Prozess am Schwurgericht Münster

Gutachter: Dreijähriger Junge wurde Opfer von Gewalt

Dorsten/Münster - Zwei medizinische Gutachter haben sich am Schwurgericht Münster festgelegt: Der dreijährige Junge aus Wulfen ist Opfer von Gewalt und Misshandlung geworden.

Elias starb im Januar 2016 in Olfen. Der wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Freund der Wulfener Mutter des Kindes beteuert dagegen weiterhin seine Unschuld. Der 33-Jährige schilderte zwar am zweiten Verhandlungstag eine neue Version des Tatgeschehens.

Im Kern bleibt aber auch diese dabei: Die schweren Kopfverletzungen, die zu einem Schädelbruch und einer massiven Hirnschwellung führten, soll sich der Junge bei einem Sturz auf den Fliesenboden des Badezimmers zugezogen haben.

Gehirn untersucht

Genau das ist nach Ansicht der Neuropathologin Kathy Keyvani aber nahezu ausgeschlossen. Sie hat das Gehirn des Dreijährigen nach dessen Tod eingehend untersucht und kommt zu dem Schluss: "Der Kopf muss von allen Seiten stumpfer Gewalt ausgesetzt gewesen sein."

Ein einziger Sturz auf den Hinterkopf sei mit dem festgestellten Verletzungsbild nicht zu vereinbaren. Und davon abgesehen, gebe es auch eindeutige Hinweise darauf, dass der Kopf des Kindes geschüttelt worden sein muss. "Und dabei sprechen wir nicht von einem leichten Schütteln, sondern eher einem heftigen Schleudern", sagte der Medizinerin.

Auch Keyvanis Kollege Kurt Trübner ist davon überzeugt, dass die von dem Angeklagten geschilderte Unfallversion nicht stimmen kann. Abgesehen von den schweren Kopfverletzungen habe er bei der Obduktion des Leichnams auch an der Wange, an einem Ellbogen und an den Rippen Blutergüsse festgestellt. "Möglicherweise wurde das Kind an den Ohren gezogen und auf den Boden gestoßen." Der 33-jährige Angeklagte war am Abend des 19. Januar 2016 allein mit Elias zu Hause.

Angeblich stand der Junge nachts noch einmal auf, um auf die Toilette zu gehen. Dann soll er urplötzlich umgefallen sein. Bei dem Versuch, den ohnmächtigen Jungen wieder zu Bewusstsein zu bringen, könne es sein, dass er den Kopf geschüttelt und auf den Boden gestoßen habe, räumt der Mann ein.

Und: Später will er auch noch gestürzt und dabei auf Elias gefallen sein. Der Staatsanwalt: "Das sind mir ein paar Zufälle zu viel."

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