Videoüberwachung in der Agatha-Kirche?

Dorstener wollen nach Diebstahl mehr Kontrolle

Dorsten - Nachdem ein Dieb einer 90-Jährigen in der Agatha-Kirche 550 Euro gestohlen hat, fordern Dorstener eine Videoüberwachung im Gotteshaus. Das Gebot der Stunde? Die Justiz meint: nein.

"Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht von erheblichem Gewicht" hat das Bundesverfassungsgericht die Absicht beschrieben, das Innere einer Kirche mit einer Videokamera zu überwachen. "Da werden Persönlichkeitsrechte verletzt", sagte auch Polizeisprecher Michael Franz am Dienstag auf unsere Anfrage. Er hält eine Kameraüberwachung der Kirche für "heikel". Der Fall der 90-jährigen Dorstenerin, die Opfer eines gewissenlosen Diebs in der Kirche geworden ist, bezeichnete der Polizeisprecher als "sehr ungewöhnlichen Fall".

Neu in PolizeiaktenVandalismusschäden in einer Kirche, die Plünderung des Opferstockes, all das habe es in der Vergangenheit in verschiedenen Gotteshäusern im Bereich der Kreispolizeibehörde gegeben. "Dass aber jemand beim Beten oder beim Anzünden einer Kerze bestohlen wird, ist neu", meinte Franz.

Die alte Dame war am 5. Februar (Montag) nach einem Bankbesuch in der Innenstadt zur Agatha-Kirche gelaufen, um dort eine Kerze für ihren verstorbenen Mann und die lebenden Angehörigen anzuzünden. Bei dieser Gelegenheit gesellte sich ein mittelgroßer, "sehr bleicher Mann" zu ihr. Ihm gelang es in einem unbeobachteten Moment, ihr den Bankbriefumschlag mit 550 Euro Inhalt aus der Handtasche zu klauen. Danach verschwand der Dieb. Die Rentnerin stellte den Verlust des Geldbetrages später fest.

Ängstlich und schreckhaftIhre Enkelin sagte am Dienstag auf Anfrage, dass ihre Großmutter seit dem Diebstahl sehr ängstlich und schreckhaft geworden sei. Gleichwohl sei die alte Dame aber nicht in Geldnöten, wie die Enkelin bekräftigte. Einige Dorstener hatten nach der Veröffentlichung des Vorfalls in der Dorstener Zeitung am Freitag (9. Februar) finanzielle Hilfe angeboten, damit die Seniorin nicht in Not gerät. "Vielen lieben Dank an die möglichen Spender, aber meine Oma ist darauf nicht angewiesen", sagte die Enkelin. Pastor Ulrich Franke nimmt den dreisten Diebstahl in seinem Gotteshaus zum Anlass, in der nächsten Kirchenvorstandssitzung die Sicherheit in der Kirche zum Thema zu machen. "Unsere Küsterin hat schon mehrfach darauf gedrungen, weil des Öfteren Dinge verschwinden oder beschädigt werden", sagte Franke. Das habe sicher auch damit zu tun, dass die Agatha-Kirche eine offene Kirche ist: "Sie ist werktags und an Wochenenden ganztägig geöffnet."

Immer geschlossen haltenWegen Vandalismusschäden und Diebstählen habe der Pfarreivorstand gemeinsam mit der Polizei beratschlagt, wie die Kirche am besten vor ungebetenen Gästen geschützt werden könne: "Die Antwort der Polizei: Wenn wir sie immer geschlossen halten", sagte Franke. Eine Videoüberwachung, so die Meinung, könne keine umfassende Beobachtung sicherstellen. Außerdem sei die Kirche für die Mehrzahl der Menschen ein Ort der Geborgenheit und Stille. "Den möchte ich ihnen nicht nehmen", so Franke.

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