Viel Lob für Rettungsaktion

Das Reh aus dem Kanal ist wieder in Freiheit

Hardt - Das Reh, das am Sonntag in den Kanal gefallen war, ist wohlauf und wieder in Freiheit. Die Feuerwehr hat für den Einsatz viel Lob und Anerkennung bekommen, schließlich war die Rettung auch sehr spektakulär.

Dem Reh, das die Feuerwehr am Sonntag in Höhe der Oelmühle aus dem Kanal gerettet hat, geht es gut. Das bestätigte der Feuerwehrsprecher Markus Terwellen am Montag auf Anfrage der Redaktion.

"Es geht ihm blendend", sagte David Nemitz auch Kirchhellen am Nachmittag sogar. Bei ihm und bei seiner Freundin Sarah Franz war das Tier Sonntagnacht vorerst untergekommen, um sich aufzuwärmen und von den Strapazen zu erholen. Am Montagabend haben die beiden das Tier wieder in die Freiheit entlassen. Aber: Wie ist es überhaupt erst im Kanal gelandet, wie genau die Rettung geglückt?

Vermutlich, so sagt die Dorstener Jägerin Eva Wemhoff, wurde es vor dem Sturz in den Kanal irgendwie aufgeschreckt - durch einen Hund etwa oder durch Spaziergänger. Mit richtig Tempo muss es dann unterwegs gewesen sein - so schnell, dass es beim Laufen das Kanalufer übersah und ins Wasser stürzte. Schwimmen können Rehe zwar - "wenn sie müssen", so Eva Wemhoff. Das Problem war allerdings, dass sich das Tier auf der Seite der Spundwand nicht mehr selber aus dem Wasser retten konnte.

An Sprossenwand heruntergeklettert

"Mein Kollege ist die Sprossenwand im Kanal runtergeklettert", erzählt Feuerwehrmann Holger Schlieper, der zusammen mit Bernd Kallweit als erster vor Ort war. Bis zur Brust stieg Bernd Kallweit in kalte Wasser. "Das Reh war schon so geschwächt, dass es eigentlich direkt in seine Arme geschwommen ist", sagt Holger Schlieper. Er selbst stieg dann auch mit ins Wasser und die beiden konnten das circa 25 Kilo schwere Tier aus dem Kanal ziehen.

Das war das eine. Das andere: Wie geht man dann mit einem Tier um, das gerade zitternd aus dem eiskalten Wasser gekommen ist? Feuerwehrleute, das sagt Markus Terwellen ganz klar, sind da ja schließlich keine Experten. "Oft müssen wir einfach improvisieren", sagt er. Das taten auch die Feuerwehrmänner am Kanal. Sie wärmten das zitternde Tier mit ihren Jacken und luden es in den Einsatzwagen. "Wir haben dazu eine spezielle Transportbox im Fahrzeug", erklärt Markus Terwellen.

So beladen steuerten sie dann die nächstgelegene Tierarztpraxis an. Dr. Susanne Ewens war ziemlich überrascht, als am Sonntag gegen Mittag zwei klitschnasse Feuerwehrmänner vor ihrer Haustür standen. Sie ist eigentlich auf Reptilien spezialisiert - mit Wild hatte sie, so erzählte sie Montag mit einem Lächeln, länger nichts zu tun. Trotzdem nahm sich die Ärztin des Tieres natürlich an. "Der Kreislauf war stabil, es hatte allerdings keine messbare Körpertemperatur", erzählt sie. Ein Thermometer fängt bei 34 Grad an zu messen.

Beruhigungsspritze

Nachdem die Tierärztin sich in Fachbüchern rückversichert hatte, spritzte sie dem Tier, das natürlich gestresst und panisch war, etwas zur Beruhigung. Und machte ihm eine Wärmflasche. Und dann?

Über einen anderen Fall in ihrer Praxis hatte Susanne Ewens Kontakt zu David Nemitz und Sarah Franz aus Kirchhellen, die vor einiger Zeit mal ein angefahrenes Reh wieder aufgepäppelt hatten. Sarah Franz ist Pferdepflegerin, in dem Garten des Paares leben ein Pferd und ein Pony. Sie erklärten sich sofort bereit, das Reh für die Nacht aufzunehmen. "Die Feuerwehrleute haben es also wieder in den Wagen geladen und nach Kirchhellen gebracht. Die waren wirklich toll", sagte Susanne Ewens.

Reh kam nach Kirchhellen

Schon als es dort ankam, so David Nemitz, sei es recht fit gewesen, habe sich schnell wieder erholt - und den Drang nach Freiheit deutlich gezeigt. "Es ist natürlich überhaupt nicht an Menschen gewöhnt und wollte wieder in die Freiheit", sagte er am Montag, kurz bevor er und seine Freundin das Tier wieder in die Freiheit entließen. Und zwar in die gewohnte Umgebung in Dorsten.

Positive Rückmeldungen

Die Feuerwehr und alle Beteiligten haben für die Rettungsaktion viele positive Rückmeldungen bekommen. So auch von Hans-Martin Nicolai, der Zeuge der Rettungsaktion war: "Gut, dass wir solche Männer haben, die selbst ein Reh aus dem kalten Wasser retten, auch auf die Gefahr hin, dass sie selber gesundheitlich Schaden nehmen könnten."

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