Wandgemälde von 1979

Kunstlehrerin sucht ihre alte Klasse

Dorsten - Ursel Kipp hat 1979 als Lehrerin mit einer kreativen Klasse ein riesiges Wandgemälde gestaltet. Doch wer sind die damaligen Schüler? Die Dorstener möchte sie wiederfinden und bittet um Hinweise.

Eine schwere und dunkle Dachkonstruktion sorgt leider dafür, dass das bunte Werk im Vorbeigehen nur schlecht zu erkennen ist. Überhaupt ist der Standort etwas ab vom Schuss, dort im ehemaligen Freizeitpark Maria Lindenhof. Dabei hätte das etwa zehn Meter breite und zwei Meter hohe Wandgemälde am seit mehr als 15 Jahren stillgelegten Gebäude der Ex-Jugendverkehrsschule durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient, gehört es doch zu den ersten öffentlichen Kunstwerken, das Dorstener Schüler selbst gestalten durften.

26. Mai 1979

Am 26. Mai 1979 war dies, das ist dem Schriftzug am rechten unteren Bildrand zu entnehmen. Und anhand der Signatur auch, dass Schüler der Gesamtschule Wulfen es mit Farbe und Pinsel hergestellt haben. Ihre Kunstlehrerin damals: Ursel Kipp. "Ich würde gerne meine Klasse von damals wiedertreffen", sagt die 79-Jährige, die als Künstlerin noch an vielen Dorstener Kreativ-Aktionen beteiligt ist. Das Problem ist: "Ich weiß leider nicht mehr, mit welcher Jahrgangsstufe ich die Wand damals gestaltet habe." Deshalb möchte Ursel Kipp einen Aufruf starten: "Es wäre schön, wenn sich die Ehemaligen melden würden."

Projekt Stadtkrone

Dass das Gebäude samt Gemälde überhaupt wieder Aktualität gewonnen hat, ist Marion Taube zu verdanken. Die Dorstener Kultur-Managerin plant im Auftrag der Stadt, den fast vergessenen Freizeitpark Maria Lindenhof unter dem Titel "Stadtkrone" mit neuem Leben zu füllen. Auch die Ex-Jugendverkehrsschule soll bespielt werden. "Ich wurde neugierig, als ich die schöne Wand entdeckte", sagt Marion Taube. Da sie wusste, dass Ursel Kipp früher Lehrerin in Wulfen war, erhoffte sie von ihr mögliche Informationen zur Herkunft des Werkes.

Ursel Kipp konnte sich im Telefonat mit Marion Taube zunächst überhaupt nicht mehr daran erinnern, dass sie mit ihrer Klasse damals daran beteiligt war. "Erst als ich vor Ort die Signatur las, fiel mir auf, dass das ja meine eigene Handschrift ist." Nach und nach kehrten Erinnerungen zurück: Daran, dass die Schüler auf dem vierteiligen Bild die Jahreszeiten darstellen sollten. Daran, dass das Motto "Alle Kinder sollen hier zusammen spielen" hieß. Daran, dass die Jugendlichen nur einen Tag brauchten, um das XXL-Bild zu malen. Und daran, dass ihr Gerd Brand den Auftrag erteilt hatte.

Gerd Brand war seinerzeit Amtsleiter in der Dorstener Stadtverwaltung. Der im Juni 1978 in Betrieb genommene Freizeitpark war seinem Amtsbereich zugeordnet worden, inklusive des Betriebsgebäudes, aus dem später die Jugendverkehrsschule wurde. "Die Betonwand sah damals total trist aus, deshalb fragte ich unseren städtischen Pressesprecher Wolfgang Eberhard Kipp, ob seine Frau sie nicht mit Schülern schöner machen könnte."

In der 9. oder 10. Klasse

Gesagt, getan. "Die Schüler müssten damals in der 9. oder 10. Klasse gewesen sein, das sieht man dem Stil des Gemäldes an", so Ursel Kipp. "Das heißt: Sie dürften jetzt in einem gestandenen Alter von Mitte 50 sein." Sie würde sich freuen, ihre die Ehemaligen wiederzusehen. "Und ich würde gerne auch wissen, wie sie mich damals empfunden haben", so die Künstlerin. Denn: "Ich werde jetzt 80 Jahre alt, da komme ich in das Alter, in dem man auf sein Leben zurückblickt.".

Das Wandgemälde hat übrigens die letzten 38 Jahre gut überstanden: keine Vandalismusschäden, keine Schmierereien. "Es spricht für die Kraft des Bildes, dass sich keiner dran vergriffen hat", so Marion Taube. Sie würde die damalige Kunstklasse von Ursel Kipp gerne vor dem Bild versammeln - und zum Sommer-Eröffnungsfest der Stadtkrone im Juni einladen.

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