Wolfsgebiet

Eine Wölfin bringt die Menschen in Aufruhr

Wenige Stunden nach der Entscheidung, das erste Wolfsgebiet in NRW auszuweisen, machte eine Bürgerversammlung in Gahlen deutlich, welche Sorgen viele Menschen derzeit haben.

Vertreter des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und des NRW-Umweltministeriums informierten am Montagabend im proppenvollen Gahlener Café Holtkamp über Fördermaßnahmen und Verhaltensweisen. Die Besucher kamen aus Schermbeck und seinen Nachbarorten, sogar aus Bottrop, Rees und aus dem Kreis Kleve. Die Fakten:

Ein Reihe von Fragen bezog sich auf das Verhalten von Wölfen. Bisweilen wurden Fragen durch Kritik ersetzt. Ein Bottroper bemängelte die fehlende Information seitens des LANUV. Fachbereichtsleiter Dr.Matthias Kaiser erwiderte, dass die Presse bei einem nachgewiesenen Wolfsauftritt benachrichtigt werde. Ein Wolfsgebiet werde eigentlich erst sechs Monate nach dem ersten Wolfsauftritt ausgewiesen. In Schermbeck habe man den Vorgang um zwei Monate verkürzt.

Wie sollen sich Kinder verhalten?

Die Leiterin eines Raesfelder Kindergartens erkundigte sich nach den Bedrohungen der Kinder. Kaiser: "Ich sehe keine Gefahren. Man sollte den Kindern keine Angst machen." Er empfahl, befürchtete Wölfe vorab mit Radau oder Trillerpfeifen zu verjagen. In diesem Zusammenhang verwies der NABU-Mitarbeiter Peter Malzbender darauf, dass es seit 1995 nicht einen einzigen Übergriff auf Menschen gegeben habe. Der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck empfahl: "Laden Sie Fachleute zum Gespräch ein!"

Offen blieb die Frage einer Besitzerin einer Wanderherde nach der Art von förderwürdigen Schutzmaßnahmen. Offen blieb auch die Frage, ob und wie man Nutztiere in einem offenen Stall vor dem Wolf schützen kann. Die Gahlener Schafszüchterin Christiane Rittmann erfuhr, dass es keine Entschädigung für Schutzmaßnahmen gibt, die vor der Ausweisung des Schermbecker Wolfsgebietes vorgenommen wurden.

Wolf darf nur mit Ausnahmeregelung geschossen werden

Der Wolf steht unter Naturschutz. Seine Tötung wird mit einer Geldstrafe bis zu 50.000 Euro bestraft oder mit Gefängnis. Das Beseitigen von auffälligen Wölfen ist erlaubt. Allerdings muss dazu eine artenschutzrechliche Ausnahmeregelung vorgelegt werden. Wann der Wolf ein auffälliges Verhalten zeigt, steht noch nicht exakt fest. Derzeit erstellt eine Arbeitsgruppe ein Arbeitspapier für die im November stattfindende Umweltkonferenz. Stang: "Der Wolf, der ein Schaf reißt, ist nicht auffällig. Er zeigt ein normales Verhalten."

"Hier wird nur über Geld geredet"

Die Frage nach dem Kostenträger beantwortete Stang: "Der Steuerzahler zahlt das. In den Jahren 2009 bis 2017 seien insgesamt 1.660 Euro gezahlt worden. Die Diskussion über die Bezahlung nutzte eine Zuhörerin zur Feststellung: "Hier wird nur über Geld geredet. Ich möchte mein Geld nicht dazu verwenden, dass es Viehhalter bekommen, um ihren Gewinn zu erhöhen." Die Formulierung wurde mit lauten Unmutsbezeugungen quittiert.

Kreislandwirt Wilhelm Neu forderte ein, dass die Arbeitsleistung für die Durchführung von Schutzmaßnahmen mit in die Förderleistung einbezogen werden müssen. Der Dammer Landwirt Hartmut Neuenhoff wollte wissen, wer für die Schäden aufkomme, wenn eine durch das Auftreten des Wolfes in Panik geratene Viehherde Schaden verursache. Eine ähnliche Frage stellte eine Pferdebesitzerin. Stang: "Die Kosten trägt eine Viehhalterversicherung."

Auf die Frage nach dem Zeitraum bis zur Zahlung der Fördergelder für eine Schutzmaßnahme antwortete Stang: "Sie dürfen vor einer Bewilligung nicht anfangen. Ich geh davon aus, dass die Mitarbeiter möglichst schnell einen Bescheid erteilen."

"Ich fand, das war hier ein gutes Stück demokratischen Verhaltens", lobte LANUV-Präsident Thomas Delschen am Ende der zweistündigen Veranstaltung die Besucher und die Tatsache, "dass man sich nicht niederbrüllte". Hämisches Gelächter an einigen Stellen und ab und zu ein Raunen als Zeichen der Unzufriedenheit mit einer Antwort hielten sich in einem verträglichen Rahmen.

Als stellvertretender Pressesprecher des Umweltministeriums nahm Peter Schütz drei Erkenntnisse mit ins Ministerium: "Die Infopolitik muss sich verbessern. Die Sorgen und Nöte der Eltern schreien danach, dass wir auch in Kindergärten und Schulen gehen. Außerdem müssen die Förderrichtlinien überarbeitet werden."

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