Gericht verhängt lange Haftstrafen gegen Dorstener

Versuchter Mord: Angeklagte gehen ins Gefängnis

Essen/Dorsten - Nach dem beinahe tödlichen Messerangriff auf dem Schulhof der Pestalozzi-Schule ist ein 21-jähriger Mann aus Holsterhausen zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Gegen seine mitangeklagte Ex-Freundin wurden sogar noch vier Monate mehr verhängt.

Dass die 27-Jährige härter bestraft worden ist, hängt mit ihrem Alter zusammen. In ihrem Fall musste zwingend das schärfere Erwachsenenstrafrecht angewendet werden. Der eigentliche Täter wurde dagegen nach dem milderen Jugendstrafrecht verurteilt.

Die 27-Jährige hatte bereits nach dem Plädoyer der Staatsanwältin, die in ihrem Fall sogar zwölf Jahre Haft beantragt hatte, bittere Tränen geweint. Sie hatte zu jedem Verhandlungstag Fotos von ihrer vierjährigen Tochter mitgebracht, die sie seit ihrer Inhaftierung Ende des vergangenen Jahres nicht mehr gesehen hat.

Den Freund angestiftet

Die Richter am Essener Landgericht sind überzeugt, dass sie ihren damaligen Freund angestiftet hat, die 17-Jährige, die sie als Nebenbuhlerin betrachtet habe, zu töten. "Wenn Du es nicht machst, mach' ich es." So oder so ähnlich soll sie sich damals ausgedrückt haben. Sie selbst hatte das allerdings bis zuletzt bestritten und auf einen Freispruch gehofft.

Es war er Abend des 4. September 2017, als ihr damaliger Freund die 17-Jährige auf den Schulhof gelockt und auf sie eingestochen hat. Im Prozess vor dem Essener Landgericht hatte er dazu wörtlich gesagt: "Ich habe sie an der Schulter gepackt, umgedreht und zugestochen." Der erste Stich sei in die Schulter gegangen, der zweite in den Bauch, der dritte in den Kopf.

Wie ein Wunder

Dass die 17-Jährige überlebt hat, gleicht einem Wunder. Selbst die Notärztin brauchte damals Zeit, um sich zu fangen. "Ich habe über 10.000 Einsätze gefahren, aber so etwas hatte ich noch nicht gesehen", hatte sie den Richtern bei ihrer Zeugenvernehmung gesagt. Die 17-Jährige habe schwerste Schnittverletzungen im Gesicht gehabt, alles sei voller Blut gewesen. Die Narben sind noch heute deutlich zu sehen.

Der Angeklagte war erst wenige Monate vor der Tat aus dem Gefängnis entlassen worden - nach über drei Jahren Jugendhaft. Es dauerte jedoch nicht lange, bis er wieder in die Kriminalität abgeglitten ist. In die Urteile beider Angeklagter ist auch noch ein Raubüberfall auf einen Imbiss an der Borkener Straße eingeflossen.

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