Fußball-Weltmeisterschaft

Arbeiten und Deutschland gucken - so läuft's in Dorsten

Dorsten. - Südkorea - Deutschland. Anpfiff am Mittwoch (27.6.) um 16 Uhr. Wer während der Live-Übertragung des WM-Vorrundenspiels arbeitet, der muss sich etwas einfallen lassen.

Hinter den Kaugummipackungen und Lutschpastillen - Volker Winkelmann hat sich das passende Plätzchen in seiner Kloster-Apotheke an der Lippestraße 4 in der Altstadt schon ausgesucht: "Hier werde ich den Fernseher für meine Mitarbeiter aufstellen", checkt der Apotheker die notwendigen Anschlüsse.

Man muss sich was einfallen lassen

Die Zeiten, in denen die Apotheken gemeinsam mit den Arztpraxen den Mittwochnachmittag freimachten, sind schon lange Geschichte. Da muss man sich bei besonders spektakulären Events schon etwas einfallen lassen, will man nicht im Windschatten der Weltgeschichte versauern.

Thorsten Hellwig, Storemanager des gegenüberliegenden Modegeschäftes Mensing, verfolgt eine ähnliche Idee: "Unser Fernseher läuft in der Bar im Untergeschoss. Da können die Mitarbeiter ja hin und wieder mal einen Blick drauf werfen." Mit riesigem Andrang vor dem Bildschirm rechnet Hellwig allerdings nicht, da sein Team einen hohen Frauenanteil zähle.

Beamer angeschafft

"Wir haben uns extra einen Beamer für die WM 2018 angeschafft", berichtet Michael Bellina, Mitgeschäftsführer von 6000media in der Lippestraße 3. Beim Kaffeeholen könne man dann schon ´mal einen Blick aufs Spiel werfen. "Die Übertragungen um 14 Uhr gehen eigentlich gar nicht, und 16 Uhr ist auch schwer mit unserem Arbeitsalltag zu vereinbaren."

"Ich habe nicht aufgepasst und mich am Mittwoch für die Mittagsschicht eintragen lassen", gesteht Anja Reimann, Angestellte bei Confiserie "Hussel" am Markt. Doch sie macht das Beste draus: "Wenn ich vor die Tür trete, bin ich ja direkt auf dem Markt. Und von dort kann ich den Jubel hören, der vom ,Stadtstrand? herüberschwappt", hat sie für sich ausbaldowert.

Öffnungszeit bleibt

"Es gibt ja auch viele, die haben mit Fußball nichts am Hut", will Stefanie Dornhege diesen Menschen wenigstens etwas für die Füße bieten: Ihr Schuhhaus Pelkmann bleibe bis 18.30 Uhr geöffnet, wie an jedem anderen Mittwoch auch. Sie kann sich noch gut daran erinnern, dass bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren einige Geschäfte wegen der Spielübertragungen ihre Öffnungszeiten geändert hätten. "Wenn die gesamte Stadt zur Fußballzone erklärt würde, dann würde ich mich sicherlich nicht ausschließen", plädiert die Geschäftsfrau in diesen Fällen für einheitliche Lösungen, die vorab geklärt werden.

Das sieht Theo Sanders offensichtlich anders: "Wir schließen am Mittwoch unser Bäckereigeschäft um 15.30 Uhr", freut sich Mitarbeiterin Marion Reiß, dass sie das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Südkorea vor dem Bildschirm mitverfolgen kann. Auch die Sanders-Filialen in Wulfen und Lippramsdorf schließen ihre Türen um diese ungewöhnlich frühe Zeit.

"Bei uns ist eh am Mittwoch um 16.30 Uhr Feierabend", sagt Manfred Hürland von der Vereinten Volksbank in Dorsten. Da könne jeder nach Dienstschluss schnell zum Public Viewing am "Stadtstrand" rüber und zumindest noch die zweite Halbzeit mit dabei sein. "Ansonsten haben wir Gleitzeit und kollegiale, nicht so fußballheiße Angestellte, die gerne für die richtigen Fans einspringen", ist sich Hürland sicher.

Glückliches Bürgerbüro

Ähnlich ist es im Rathaus. Auch dort gilt die Gleitzeit, so dass Fußballfans spätestens ab 15.30 Uhr nach Hause gehen können. Einfach haben es die Mitarbeiterinnen im Bürgerbüro, das mittwochs generell geschlossen ist; ebenso das Standesamt und einige andere Ämter auch. "Die Kollegen und Kolleginnen der Stadtbibliothek müssen sich untereinander abstimmen", erzählt die städtische Pressesprecherin Lisa Bauckhorn. Gleiches gilt für die Mitarbeiter im Entsorgungsbetrieb, der erst um 17.45 Uhr seine Tore schließt.

Der Bürgermeister kocht am Brunnenplatz

Und was macht der Bürgermeister am Mittwoch um 16 Uhr? "Der kocht am Brunnenplatz", verrät Lisa Bauckhorn. Bereits im März habe Tobias Stockhoff zugesagt, im Rahmen des Integrationsprojektes gemeinsam mit der interkulturellen Kochgruppe "Zukunft" im Begegnungszentrum zu kochen. Logo, dass der Fernseher zeitgleich in der Küche läuft. Und ob am Ende die Köche nicht nur wegen der Zwiebeln weinen müssen und ihnen die Suppe eventuell gründlich versalzen ist, das lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhersagen.

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