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In Dorstens landwirtschaftlichen Betrieben (86 Haltungen) tummeln sich 65.685 Sauen.

Intensive Tierhaltung

Nitrat aus der Gülle belastet das Trinkwasser

Dorsten - Dorsten hat aktuell 76.775 Einwohner. Auf jeden Dorstener kommt dabei fast ein Schwein. Das freut den Wurst- und Schnitzelliebhaber, nicht aber umweltbewusste Bürger, die sich zunehmend Sorgen um die hohe Nitratbelastung der Böden in Dorsten machen.

„Unser Trinkwasser ist in Gefahr, die Nitratwerte sind zu hoch und damit gesundheitsgefährdend“, fasst Dirk Hartwich, SPD Rhade, zusammen. Nach Friedhelm Fragemann, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Rat und Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses, macht nun auch Hartwich das Gülle-Fass auf.

Mit der intensiven Tierhaltung in der Lippestadt habe sich die Trinkwasserqualität in Dorsten nachweisbar verschlechtert, kritisiert Hartwich und bekommt mit dieser Behauptung Rückendeckung aus Düsseldorf. Denn Umweltminister Johannes Remmel stellte im November 2014 den „Nitrat- und Nährstoffbericht 2014“ vor.

"Deutlich verschlechtert"

Danach habe sich das Grundwasser in weiten Teilen NRWs in den letzten Jahren „deutlich verschlechtert“. Grund dafür sei die Überdüngung der Böden durch Gülle. „Vor allem der Dorstener Norden ist betroffen, es gibt immer wieder Grenzüberschreitungen. Spitzenwerte liegen bei 111 Milligramm Nitrat je Liter Wasser, erlaubt sind 50 Milligramm“, machte das NRW-Ministerium in seiner Untersuchung den Ernst der Lage deutlich.

Dirk Hartwich weiß, dass die 29 DIN-A4-Seiten umfassende Gülleverordnung für Landwirte dezidiert auflistet, wann und wo und in welchen Mengen gegüllt werden darf: „Aber die Bauern untersuchen die Gülle ja nicht vorher im Chemielabor, um dann die entsprechenden Mengen auf die Felder aufzutragen. Außerdem lässt die Verordnung eine Menge Interpretationsspielraum zu.“

Auf Fragemanns Veranlassung wird sich der Umweltausschuss am kommenden Dienstag (10.2.) eingehender mit der brisanten Thematik beschäftigen. Dann wird eine Referentin der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerke (RWW) über die Kooperation zwischen Wasserversorger und Landwirtschaft berichten.

In Dorstens landwirtschaftlichen Betriebe (86 Haltungen) tummeln sich 65.685 Schweine und 14.710 Rinder (127 Haltungen). Stickstoffverbindungen sind die Ursache fürs belastete Grundwasser. Gülle enthält Stickstoff in Form von Nitrat. Hauptgefahr ist, dass das leicht lösliche Nitrat mit dem Regen ins Grundwasser sickert. Durch chemische Reaktion kann aus Nitrat für den Menschen giftiges Nitrit werden. Es steht im Verdacht, durch die Bildung von Nitrosaminen Krebs auszulösen.

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