Jüdisches Museum

Neue Ausstellung setzt Gewalt und Terror im NS-Staat farbstark ins Bild

Dorsten - Die Ausstellung im Jüdischen Museum Westfalen mit den ausdrucksstarken Bildern von Uwe Kunth war lange geplant. Doch der plötzliche Tod des Künstlers im Januar durchkreuzte alle Pläne.

Die Staffelei aus dem Atelier von Uwe Kunth trägt sein letztes Bild "Selektion": Uniformierte Wachleute, in schweren Stiefeln breitbeinig aufgestellt, mit Knüppel und Waffe im Anschlag, treiben verängstigte, nackte Menschen zusammen. "Die Leinwand ist unvollendet", sagt Thomas Ridder und deutet zum Beweis auf die noch farblosen, skizzenartigen Körper im Hintergrund.

"Wie entstehen diese Bilder in Ihrem Kopf? Wie setzen Sie sie um?" Viele Fragen hätte der Kurator des Jüdischen Museums noch an Uwe Kunth gehabt. Doch der plötzliche Tod des Künstlers im Januar 2018 macht Antworten darauf nicht möglich.

Ausbildung zum Maler und Grafiker

Uwe Kunth wurde 1935 in Essen geboren. Mit 17 Jahren begann er an der Kölner Werkschule seine Ausbildung zum Maler und Grafiker, wobei er auch bei Professor Otto Gerster die Klasse der Monumentalmalerei besuchte. Beim ersten Treffen 2016 an Kunths Wohnort in Oberursel (bei Frankfurt) zeigte sich Thomas Ridder sofort beeindruckt von der Farbigkeit und Wirkung der Bilder. "Uwe Kunth interessierte sich schon seit seiner Jugend für Geschichte und hat sich insbesondere mit der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten intensiv auseinandergesetzt", sagt Ridder.

Werkschau mit 20 Bildern

Die eigentlich geplante Ausstellung konnte nach dem Tod Kunths nicht mehr realisiert werden. So ist es jetzt eine Werkschau mit 20 Bildern geworden, die in den kahlen Räumen des Jüdischen Museums zu sehen ist. Dort, wo die Böden frisch verlegt sind und die "Kabelschnecken" aus den Wänden baumeln, wird ab Oktober die neue Dauerausstellung "eingebaut" werden. Diese ereignislose Zeit mit einer kleinen Zwischen-Sonderausstellung zu überbrücken, ist eine gute Idee und mehr als nur ein Trostpflaster für Museumsbesucher.

Von abstraktiven zu gegenständlichen Motiven

Die abstrakten, hinter Glas gerahmten Motive auf Papier mit Namen wie "Der Denunziant von Anne Frank", "Die Bestie im Profil" oder "Im Sog des Systems" entstanden Ende der 1970er-Jahre. "Rund 15 Jahre später wechselte er seinen Stil und stieg auf gegenständliche Motive um, die er mit Acrylfarbe auf großformatige Leinwände aufbrachte", erklärt Thomas Ridder. Eine Arbeit, die ihm rein technisch gesehen gut von der Hand ging, hatte er doch nach dem Ende seiner Studienzeit als Maler und Grafiker in Kaufhäusern große Werbetafeln von Hand gemalt.

Die Aussage liegt nicht immer auf der Hand. So erscheint das farbenprächtige Motiv mit Tänzerin auf den ersten Blick unbeschwert. Doch der Titel verweist in eine andere Richtung: "Der letzte Auftritt im Theater von Theresienstadt". Dagegen lässt der Häftling, der ans Hakenkreuz genagelt ist, keine Interpretationsspielräume offen.

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