Prozess

Chef der "Tobaccoland-Bande" ließ sich für Überfälle krankschreiben

Fünf Überfälle auf Tabaklieferanten werden der Bande zur Last gelegt, einer davon in Hervest. Nach dem ersten Coup ließ der Chef der Räuberbande sich krankschreiben.

Dreister geht es wohl kaum: Im Prozess gegen eine sechsköpfige "Tobaccoland-Bande", die im Januar auch an der Glück-Auf-Straße zugeschlagen hat, ist am Montag bekannt geworden, dass sich der mutmaßliche Bandenchef für die letzten vier Coups offenbar sogar extra krankschreiben lassen hat.

Ein Vorgesetzter des bis zuletzt als Tourenleiter bei der Firma Tobaccoland angestellten Hauptangeklagten erinnerte sich am Dienstag vor dem Bochumer Landgericht an ein zuletzt sehr auffälliges Verhalten des 27-Jährigen.

"Anfangs war ein sehr fleißiger Mitarbeiter, doch dann ließ er immer mehr nach", sagte der Logistiker vor der 8. Strafkammer. Nachdem am 16. Dezember 2017 ein erster Tobaccoland-Fahrer bestohlen worden war, sei der Hauptangeklagte tags darauf völlig aufgelöst bei ihm zu Hause aufgetaucht, so der Vorgesetzte.

Zeuge riet dem Angeklagten, zum Arzt zu gehen

"Mir geht es total schlecht. Die Geschichte mit dem Überfall auf den Kollegen geht mir unglaublich nahe." So oder so ähnlich soll sich der Hauptangeklagte damals bei seinem Vorgesetzten gejammert haben. Er selbst - so der Zeuge - habe dem 27-Jährigen damals sogar noch geraten, zu einem Arzt zu gehen.

Tags darauf habe sich der Hauptangeklagte dann auch tatsächlich krankschreiben lassen. In der Folgezeit, als die vier weiteren bewaffneten Raubüberfälle auf Tobaccoland-Fahrer (unter anderem in Hervest) verübt worden sind, habe sich der 27-Jährige nicht einmal mehr bei ihm gemeldet. "Heute weiß ich ja, warum", sagte der Zeuge.

Bei dem Überfall in Hervest war am 18. Januar ein Fahrer vor seiner Wohnung auf der Glück-Auf-Straße mit einer Pistole bedroht und gezwungen worden, auszusteigen. Insgesamt waren bei den fünf Coups in Dortmund, Waltrop und Dorsten rund 56.000 Euro Bargeld erbeutet worden, außerdem zwei Lieferfahrzeuge im Wert von fast 50.000 Euro.

Die sechs Angeklagten sind weitgehend geständig. Der Hauptangeklagte verfügte laut Anklage über Insiderwissen. Kurz vor einem geplanten Überfall im März waren die jetzt Angeklagten von Spezialkräften der Polizei festgenommen worden. Der Prozess wird fortgesetzt.

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