Umbau der Fußgängerzone

Innenstadt wird zum Laufsteg

Dorsten - Die Fußgängerzone soll schöner werden. Für den 4,6-Mio.-Euro-Umbau gab die Politik jetzt grünes Licht. Auch die Poller-Pläne werden umgesetzt. Die Öffnung für Radfahrer ist aber noch unsicher.

Neue Bäume, 28 an der Zahl, schlank und hochgewachsen. Bequeme Holz-Bänke mit hoher Rückenlehne. 140 Fahrradstellplätze, in Form von schmalen Abstellbügeln. Abfalleimer, die eigens für die Dorstener Innenstadt entwickelt werden. LED-Leuchten, die das Licht indirekt verteilen.

Dazu als Blickfang ein neuer Belag für den Marktplatz. Und für Lippestraße, Essener Straße, Recklinghäuser Straße sowie angrenzende Seitenstraßen eine dreigeteilte hochwertige Pflasterung aus Klinker, Granit und Grauwacke-Stein, mit der sich die Bürger an der Testfläche Recklinghäuser Tor bereits anfreunden dürfen. So soll die Dorstener Fußgängerzone künftig aussehen. Und dafür gab es am Dienstag vom Umwelt- und Planungsausschuss ungeteilte Zustimmung.

Wie es nun weitergeht:

Die Politik segnete einstimmig die Pläne des beauftragten Büros "Lohaus & Carl" ab, das mit Info-Versammlungen, öffentlichen Begehungen und Beiratssitzungen die Bürger und Kaufleute bei der Auswahl der Materialien mit ins Boot genommen hatte. "Im September soll in der Lippestraße mit der Pflasterung begonnen werden", kündigte Thomas Köhlmos vom Büro "Lohaus & Carl" an, der die Planungen vorstellte. Drei Bauphasen, die sich mit der Erneuerung der unterirdischen Leitungen in den Straßen der Fußgängerzone abwechseln, sind angesetzt. Im November 2020 soll die in die Jahre gekommene Innenstadt dann in neuem Glanz erstrahlen. Gesamtkosten: 4,6 Mio. Euro, 90 Prozent werden von Land und EU gefördert, 460.000 Euro muss die Stadt selbst aufbringen.

Was den Planern wichtig war:

Im Vordergrund stand, dass die Fußgängerzone möglichst barrierefrei wird. "Alle Flächen können gut mit Rollstühlen, Rollatoren und von Menschen mit Sehschwäche genutzt werden", so Thomas Köhlmos. Das Planungsbüro habe nicht nur viel Wert auf Optik, sondern auch auf Funktionalität gelegt. Beispiele: Die Auswahl der Bänke richtete sich auch danach, wie sie von älteren Menschen bewertet wurden. Die Leuchten auf dem Markt wurden so ausgesucht, dass man mit ihnen auch Giebel und Fassaden auf dem Marktplatz anstrahlen kann. Und der Platz vor dem Franziskanerkloster wird so hergerichtet, dass er zum Verweilen einlädt.

Der Blick auf einige Details:

Das Aussehen des St.-Agatha-Kirchplatzes bleibt unangetastet, allerdings werden dort Bäume gefällt und neue gepflanzt. An vier Standorten gibt es künftig Spielgeräte für Kinder. Der Granatapfel-Brunnen am Franziskanerkloster bleibt bestehen, allerdings ohne die jetzige Einbuchtung. Das ehemalige Drubbel-Bauwerk in der Lippestraße wird durch eine dünne Stahlkante im Pflaster und einen nächtlichen Licht-Umriss deutlich gemacht. Für das Stadtwappen-Mosaik, das früher die Lippetor-Unterführung zierte, wurde bislang kein geeigneter neuer Standort gefunden. Die Stolpersteine als Erinnerung an frühere jüdische Bürger bleiben.

Die Frage der Sicherheitspoller:

Die Eingänge in die Fußgängerzone sollen künftig durch automatisch versenkbare und zeitweise durch Induktionsschleifen bedienbare Metall-Hochsicherheits-Poller bestückt werden (wir berichteten) - als Terrorschutz und um den Lieferverkehr in der Innenstadt außerhalb der erlaubten Zeiten einzuschränken. Auch dafür gab es am Dienstag eine politische Mehrheit, allerdings zweifelten FDP, Grüne und Linke den Sinn der 300.000 Euro teuren Investition an. "Scheinsicherheit", nannte Michael Haake (Grüne) die Pläne. "Der Terrorismus muss sich bei uns an die Anlieferzeiten halten", frotzelte Rüdiger Bente (FDP). Stadtbaurat Holger Lohse erklärte jedoch, dass das Land das Thema Sicherheit sehr hoch hänge: "Die Fördergelder dafür sollten wir deshalb in Dorsten mitnehmen."

Strittige Freigabe für Radfahrer:

Die Entscheidung darüber, ob die Fußgängerzone nach dem Umbau zunächst probeweise für ein Jahr auch tagsüber für Radfahrer geöffnet wird (siehe unsere Berichterstattung aus der letzten Woche), wurde indes vertagt. Vor allem bei SPD und CDU hatte es fraktionsintern keine klare Meinung gegeben - zumal die Stadtverwaltung eine weitere Stellungnahme der Polizei Recklinghausen vorgelegt hatte, die die mögliche Freigabe aus Unfallsicherheitsgründen in Bezug auf Kinder, Senioren und Radler durchaus kritisch sah. "Grundsätzlich raten wir dazu, die Fertigstellung des Umbaus abzuwarten", so die Polizei. Und erst mal abzuwarten, wie sich das Verkehrs-Verhalten in der Fußgängerzone entwickelt.

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