Palliativmedizin

Spes Viva wird zehn Jahre alt und lädt zum Tag der Palliativmedizin ein

Vor zehn Jahren hoben der Hospiz-Freundeskreis Dorsten mit dem St.-Elisabeth-Krankenhaus "Spes Viva" aus der Taufe. Wer noch nicht weiß, was das ist, kann am 17. November schlauer werden.

Eine Idee Menschlichkeit mehr - das ist das christliche Leitmotiv hinter der Idee, Menschen in der letzten Lebensphase ein Leben und Sterben in Würde zu ermöglichen. "Wir haben uns damals nicht nur aus Gründen mangelnder Finanzierungssicherheit gegen ein stationäres Hospiz in Dorsten und für den Aufbau eines Netzwerkes entschieden, das die strukturelle Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung im stationären wie auch ambulanten Bereich im Blick hat", erläutert Lambert Lütkenhorst, Vorsitzender des Freundeskreises.

Vorbild Ostercappeln

Das Spes-Viva-Projekt am Krankenhaus St. Raphael in Ostercappeln unter der Leitung von Professor Hardinghaus hatte damals die Mitarbeiter im Ambulanten Hospizdienst Dorsten davon überzeugt, nach diesem Vorbild auch in Dorsten "Spes Viva" (lat. In lebendiger Hoffnung) einzurichten. Im Herbst 2008 ging dann mach mehrmonatiger Umbau- und Ausbauarbeit im St.-Elisabeth-Krankenhaus ein eigener Palliativbereich mit drei Zimmern und vier Betten für schwerstkranke Menschen an den Start (heute sind es fünf Zimmer mit sechs Betten). Die ebenerdigen Zimmer sind freundlich und hell gestaltet, jedes ist mit einer Terrasse ausgestattet. Es gibt eine Küche, einen gemütlichen Aufenthaltsraum und einen schönen Außenbereich. Angehörige sind jederzeit willkommen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

"Hier steht der schwerkranke Mensch mit seiner Familie und seinem gesamten Umfeld im Mittelpunkt", betont Dr. Simone Sowa, leitende Ärztin auf der Palliativstation. Jenseits der Krankenhaushektik nehmen sich die Spes-Viva-Mitarbeiter genügend Zeit, sich dem Patienten mit seinen individuellen Bedürfnissen zu widmen, seine Schmerzen zu lindern, seine Sorgen ernst zu nehmen, seine Ängste zu mildern, mit ihm zu lachen und traurig zu sein. Und seine Wünsche zu erfüllen: "Als ich einmal Pferdegetrappel hörte, war ich etwas verwirrt", berichtet Krankenhausgeschäftsführer Andreas Hauke. Doch das Hufgeklapper kam von dem Pferd, das eine sterbenskranke Patientin vor ihrem Tod noch einmal sehen und streicheln wollte.

Finanzierung ist eine Herausforderung

Die Finanzierung der Station ist immer wieder eine Herausforderung, denn das Krankenhaus kann Spes Viva ohne Unterstützung nicht alleine unterhalten. Nach dem Tod des Dorstener Unternehmers Jürgen Salamon, der jährlich 50.000 Euro in dieses Projekt steckte, ist der Hospiz-Freundeskreis in die Verpflichtung gegangen: "Wir stellen jährlich einen sechsstelligen Betrag zur Verfügung, haben mittlerweile also schon zirka eine Million Euro investiert", hat Klaus Dornhöfer vom Vereinsvorstand (Finanzen) zusammengerechnet. Deswegen sei der Verein auf Spenden unbedingt angewiesen.

"Netzwerk hat sich gut entwickelt"

Dr. Sowa kann sich noch gut an die gut gemeinten Worte von Professor Hardinghaus erinnern, die er den Dorstenern zum Start ihrer Abteilung mit auf den Weg gab: "Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und einen langem Atem." Blickt sie auf das letzte Jahrzehnt zurück, kann die Palliativmedizinerin mit Fug und Recht behaupten, dass der Atem ausgereicht hat: "Das Netzwerk hat sich wunderbar entwickelt. Physiotherapie, Psychoonkologie, Sozialdienst, Seelsorge, ehrenamtliche Betreuer des ambulanten Hospizdienstes - und auch niedergelassene Ärzte sind mittlerweile fest im Palliativnetzwerk verknüpft."

Doch Aufklärung tut weiter not: "Manche Leute meinen immer noch, Spes Viva sei eine Sterbestation", sagt Sowa. Denen müsse man dann erklären, dass hier zwar auch gestorben werden dürfe, aber in erster Linie gehe es darum, die Menschen so weit fit zu machen, dass sie ihre letzte Lebenszeit möglichst schmerzfrei und selbstbestimmt gestalten können.

Einladung zum Tag der Palliativmedizin

Anlässlich des zehnjährigen Spes-Viva-Bestehens lädt das Netzwerk am 17. November (Samstag) von 11 bis 15 Uhr zum Tag der Palliativmedizin ins St.-Elisabeth-Krankenhaus Dorsten, Pfarrer-Wilhelm-Schmitz-Straße 1, ein. "Wir starten um 11 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Krankenhauskapelle", erläutert Lütkenhorst, der im Anschlus daran (12 Uhr) die Talkrunde im Konferenzraum moderiert: "Da werden einige Netzwerker, aber auch Angehörige zu Wort kommen und das Thema von unterschiedlichen Seiten beleuchten." Was Palliativmedizin ist und was sie leistet, wird Dr. Simone Sowa in ihrem Vortrag um 13.15 Uhr erklären. Und schließlich gibt Stefanie Riegert Einblicke in die Psychoonkologie, einen wesentlichen Bestandteil der Palliativmedizin.

"Natürlich können sich Interessierte auch die Station ansehen und Einblicke in die Pflege und Therapiemöglichkeiten gewinnen", bietet Andreas Hauke an. So können die Besucher erfahren, dass Spes Viva dem Leben der Schwerkranken nicht unbedingt mehr Tage, dafür aber diesen Tagen mehr Leben geben kann.

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