Interessante Geschichte

Carola Martius hieß eigentliche Wilhelmine

Dorsten - Das Carola-Martius-Haus in Rhade kennt jedes Kind der Gemeinde. Dass Carola Martius aber eigentlich Wilhelmine mit Erstnamen hieß, dürften nur die wenigsten wissen. Bestattet wurde sie unter dem Namen Karola Martius.

Frohe Neujahrsgrüße sind nichts Besonderes. Wohl aber der von Dirk Hartwich, SPD-Mann aus Rhade. Hartwich hat auf dem Friedhof in Rhade ein Foto vom Grabstein der bekannten und beliebten Dorf-Medizinerin gemacht, die früh verstarb, aber in Rhade unvergessen ist: Carola Martius.

Mit seinem Bild stiftet Hartwich nun Verwirrung in der geordneten Dorfwelt. Denn auf ihrem Grabstein ist die Verstorbene als Karola Martius verewigt, nicht aber als Carola Martius. Dirk Hartwich kommt deshalb zu dem Schluss: "Das CMH müsste eigentlich KMH heißen."

Der Rhader Diakon Dr. Gregor Lohrengel sagte am Dienstag auf Anfrage der Dorstener Zeitung: "Die Tochter der Verstorbenen war doch bei der Einweihung des Carola-Martius-Gemeindehauses vor 25 Jahren dabei. Sie hätte bestimmt Einspruch erhoben, wenn der Vorname ihrer Mutter falsch geschrieben worden wäre." Ein starkes Argument, das aber doch einen kleinen Haken hat. Denn der Grabstein der Landärztin weist eine andere Schreibweise auf. Und wer, wenn nicht die Tochter, hat ihn dann wohl in Auftrag gegeben? Oder wer hat da gepatzt?

Carola Martius Tochter Isolde ist mittlerweile leider auch verstorben. Die Stadt Marl, in der Carola Martius zuletzt lebte und dann allzu früh im Alter von nicht ganz 60 Jahren an einer heimtückischen Krankheit verstarb, verspricht letzte Rettung in einer vertrackten Namensangelegenheit. Denn am Sterbeort wird eine Urkunde gefertigt, die den Namen der Verstorbenen buchstabegetreu enthält.

Überraschung bei NachfrageDer Marler Stadtpressesprecher Daniel Rustemeyer fahndete auf unsere Anfrage nach dem Dokument. Und hatte eine überraschende Antwort parat: "Die Verstorbene hieß mit Erstnamen Wilhelmine Martius. Ihr Zweitname ist aber Carola und wurde von ihr zu Lebzeiten genutzt, vielleicht, weil sie ihren Erstnamen nicht so passend fand."

Wilhelmine und/oder Carola mit C oder K: Den Rhadern ist es ziemlich egal, wie die richtige Schreibweise des Namens der Medizinerin ist. "Ich habe sie als Carola Martius im zweiten Band des Heimatbuches Herrlichkeit Lembeck beschrieben", sagt der Rhader, Fritz Oetterer, auf unsere Anfrage. Er zeigte sich ehrlich verdutzt, dass der Name der Frau womöglich anders geschrieben wird. Oetterer stellte die Landärztin als tüchtige Frau, Ärztin und allein erziehende Mutter dar, die für die Rhader zu jeder Tages- und Nachtzeit da gewesen sei.

So ist auch die überlieferte Erinnerung, die Pfarrer Jürgen Zahn wiedergibt: "Sie war trotz anfänglicher Skepsis und entgegen ersten Widerständen im Dorf hoch angesehen. Eine Frau, die viele Rhader sehr gemocht haben."

In seinem Dorsten-Lexikon schreibt Wolf Stegemann, dass die am 31.10.1913 in Scherlebeck (heute zu Herten gehörig) geborene Landärztin ab 1951 zwei Jahrzehnte lang die Rhader gesundheitlich versorgt und etlichen Rhadern durch Früherkennung das Leben gerettet habe, "als in den 1950er-Jahren eine Epidemie (Gehirnhautentzündung) durch mangelhafte Abwasserbeseitigung ausbrach". Die Ärztin sei auch bekannt gewesen, weil sie kein Blatt vor den Mund nahm: "Sie wetterte gegen Stöckelschuhe, Gläschen-Babynahrung und zu kurze Unterwäsche bei Mädchen."

Das und viele Anekdoten mehr haben die Rhader Carola Martius nicht vergessen und deshalb ihr Andenken mitten im Herzen ihres Dorfes Rhade bewahrt.

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