Landgericht

Kokain-Schmuggler hofft auf Bewährung

Mit 13 rauchte er den ersten Joint, mit 31 droht einem Dorstener Kleinunternehmer der Gang ins Gefängnis. Doch noch hat der zweifache Vater die Hoffnung nicht aufgegeben.

Es klingt fast ein bisschen kurios, dass ein ehemaliger Drogenschmuggler aus Dorsten ausgerechnet jetzt ins Gefängnis soll. Schließlich scheint der 31-Jährige sein Leben endlich in den Griff bekommen zu haben. Doch der Gang durch die juristischen Instanzen dauert halt seine Zeit...

Es war im Sommer 2017, als die Polizei in der Wohnung des 31-Jährigen 40 Gramm Kokain fand. Danach ging auch alles ganz schnell. Nur rund zwei Monate später ist der Dorstener am Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Umfassendes Geständnis abgelegt

Wahrscheinlich wäre die Strafe sogar noch höher ausgefallen. Doch der Angeklagte hatte sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt und dabei auch mehr zugegeben, als ihm eigentlich zu beweisen gewesen wäre. Dass er schon früher mit Kokain gehandelt und die Drogen auch zweimal heimlich über die Grenze geschmuggelt hat, zum Beispiel. Und zwar im Zug.

Er hatte natürlich gehofft, dass ihn soviel Offenheit vor dem Gefängnis bewahren könnte. Doch da hatten die Richter in Dorsten nicht mitgespielt. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar dreieinhalb Jahre Haft gefordert.

Doch aufgeben will der zweifache Vater nicht. Er hatte sofort Berufung eingelegt. Deshalb muss sich seit Dienstag nun auch das Essener Landgericht mit dem Fall befassen.

"Er will sein Leben endlich in den Griff bekommen"

Und dort präsentierte sich der 31-Jährige plötzlich als ganz "neuer" Mensch. Er hat eine Drogen-Entgiftung samt Therapie hinter sich, geht regelmäßig zu einer Selbsthilfegruppe, hat sich ein kleines Gewerbe aufgebaut. "Er will sein Leben endlich in den Griff bekommen und mit seiner Vergangenheit aufräumen", sagte Verteidiger Tim F. Schubert zum Prozessauftakt. Und auch der Angeklagte scheint mit sich zufrieden zu sein: "Es ist das erste Mal, dass ich auf einem vernünftigen Weg bin."

Der Dorstener war 13, als er nach eigenen Angaben zum ersten Mal einen Joint geraucht hat. Später drehten sich seine Gedanken vor allem um Kokain. "Ich habe nie einen Gedanken daran verloren, wo das hinführen könnte", sagte er den Richtern.

Kokain-Lieferanten sollen zwei Marokkaner sein

Deshalb habe er auch nicht groß nachgedacht, als er schließlich begann, Kokain von Venlo über die Grenze nach Dorsten zu schmuggeln - zum Weiterverkauf und zum Eigenkonsum. Lieferanten waren angeblich zwei Marokkaner, die ihm das Rauschgift auf Kommission überlassen haben sollen - jeweils 50 Gramm für 3000 Euro. Abnehmer waren angeblich vor allem Bekannte.

Vor Gericht geht es aber auch noch um brutale Gewalt gegen die Mutter seiner Tochter, um Drohungen ("Ich werde dich kaltmachen!") und böse Beleidigungen. Die beiden sind nach Angaben des Angeklagten zwar längst kein Paar mehr, verstehen sich aber wohl wieder besser. Allein schon wegen der gemeinsamen Tochter. Der Prozess wird fortgesetzt.

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