Ein Jahr auf dem Hof Vortmann

Im Februar werden 600 Himbeeren gepflanzt und Erdbeeren geputzt

Dorsten - Im Februar hat die Familie Vortmann schon mit den Pflanzen zu tun, die ab Mai die roten Früchte tragen sollen. Der erfolgreiche Anbau erfordert moderne Technik, Erfahrung und ordentlich Ausdauer.

"Elf Bäume hat der Sturm Frederike umgeworfen und die Folie von einem Tunnel ist kaputt gegangen", berichtet der Landwirt Andreas Vortmann. Das Holz wird derzeit verarbeitet, die Folie für den Tunnel ist auch bestellt. In einigen der anderen acht Tunnel ist die Arbeit derweil schon in vollem Gange. Die Himbeerpflanzen sind da und auch um die Erdbeeren müssen sich die Hoffamilie und ihre Helfer jetzt kümmern. Was genau gerade los ist, erzählen wir hier als Bilderstrecke.

Am Dienstag sind 600 gefrorene Himbeerpflanzen auf dem Hof Vortmann angekommen. In diesem Jahr kommen sie noch aus den Niederlanden. 2019 bringt der Erdbeerpflanzen-Lieferant sie aus Telgte mit.

Wenn die Himbeeren angetaut sind, pflanzen sie drei Helfer mit Substrat in große Töpfe, die unten durchlässig sind. So staut sich die Nässe nicht. Seit fünf Jahren bauen die Vortmanns Erdbeeren, seit vier Jahren Himbeeren im Substrat an. Der Anbau habe viele Vorteile, sagt Landwirt Andreas Vortmann. "Der Boden ist unkrautfrei. Und was nicht wächst, müssen wir nicht bekämpfen. Außerdem können wir so den Pflanzen genau das zuführen, was sie brauchen", nennt er die wichtigsten Dinge.

Die Töpfe werden mit dem Traktor zu den zwei Tunneln gebracht; in den anderen sechs wachsen Erdbeeren. "Wir bauen keine Himbeeren im Freiland an, weil sie so empfindlich sind", sagt Landwirt Andreas Vortmann. Die Früchte haben so weiches Fruchtfleisch, dass die Vortmanns sie am liebsten gar nicht, oder nur zu Supermärkten in dem Ort, transportieren. Die meisten Himbeeren werden direkt im Hofladen verkauft. "Himbeeren sind heiße Ware", sagt Sohn Johannes über die ebenso schwierigen wie leckeren Früchte.

Jeden Morgen misst Johannes Vortmann den EC-Wert, der darüber Aufschluss gibt, ob die Pflanze ausreichend mit Nährstoffen und Wasser versorgt ist. An drei Stellen wird gemessen: Im Zulauf, der Wasser und Dünger enthält, im Substrat im Topf und im Drain. Das ist die Flüssigkeit, die unter einem Topf für die Probe aufgefangen wird. "So können wir genau sehen, wie viele Nährstoffe die Pflanze aufnimmt, und ob sie über- oder unterversorgt ist", erklärt er. Am Anfang habe die Pflanze den Landwirten manches Rätsel aufgegeben. "Mittlerweile kennen wir sie aber so genau, dass wir in Zusammenarbeit mit unseren Beratern das nötige Händchen für die Einstellung der Fertigation haben. Das ist die gemeinsame Steuerung der Bewässerung und Düngung", erklärt Andreas Vortmann.

Auch wenn es falsch herum von der Decke baumelt: Das Thermometer haben die Vortmanns gut im Blick. "Es soll im Tunnel nicht über 30 Grad werden", sagt Vortmann. Kommt der Sommer, wird die Wärme oft halbstündlich kontrolliert. "Die Temperatur wird sogar per Funk in den Eiersortierraum übermittelt, wo wir morgens arbeiten." Wird es schon dann im Tunnel zu warm, werden die Eier liegen gelassen und zuerst die Giebel aufgemacht, dann die Tore. "Manchmal hilft das aber nichts. Dann müssen wir auf kühlere Tage hoffen."

In manch anderem Tunnel wachsen auch im Februar schon die Erdbeeren. "Wir pflanzen einige Sorten schon im Herbst an", sagt Andreas Vortmann. "So haben sie mehr Zeit zu wachsen. Sie werden dicker, legen mehr Blütenstände an. Das heißt, sie haben im Frühjahr mehr Blütenstände, mehr Knospen, mehr Blüten und auch mehr Früchte." Viel Arbeit machen die Erdbeeren derzeit vor allem den drei Helfern. Sie "putzen", das heißt, sie entfernen das alte Laub mit Hand und Schere von jeder einzelnen Pflanze. Für einen Tunnel brauchen die fleißigen Männer zwei Tage.

Wann sind die Erdbeeren in ihren warmen Tunneln denn nun reif? "Wir hoffen auf den 1. Mai, weil dann die Hüttentour ist und sich jeder Gast nach der Führung durch die Tunnel und über den Hof eine Erdbeere zum Sekt pflücken soll", sagt Andreas Vortmann. Immer geht dieser Wunsch aber nicht in Erfüllung.

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