Reihe Stadtklänge

"Trio con abbandono" bot elegante Salon-Musik im Frisörsalon

Die Reihe "Stadtklänge" gastierte am Sonntagabend im Friseursalon von Kerstin Chemnitzer. Eine gelungene Premiere mit einem außergewöhnlichen Trio für den außergewöhnliche Konzertort.

"Ein wunderbareres Konzept, Musik an ungewöhnlichen Orten aufzuführen", lobte Klarinettistin Beate Müller die Dorstener Veranstaltungsreihe "Stadtklänge" und damit den Ideengeber und künstlerischen Leiter Franz-Josef Stevens.

Lob für die Dorstener Veranstaltungsreihe

Mit Claudia Quakernack (Akkordeon) und Anne-Lise Cassonnet (Violoncello) gastierte Müller im Friseursalon "Hair Care" von Kerstin Chemnitzer - Klassik zwischen Spiegeln, Tischchen und Föhnlotionen, eine echte Premiere in Dorsten. Passend zum eleganten Ambiente startete das "Trio con abbandono" mit einer aparten Komposition, "Lisboa" von Peter Ludwig entführte in die stilvolle Melancholie des portugiesischen Fado, gepaart mit einer Dosis von erhebendem argentinischen Tango.

Wiederkehrende Schleifen mit wechselnden Soloeinlagen

In wiederkehrenden Schleifen mit wechselnden Soloeinlagen malten die Musikerinnen ein plastisches Traumbild, ein superber Spaziergang auf der ausladenden Promenade des Tejo. Schade nur, dass gerade hier am Anfang die Akustik des kleinen Raumes an ihre Grenzen stieß, die lauten Töne, vielfach von den nahen Wänden zurückgeworfen, schmerzten manchmal in den Ohren.

Es sollte glücklicherweise das einzige Stück mit diesem Problem bleiben.

"Trio abbandono" bot 90 Minuten leidenschaftliche Tänze aus der jiddischen Welt des Klezmers, aus der österreich-ungarischen Habsburgerdynastie mit diversen Czardas-Fantasien und einer heiteren Tritsch-Tratsch-Polka. Überhaupt waren die drei Damen froh gestimmt und leiteten mit einer Portion Humor durch das Programm.

Moderne Welt auf den Arm genommen

Leroy Andersons famoser "Typewriter" wurde standesgemäß von einer alten Schreibmaschine begleitet, die moderne Welt der "Selfies" mit einer alten Polaroid-Kamera auf den Arm genommen. Musikalisch innovativ das geschickte Einflechten von bekannten Melodien in bestehende Werke, ein Capriccio von Beethoven sah sich da angereichert von "Mein kleiner grüner Kaktus" und der Anfangssequenz der "Rhapsody in Blue" von George Gershwin.

Perfekte Verknüpfung von Antonio Vivaldis "Frühlingsthema" mit Astor Piazzollas "Primavera Portena", diese Musikerinnen wissen, was sie da tun. Überhaupt, Piazzolla steht dem "Trio con abbandono" dank der einfühlsamen Akkordeonistin, sehr gut zu Gesicht.

Überschäumende Ovationen

Nach überschäumenden Ovationen bei Ende des Konzertes verabschiedeten die Künstlerinnen das Publikum mit einer zweiten Zugabe aus der Feder des argentinischen Meisters des "Tango Nuevo" - eine schwermütige Melodie über einen einsamen Rosenverkäufer in Buenos Aires, vielleicht das schönste Stück des gesamten Abends.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Nach kreativem Protest gegen AfD-Veranstaltung in Herten: Stephan Brandner verhöhnt Demonstranten
Nach kreativem Protest gegen AfD-Veranstaltung in Herten: Stephan Brandner verhöhnt Demonstranten
Auf in die fünfte Jahreszeit: Endlich werden die  Recklinghäuser Narren wieder regiert  
Auf in die fünfte Jahreszeit: Endlich werden die  Recklinghäuser Narren wieder regiert  
Karnevals-Geheimnis gelüftet: Das ist das neue Stadtprinzenpaar in Herten
Karnevals-Geheimnis gelüftet: Das ist das neue Stadtprinzenpaar in Herten
A43-Ausbau: Meilenstein im Kreuz Recklinghausen – A2 wieder dreispurig
A43-Ausbau: Meilenstein im Kreuz Recklinghausen – A2 wieder dreispurig
Warum die Feuerwehr die Heizung im Einsatzfahrzeug volle Pulle aufdrehte
Warum die Feuerwehr die Heizung im Einsatzfahrzeug volle Pulle aufdrehte

Kommentare