Wulfener Markt

50 Mieter müssen raus aus ihren Wohnungen

Wulfen-Barkenberg - Die Mieter am Wulfener Markt müssen ihre Wohnungen bis zum 30. September räumen. Viele wollen dort aber nicht ausziehen.

Für die Immobilie Wulfener Markt, Ladenpassage mit Mietwohnungen, wurde 2015 die vorläufige Insolvenz eingeleitet. 2018 erfolgte die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Eigentümerin des Gebäudekomplexes ist ein Immobilienfonds (Medico Fonds 18) mit vielen Gesellschaftern. Sie haben kein Interesse mehr am Wulfener Markt. Der wirft seit Langem kein Geld mehr ab, weil die Geschäfte leer stehen.

Keiner will mehr investieren

Und es gibt keinen Gesellschafter, der auch nur einen Euro in die Bewirtschaftung des Gebäudekomplexes stecken möchte. Das sagte Markus Johannknecht, ein Vertreter der Gebau-Gruppe, die den Medico-Fonds verwaltet, am Dienstag vor der aufgebrachten Mieterschaft im Gemeinschaftshaus Wulfen. Sie sollen wegen der Pleite des Medico Fonds 18 bis zum 30. September eine neue Bleibe finden und bis dahin aus der heruntergekommenen Immobilie am Wulfener Markt ausgezogen sein.

LEG ins Boot geholt

Den wirtschaftlichen Bankrott eines Immobilienfonds sollen die Ärmsten der Armen ausbaden. Denn viele der noch 50 Mieter, aber nicht alle, beziehen Hilfen vom Jobcenter. Deshalb war Thomas Rentmeister, Amtsleiter Sozialamt, am Dienstagnachmittag bei der Mieterversammlung dabei. Ebenso wie LEG-Niederlassungsleiter Christian Mengler. Ihn hatte Johannknecht mit ins Boot genommen, weil die LEG fast 200 leer stehende Wohnungen in Barkenberg hat. "Füllen Sie unsere Mieterbögen aus und wir schauen, was wir für Sie tun können", sagte Mengler. Einige nahmen das Angebot an.

Umzug in den Abiturvorbereitungen

Eine Mieterin ist keine Hartz-IV-Bezieherin. Sie arbeitet als Altenpflegerin. Vor vier Jahren zog sie in ihre mehr als 90 Quadratmeter große Wohnung am Wulfener Markt ein. Die Altenpflegerin ist verzweifelt: "Wie soll ich neben meinem Schichtdienst jetzt schon wieder einen Umzug organisieren?", fragte sie. Außerdem fehlt ihr dafür das Geld.

Ein Mieter-Ehepaar hat andere Gründe, sich gegen einen Auszug zu sträuben. Es wohnt seit 32 Jahren am Wulfener Markt. Der Sohn macht im kommenden Jahr sein Abitur an der Gesamtschule Wulfen. "Ein Umzug ist für uns eine Katastrophe", sagte die Ehefrau. "Das geht doch nicht mitten in der Abiturvorbereitungsphase."

"Sollen wir etwa obdachlos werden?"

Auch viele andere wollen ihre Wohnungen nicht widerspruchslos räumen. Das machten sie überdeutlich. Sie fürchten, den Umzug nicht verkraften zu können. Weder psychisch, noch finanziell, noch organisatorisch. "Sollen wir etwa obdachlos werden?"

"Kein Geld mehr"

Den Mietern bleibt aber wohl keine Wahl. Markus Johannknecht sagte: "Es gibt kein Geld mehr. Der Unterhalt des Gebäudes wird aus spärlichsten Mitteln bestritten. Und die versiegen bald." Der Insolvenzverwalter hat den "wertlosen Vermögensgegenstand" Wulfener Markt deshalb aus der Insolvenzmasse herausgeworfen. "Das habe ich auch noch nicht erlebt", sagte Johannknecht.

Die Uhr tickt für die Mieter. Wer nicht auszieht, sitzt nach dem 30. September womöglich im Dunkeln. Denn dann wird der Strom abgeschaltet. Das Wasser und das Kabelfernsehen auch.

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