Gebühren für Parkplätze in Dorsten

Parken rund ums Rathaus kostet bald

Dorsten - Wer sein Auto rund um das Dorstener Rathaus abstellen will, muss ab Sommer sein Portemonnaie zücken. Die Gebühren fallen von Parkplatz zu Parkplatz unterschiedlich aus.

Christina Rüdiger hat eine klare Meinung zu der geplanten Einführung von Parkgebühren rund ums Dorstener Rathaus: "Ich finde das blöd." Die 23-jährige Schülerin des Paul-Spiegel-Berufskollegs reist jeden Morgen mit dem Auto aus Haltern an, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre sie täglich insgesamt fast drei Stunden länger zwischen Schul- und Heimatort unterwegs.

Derzeit kann Christina Rüdiger noch auf dem großen Parkplatz vor dem Berufskolleg an der Halterner Straße mit seinen 118 Plätzen kostenfrei parken - wie viele andere Mitschüler auch. Doch damit dürfte im Sommer Schluss sein: Ebenso wie auf diesem Parkplatz will die Stadt auf weiteren fast 400 Stellplätzen links und rechts von Bismarckstraße und Halterner Straße Gebühren kassieren. Und noch mal 112 kostenpflichtige Parkplätze baut zudem der Kreis Recklinghausen auf der bisherigen Gratis-Fläche Richtung "Am Holzplatz". "Ich befürchte, dass bald viele Autofahrer in den Wohnstraßen und am Hellweg-Baumarkt kostenlose freie Plätze suchen, die wären dann aber alle komplett überfüllt", sagt Christina Rüdiger zu dem Konzept, mit dem sich nächste Woche die Dorstener Politik beschäftigen wird.

Warum soll das Parken rund um das Rathaus künftig Geld kosten?

Ein Grund ist: Die Einnahmen sollen mithelfen, die Schulden der Stadt zu reduzieren. Deswegen hatte die Politik das "Parkraumbewirtschaftungskonzept" beschlossen. Zuerst für den Bereich Maria Lindenhof: Hier nimmt die Stadt von den Autofahrern seit 1. April 2017 Parkgebühren. Nun soll dieses Konzept mit fast den gleichen Tarifen rund um das Rathaus umgesetzt werden. Insgesamt erhofft sich die Stadt 75.000 Euro pro Jahr an Mehreinnahmen.

Und was führt die Stadt als zweiten Grund ins Feld?

Immer mehr Schüler des Berufskollegs und Mitarbeiter sowie Besucher des Ärztezentrums stellen ihre Fahrzeuge auf den eigentlich für die Rathaus-Mitarbeiter und -Besucher gedachten kostenlosen Parkplätzen ab. Das will die Stadt durch die neuen kostenpflichtigen Plätze regulieren.

Wann soll es am Rathaus losgehen?

Geplant: am 1. Juli 2018, dann sind auch die 19 zusätzlichen Parkplätze im Zuge der Bauarbeiten an der Bismarckstraße fertiggestellt.

Wie funktioniert das neue Park-System?

Bei Anschaffung, Betrieb und Unterhaltung ist es ähnlich wie in Maria Lindenhof. Anders als dort können aber alle Plätze am Rathaus allein mit Parkscheinautomaten bestückt werden. Schrankenanlagen mit Kassenautomaten sind also nicht notwendig. Die Investitionskosten seien daher geringer. Sie betragen 134.00 Euro, inklusive Bau der 19 neuen Parkplätze.

Gibt es künftig auch Plätze für Dauerparker?

Ja, Dauerparker können im Bürgerbüro einen Ausweis erwerben, der auch für Maria Lindenhof gültig ist. Es wird aber keine personalisierten Parkplätze geben. Heißt: Ein fester freier Parkplatz wird den Dauerparkern nicht gewährleistet, sie müssen jeden Tag neu schauen, wo sie einen Platz finden.

Wo befinden sich die kostenpflichtigen Parkplätze, wie teuer sind sie?

Die Standorte sind der obigen Grafik zu entnehmen. Es sind folgende Tarife geplant: Dauerparker 75 Euro pro Halbjahr (12,50 Euro/Monat), Halbtagesticket: zwei Euro/vier Stunden, gebührenpflichtiger Zeitraum: 7 bis 18 Uhr.

Wird es Kurzzeitparkplätze geben?

Wie bisher werden Parkflächen am Haupt- und Hintereingang des Rathauses für Besucher ausgewiesen. Die ersten 45 Minuten sind gratis; danach kosten sie 1,20 Euro/Stunde, maximal für vier Stunden. Die Parkbuchten entlang der Bismarckstraße sollen gratis bleiben und nur für Kurzzeitbesucher zur Verfügung stehen. Hier ist eine Parkscheibenregelung mit Begrenzung auf eine Stunde vorgesehen. Hinter der Bismarckstraße 1 gibt es weitere Besucherparkplätze.

Wo sollen künftig die Lehrer des Paul-Spiegel-Berufskollegs parken?

Die Kreisverwaltung als Schulträger will eine Fläche Richtung Holzplatz, die vor der Einrichtung der Großbaustelle als Pendlerparkplatz für den Bahnhof Hervest genutzt wird, mit einer Schranke ausstatten. Hier sollen 112 Parkplätze entstehen. Dass künftig dort auch Schüler parken dürfen, gilt aber als eher unwahrscheinlich.

Wie sieht es mit Behindertenparkplätzen und Dienstfahrzeugen für Mitarbeiter der Stadt aus?

Die Stadt will für ausreichend Behindertenparkplätze sorgen. Stellplätze für die Dienstfahrzeuge der Stadt werden in der Tiefgarage an der Bismarckstraße konzentriert. Damit diese auch wirklich genutzt werden, verzichtet die Stadt dort auf ein erhöhtes Parkentgelt, wie sie es für die Parkhäuser Maria Lindenhof einfordert.

Ist an Stellplätze für Zweiradfahrer gedacht?

Ja, und sie sollen kostenlos sein. Am Berufskolleg sollen neue Stellplätze für Zweiradfahrer entstehen, damit Fahrräder und Motorräder nicht die Zufahrtswege und PKW-Stellplätze blockieren. Zweiradfahrer, die einen PKW-Stellplatz belegen, müssen aber zahlen. Noch kann die Stadt nicht einschätzen, ob sich durch die Parkgebühren mehr Mitarbeiter des Rathauses dazu entschließen, mit dem Rad zu fahren. Dann müsste das Angebot an Fahrradständern dort verbessert werden.

Was kommt auf die Anwohner der Seitenstraßen rund um das Rathaus zu?

Sie können demnächst einen Anwohnerparkausweis beantragen (30 Euro Verwaltungsgebühr pro Jahr). Die Stadt geht nämlich davon aus, dass mehr Rathaus-Mitarbeiter und Berufskollegschüler, die aus allen Städten des Kreises Recklinghausen anreisen, in den Wohnstraßen parken wollen. Bereits jetzt klagen die Anwohner der Wörthstraße und der Hohefeldstraße über fehlende Parkplätze für sich selbst. Dies ist auch an der Straße "Am Holzplatz" zu beobachten. Vor allem zu den Zeiten des Freitagsgebetes in der Moschee ist der Parkraum hier sehr knapp. Deshalb sollen an den Straßenrändern nur noch Fahrzeuge der Anwohner parken können.

Welche Maßnahmen plant die Stadt, um zu gewährleisten, dass die Autofahrer die neuen Regelungen einhalten?

Die Mitarbeiter des geplanten neuen "Kommunalen Ordnungsdienstes" sollen intensiv kontrollieren und konsequent Verwarnungs- und Bußgelder bei Verstößen verhängen. Die Verwaltung schließt aber nicht aus, dass zusätzliche Parkplätze nötig sind - deren Errichtung dann durch die Parkgebühren bestritten werden müsste.

Ist an neue Park & Ride-Parkplätze für den Bahnhof-Hervest gedacht?

Für den Anreiz, auf den Zug umzusteigen, sind heutzutage kostenlose Park & Ride-Parkplätze in Bahnhofsnähe ein wichtiger Faktor. Die jetzigen Parkplätze fallen aber weg (siehe oben). Die Stadt will jedoch bis zum Sommer Vorschläge erarbeiten, wo und in welchem Umfang P & R-Parkplätze für diesen Zweck in Richtung Grüner Weg ausgewiesen werden können.

Ist die erste Phase der Parkraumbewirtschaftung auf Maria Lindenhof eigentlich erfolgreich gestartet?

Die Stadt räumt ein, dass die Maßnahme noch nicht zum gewünschten finanziellen Erfolg geführt hat. Als Grund führt sie den Brand des Olymp-Sportparkes im Juli 2017 an, der zu Einnahmeausfällen von Parkentgelten geführt habe. Zum anderen werde der Parkplatz auf dem Gelände des Ex-Hallenbades fast gar nicht genutzt. Die Autofahrer parken lieber hinter den Sporthallen und blockieren damit die Parkplätze am Seniorenzentrum. Deswegen will die Stadt ab 1. Juli dort mit Parkscheiben die Parkzeit begrenzen, damit Besucher und Mitarbeiter des Seniorenzentrums wieder einen Parkplatz finden und die anderen Autofahrer verstärkt am Ex-Hallenbad parken.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

100 neue Jobs an der Werkstraße - Harry-Brot will sich in Oer-Erkenschwick ansiedeln
100 neue Jobs an der Werkstraße - Harry-Brot will sich in Oer-Erkenschwick ansiedeln
Ohne Führerschein im fremden Auto unterwegs - dieser Fall gibt der Polizei Rätsel auf
Ohne Führerschein im fremden Auto unterwegs - dieser Fall gibt der Polizei Rätsel auf
Einstimmung aufs "Fest der Feste": 150 Weihnachtsmärkte der Region auf einen Blick
Einstimmung aufs "Fest der Feste": 150 Weihnachtsmärkte der Region auf einen Blick
Stabile Gebühren in Datteln: Es bahnt sich sogar Entlastung an
Stabile Gebühren in Datteln: Es bahnt sich sogar Entlastung an
Kreiselbau in Suderwich: Fehlende Schilder und Warnbaken stiften Verwirrung
Kreiselbau in Suderwich: Fehlende Schilder und Warnbaken stiften Verwirrung

Kommentare