Straßen.NRW

Straßenwärter leben gefährlich: Landesbetrieb investiert in Arbeitsschutz

Der Job des Straßenwärters ist lebensgefährlich. Eine gute Schutzausrüstung ist wichtig. Nicht nur der Verkehr stellt eine Gefahr dar. Das Verhalten mancher Autofahrer macht fassungslos.

Straßenwärter sind Tag und Nacht im Einsatz. Sie arbeiten meist mitten im Verkehr. Wie gefährlich der Job ist, zeigt sich auch beim Pressetermin in der Dorstener Autobahnmeisterei: Noch während des Gesprächs mit den Medienvertretern erhalten die anwesenden Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen.NRW über ein Warnsystem die Mitteilung, dass es mal wieder gekracht hat: Auf der A61 ist ein Transporter auf ein stehendes Fahrzeug einer Baufirma geknallt.

Das Risiko eines tödlichen Arbeitsunfalls ist für Straßenwärter laut Straßen.NRW 13 Mal höher als in vergleichbaren Berufen. Erst in der vergangenen Woche kam ein Mitarbeiter einer Baufirma ums Leben, als er beim Rückbau einer Baustelle auf der A3 von einem Lkw erfasst wurde. Hinzu kommt, dass Autofahrer ihren Frust über Baustellen immer häufiger an den Straßenwärtern auslassen. "Die Kollegen werden beschimpft und mit Gegenständen beworfen, weil Verkehrsteilnehmer sie als Hindernis empfinden", sagt Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek.

Der Dorstener Frank Rohde hat das auch schon erlebt. Der 41-Jährige ist bei der Autobahnmeisterei in Gelsenkirchen beschäftigt und macht den Job schon seit 25 Jahren. Schwer verletzt wurde er im Einsatz noch nicht, aber es war schon häufig sehr knapp. "Da war mal ein Streifschuss", sagt Rohde. "Ich konnte mich gerade noch wegdrehen und wurde nur leicht vom Außenspiegel getroffen."

Blinkende Warnwesten und belüftete Hosen

Umso wichtiger ist es, dass die Arbeiter im Einsatz optimal geschützt sind. Deshalb hat Straßen.NRW seine 1900 Straßenwärter und auch alle Vermesser, Techniker und Ingenieure nun mit einer neuen, modernen Sicherheitskleidung ausgestattet. Dazu gehören unter anderem eine blinkende LED-Warnweste und belüftete Schnittschutzhosen.

Auch die Reflektoren auf der orangefarbenen Schutzkleidung sind neu angeordnet. Sie verlaufen nun nicht mehr ausschließlich quer, sondern auch längs entlang der Arme und Beine. Das macht die Straßenwärter in jeder Position erkennbar und verringert das Risiko, dass sie mit Baken verwechselt werden.

Aber nicht nur bei der Kleidung investiert Straßen.NRW in den Arbeitsschutz. Vor Baustellen werden unaufmerksame Autofahrer inzwischen von Warnschwellen wachgerüttelt. Lkw-Fahrer erhalten zudem Warnungen über Funk. Seit vier Jahren werden die Mitarbeiter der Autobahn- und Straßenmeistereien außerdem in einem vom Landesbetrieb entwickelten Risikoparcours geschult. Sie lernen dort etwa, Geschwindigkeiten von heranfahrenden Autos und Entfernungen richtig abzuschätzen.

Mit der Zeit gewöhne man sich an die gefährliche Arbeit, sagt Heiko Kemper, Leiter der Autobahnmeisterei Dorsten. "Niemand geht morgens ängstlich zur Arbeit, aber den Respekt vor dem Job behält man immer."

Autofahrer sollen vom Gas gehen und Abstand halten

Elfriede Sauerwein-Braksiek wünscht sich, dass Autofahrer an Baustellen vom Gas gehen und Abstand halten: "Jeder sollte sich bewusst machen, dass die Kollegen für die Sicherheit aller arbeiten und ihnen deshalb auch mehr Respekt entgegenbringen."

Die Akzeptanz gegenüber Straßenwärtern sei eigentlich nie besonders groß gewesen, sagt Rohde. "Wir sind halt die vor Ort, die man sieht, und wir kriegen es dann eben ab. Es wäre wünschenswert, wenn man uns mehr Respekt entgegenbringen würde. Wir arbeiten schließlich nicht für uns, sondern auch für die, die auf den Straßen fahren."

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