Stadt klagt auf Schadensersatz

Dorstener Rentner besprüht Linde mit Gift

Dorsten - Die Stadt Dorsten hat einen 87-jährigen Rentner verklagt, weil er Zweige einer städtischen Linde vor seiner Haustür in Barkenberg mit Gift besprüht hat. Der Baum verlor daraufhin viele Blätter und kränkelt ihrer Meinung nach. Seit zwei Jahren tobt ein Rechtsstreit, ob der Rentner Schadensersatz an die Stadt zahlen muss.

Damit hatte der städtischen Rechtsvertreter nicht gerechnet. Eine Zivilrichterin vom Amtsgericht Dorsten kümmerte sich beim Gütetermin im Amtsgericht nicht vorrangig um die Schadensersatzforderung der Stadt an den Rentner, sondern berücksichtigte dessen lautstarke Kritik an der Stadt, dass die sich gar nicht um den Baum kümmere. "Der wächst seit 60 Jahren, ist noch nie beschnitten worden und hebt mit seinen Wurzeln die Gehwegplatten vor meinem Haus an", empörte sich der Mann. Noch mehr regt ihn auf, dass die riesige Linde ihr Laub auf seinem Grundstück abwirft ("da wächst gar nichts mehr") und die dicht belaubten Zweige seinen Wohnraum überschatten.

Nach dem Gifteinsatz des Rentners warf die Linde einen Teil ihres Blätterkleides ab. Das widerrechtliche Verhalten des alten Mannes empörte die Stadt. Sie forderte zum Aufpäppeln des aus ihrer Sicht beschädigten Baumes Schadensersatz in Höhe von 500 Euro von dem Anwohner. Doch der wies die Forderung zurück: "Ich lasse euch keine Ruhe, ich will, dass der Baum wegkommt. Der gehört da nicht hin", giftete er am Donnerstag im Gerichtssaal herum.

Kompromiss angemahnt

Die Zivilrichterin mahnte trotz der unversöhnlichen Stimmung im Gerichtssaal einen Kompromiss an. "Wir sind hier im Gütetermin." Sie schlug vor, dass ein gerichtlich bestellter Gutachter den Baum auf etwaige Schäden untersuchen solle. "Er soll aber auch untersuchen, ob Teile der Äste durch das Beschneiden der Wurzeln nicht genügend Nährstoffe bekommen haben", sagte sie. Vielleicht habe ja der städtische Schnitt zum Absterben einiger Zweige geführt? Doch da machte der Rentner nicht mit. "Ich brauche keinen Gutachter. Der Baum ist krank", sagte der alte Mann. Der städtische Rechtsvertreter machte geltend, dass es ums Prinzip gehe. "Was macht das für einen Eindruck auf die Nachbarn, wenn dieses Verhalten durchgeht?"

Gleichwohl schlug der Justiziar vor, dass die Stadt einen Mitarbeiter nach Barkenberg schickt, um zu untersuchen, ob die durch die Wurzeln angehobenen Bodenplatten tatsächlich eine Gefahr für Fußgänger darstellen. Denn auch das hatte der Rentner beklagt. Er sei darüber gestolpert und habe sich verletzt. Der Baum schadet meiner Gesundheit."

Ob ihm oder dem Baum Unrecht geschieht, wird die nächste Verhandlungsrunde zeigen. Der Rentner gab zu erkennen, dass es ihm gleichgültig sei, was dabei herumkommt. "Ich gehe notfalls bis zum Petitionsausschuss des Landtages. Der Baum muss weg", sagte er.

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