingestuft. Sie müssen sich daher an die Bestimmungen der Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) und das Infektionsschutzgesetz halten. Deshalb dürfen Tafeln auch keine abgelaufenen Lebensmittel herausgeben.

Foodsharing-Initiativen arbeiten komplett geldfrei und achten darauf, nicht als Lebensmittelbetrieb eingestuft zu werden, um solche Auflagen zu umgehen. Lebensmittel werden einer sinnlichen Probe unterzogen - also auf Optik, Geschmack und Geruch geprüft. "Der Verzehr ist auf eigene Gefahr", betont Nicky Johannsen.

Lebensmittel in Raum ablegen

Am Foodsharing beteiligen können sich Privatpersonen, indem sie Lebensmittel zum "Fair-Teiler" bringen und in dem Raum ablegen. Wer sich darüber hinaus in der Initiative engagieren möchte, muss einen Account auf der Foodsharing-Website anlegen. Dort finden auch Betriebe Informationen, wie sie sich beteiligen können.

Bislang kooperieren die Dorstener Lebensmittelretter mit der Dorstener Arbeit, der Stadt, der Tafel und der Stiftsquelle.

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