Kaufleute beobachten alte Zechenfläche skeptisch

Ärger über Entwicklung des Einzelhandels in Dorsten

Dorsten - Mit Argusaugen blicken die Kaufleute der Innenstadt auf die Hervester Zechenfläche. Die Entwicklung im vermeintlichen Nebenzentrum schade der Altstadt, sagen sie seit Jahren. Jetzt werden die Sorgen noch größer.

Die Mercaden, als Ergänzung der Altstadt konzipiert, laufen nicht wie erhofft. Die Fußgängerzone ist für drei Jahre, in unterschiedlichen Abschnitten, eine Baustelle. Wenige Kilometer entfernt hat Ralf Honsel vor wenigen Wochen "den größten Frischemarkt der Region" eröffnet. Ein Drogeriemarkt, so der politische Wille, dürfte auf dem Zechengelände bald folgen. Da muss man als Kaufmann der Innenstadt schon eine Menge Optimismus mitbringen, um an eine erfolgreiche Zukunft zu glauben. Oder sich, wie Thomas Hein und seine Mitstreiter von der Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt (DIA) es von Zeit zu Zeit machen, an das Cima-Gutachten aus dem Jahre 2014 klammern. "Da sind die Rollen von Zentrum und den Nebenzentren klar definiert", sagt der Vorsitzende der Kaufmannschaft. "Was in Hervest passiert, hat mit der Entwicklung eines Nebenzentrums nichts zu tun."

Auf der Jahreshauptversammlung der DIA entlud sich in der letzten Woche der ganze Ärger über die Entwicklung des gesamtstädtischen Einzelhandels, der, wenn man Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst glauben mag, durchaus in einer juristischen Auseinandersetzung münden könnte. "In fünf Jahren gibt es keinen Wochenmarkt mehr in der Altstadt, es sind ja jetzt schon Lücken", warnte er als Mitglied des DIA-Beirats. Das ehemalige Vorstandsmitglied Manfred Hürland machte klar: "Wir haben nichts gegen Wettbewerb, aber wir dürfen nicht den wirtschaftlichen Interessen Einzelner die Tür öffnen."

Fokus auf Creativ-Quartier

Hürland meinte wohl Jürgen Tempelmann, dessen Prisma Immobilien GmbH einen Großteil der Zechenfläche vermarktet. Der Fokus liege auf der Entwicklung des Creativ-Quartiers, betonte Unternehmenssprecherin Vanessa Tempelmann auf Anfrage: "In den letzten rund drei Jahren ist es uns gelungen, mehr als 60 Mieter aus der Kreativindustrie zu gewinnen. Hinzu kamen fünf Gastronomien und zahlreiche Veranstaltungen. Ein Fitnesscenter, weitere Gastronomie und ein Musikprobenzentrum sollen noch dieses Jahr realisiert werden." Die Innenstadt tangiert das aus Sicht Tempelmanns wenig. "Und neben Edeka Honsel dürfen nur Fachmärkte gebaut werden, die kein innenstadtrelevantes Sortiment verkaufen. Ein Zoofachgeschäft zum Bauspiel oder ein Baumarkt."

Die Ansiedlung eines Drogeriemarktes sei, so Tempelmann, "aufgrund der derzeitigen Hervester Situation" im Gespräch. Ob das Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Dorstener in der Innenstadt habe, werde ein Gutachter beurteilen. Dies wird sicherlich ein anderer sein als 2014. Michael Karutz hat die Beratungsfirma Cima längst verlassen und ist Wirtschaftsförderer in Gelsenkirchen.

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