Tobias Lange ist ein Wetterjäger

Dorstener ist auf der Jagd nach Blitz und Donner

Dorsten - Wenn es gewittert und stürmt, hagelt und donnert, dann suchen die meisten Menschen Schutz. Nicht so Tobias Lange. Der Dorstener ist schließlich ein Wetterjäger.

Für Tobias Lange ist das Donnern, das ein Unwetter ansagt, der Startschuss für ein Abenteuer im Freien. "Andere Leute gehen Fußball spielen, ich gehe dafür Gewitter jagen", sagt der 31-Jährige und grinst. "Mich faszinieren einfach die Kräfte hinter den Blitzen und die Wolkenstrukturen. Je gefährlicher es aussieht, desto besser ist es auch für uns."

Das Wetter vom vergangenen Wochenende stuft Lange als "Schrottgewitter" ein. "Hier fehlten die Strukturen", erklärt er. Trotzdem ließ er sich das Spektakel am Himmel nicht entgehen, bewaffnete sich mit Regenkleidung und Kamera und verbrachte die Nacht von vergangenem Samstag auf Sonntag im Freien.

Vor der Gewitterzelle hergefahren

Die Idee des Wetterjagens kommt aus der USA. Die sogenannten Storm Chasers, auf Deutsch Sturmjäger, fahren zu Tornados raus, nehmen Messergebnisse, machen Fotos und Videos und versuchen, die Menschen zu warnen. "Das hat mich so fasziniert, dass ich das auch machen wollte", sagt der gelernte Schlosser. "In Dorsten gab es zwar bislang keine Tornados, aber spektakuläre Gewitter."

Das erste Mal jagen war er beim Pfingst-Unwetter 2014. Zusammen mit einem Kollegen ist er da sogar bis nach Belgien gefahren, wo das Unwetter seinen Ursprung hatte, und von da aus sind sie dann vor der Gewitterzelle hergefahren, bis ins Ruhrgebiet, wo schon alles unter Wasser stand.

"Wir versuchen zu helfen, wo wir können"

"In den Orten, an denen wir vorbeigekommen sind, haben wir dann geholfen, wo wir konnten", erzählt Tobias Lange. "Am Straßenrand haben wir eine weinende schwangere Frau gesehen, ihr ganzer Keller war voller Wasser gelaufen, sie war alleine zu Hause und die ganzen Babysachen waren im Keller", erzählt er weiter.

"Da die Feuerwehr zu solchen Zeiten mehr als genug zu tun hat, versuchen wir zu helfen, wo wir können." Drei Tage, bevor sich ein Gewitter ankündigt, werden zunächst die Wettermodelle analysiert. Am Tag vorher beschließen Tobias Lange und seine Mitjäger, ob es sich lohnt, herauszufahren. Die letzte Chasing Tour war im April, da war Lange in ganz NRW unterwegs. "Wir sind ungefähr 600 Kilometer gefahren und dabei sind 300 Bilder entstanden", sagt er.

Facebook-Gruppe gegründet

Vor einem Jahr hat der Barkenberger sich dann mit anderen Wetterjägern zusammengeschlossen und eine Facebook-Gruppe gegründet. Jeden Tag um 20.01 Uhr erscheint der tagesaktuelle Wetterbericht, den Tobias Lange jeden Tag selber zusammenschreibt. Über 3000 Likes und 3100 Abos hat die Seite über das Jahr gesammelt.

Neben dem Wetterbericht werden auch Livevideos von den Einsätzen gepostet, genauso wie Bilder und Warnungen. "Am Anfang waren wir nur in NRW vertreten, dann haben wir so viele Anfragen bekommen, dass wir uns dazu entschieden haben, das Projekt deutschlandweit aufzuziehen", sagt Lange. Mittlerweile sind die Wetterjäger in jedem Bundesland vertreten. Die Zentrale ist aber bei Tobias Lange am Himmelsberg.

"Wir bieten auch einen Whatsapp-Newsletter an, über den wir jetzt schon an 300 Leute den Wetterbericht mit einer eigenen Wetterkarte schicken", erzählt er. Bis zum Ende des Jahres haben Tobias Lange und sein Team noch einiges vor. "Wir wollen jetzt noch die Saison abwarten und uns dann zum Herbst hin selbstständig machen", sagt er. "Das heißt, wir wollen eine eigene App entwickeln und unsere Bilder verkaufen", erklärt er sein Vorhaben.

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