Kabarett

Michael Feindler hält der Gesellschaft einen Spiegel vor - manche Gedanken haken sich fest

Auf den allerletzten Drücker eingetroffen, verriet der Kabarettist Michael Feindler am Freitagabend dem Publikum im Gemeinschaftshaus unter anderem, dass er der Bahn viele Einfälle verdanke.

"Die Bahn schenkt mir oft unerwartet Zeit und Inspiration!", sagte der Kabarettist im Gemeinschaftshaus. Ein solches Schlüsselerlebnis etwa war die Begegnung mit einem Fahrgast, den Feindler bat, ihm beim Hochhieven des schweren Koffers ins Gepäckfach zu helfen. Der Mann reagierte irritiert: "Aber wir kennen uns doch gar nicht!" Dieser Satz wurde zum Motto des Programms "Artgerechte Spaltung" und musste immer wieder als Begründung für fehlende Auseinandersetzung herhalten.

Ironische Analysen erinnerten an Tucholsky oder Busch

Seine ironischen Analysen verpackte Michael Feindler - für die Zuhörer überraschend - in Reime, die manchmal an Wilhelm Busch oder an Kurt Tucholsky erinnerten. Dadurch entstand eine rhythmische Sprechweise mit ungewohnten Betonungen - ein interessanter Kunstgriff.

In seinen Liedern mit Gitarrenbegleitung ging es nicht um kunstvolle Musik und auch nicht um besonders schönen Gesang. Sondern die Liedform ermöglichte zum Beispiel, teilweise drastische Refrains mehrfach zu wiederholen. So wollte Feindler einer hoffnungslos neurotisch Verliebten ihren Schwarm ausreden mit "Der Typ quält Katzenbabys". Ein anderer Refrain lautete: "Es ist so schön, mit dir zu schweigen! Und glaube mir, hättest du aus eigenem Interesse nicht gesprochen, dann wäre dein Genick jetzt nicht gebrochen!"

Schon in der Schule wird die Gesellschaft eingeteilt und aufgespalten, sodass sich die Gruppen in der Pubertät tatsächlich aus den Augen verlieren. Treffen diese Welten als Erwachsene wieder aufeinander, fehlt beiden Seiten jedes Verständnis für den anderen. Wie sollen die einander vertrauen? "Aber ich kenne sie doch gar nicht!"

Feindler nennt sich selbst einen "arroganten Wichser"

Feindler nannte sich selbst einen "arroganten Wichser", denn seine Gymnasiallaufbahn sei keine eigene Leistung, sondern angesichts der Akademikereltern kaum vermeidbar gewesen. Und sein bevorzugtes Mittel "Ironie" entlarvte er als beliebte Methode, um sich selbst über die Dinge zu erheben: "Das war doch gar nicht ernst gemeint - das war doch ironisch!"

Den ganzen Abend sprudelte der hemdsärmelige Erzähler aus dem Nähkästchen. Er brauchte keine Requisiten. Die Texte und wohlüberlegten Aussagen waren oft so dicht, dass wohl kaum jemand im Publikum jeden Verweis verarbeiten konnte. Michael Feindler befasste sich auch mit dem Armutsbericht und redete dem Publikum ins Gewissen: "Sich auf Gelaber auszuruh?n, ist Sterbehilfe für das Tun!" Manche Gedanken hakten sich fest.

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