Landgericht

Parfüm-Geschäfte im Internet: Staatsanwaltschaft wittert Steuerbetrug

Ein Dorstener Parfüm-Händler soll rund 120.000 Euro Steuern hinterzogen haben. Seit Montag wird ihm vor dem Landgericht Münster der Prozess gemacht.

Der heute 44-jährige Familienvater hat bereits fast drei Jahre Haft verbüßt, weil er den Fiskus jahrelang und systematisch hinters Licht geführt hatte. Jetzt droht ihm erneut eine Haftstrafe. Denn laut Anklage hat er sich von der ersten Verurteilung nicht abschrecken lassen, sondern einfach munter weitergemacht.

Parfüm aus dem Ausland

Dass er zu Beginn der 2010er-Jahre aus den Niederlanden und Italien kistenweise Parfümflaschen nach Dorsten einführte, um sie von hier aus im Internet weiterzuverkaufen, hat der Angeklagte am Montag eingeräumt. Anders als in seinem ersten Prozess am Landgericht Essen ist er nun aber anscheinend nicht mehr bereit, die ganze Schuld auf sich zu nehmen. Seine damalige Lebensgefährtin habe munter mitgemacht, behauptet der Mann.

Sein Problem ist nur: Am Landgericht Essen hat er früher noch das komplette Gegenteil behauptet. Da war nämlich seine Lebensgefährtin sogar mit angeklagt gewesen, und der Mann hatte sie voll aus der Schusslinie genommen. "Das habe ich aber nur gesagt, damit unserer gemeinsamen Tochter nicht auch noch die Mutter weggenommen wird", sagte er jetzt. Und: "Ich habe alles auf meine Kappe genommen und am Tag der Urteilsverkündung ist mir dann ein Brett vor den Kopf geschlagen worden." Damals habe sich seine Lebensgefährtin nämlich nicht nur nicht bedankt, sondern ihm noch im Gerichtsgebäude den Laufpass gegeben.

Jede Menge Schulden

Tatsache ist, dass der Angeklagte aus den alten Parfümgeschäften noch reichlich private Schulden hat. Jede Steuerforderung vom Finanzamt kontert er jedoch mit einem Einspruch und verschafft sich auf diese Weise zumindest etwas Zeit. "Zurzeit laufen gegen mich jedenfalls keine Vollstreckungsmaßnahmen", sagte der 44-Jährige den Richtern in Münster.

Indirekt übte der Angeklagte sogar Kritik an der Steuerfahndung. Nachdem er erstmals wegen der Internetgeschäfte, die natürlich ohne Mehrwertsteuer abliefen, erwischt worden war, hätten die Ermittler große Teile seines noch vorhandenen Warenbestands mitgenommen. Aber eben nicht alles. "Mir sind kistenweise Probeflaschen und so etwas geblieben", sagte der 44-Jährige. Und die habe er dann eben weiterverkauft. "Wir mussten ja überleben."

Der Prozess wird fortgesetzt.

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