Zahl der Notleidenden steigt

Dorstener Tafel kann die hohe Nachfrage kaum speisen

Dorsten - Immer mehr ältere Frauen sind wegen ihrer kargen Rente auf die Gaben der Dorstener Tafel angewiesen. Das für Notsituationen geplante Projekt in Dorsten wird unfreiwillig zur Dauereinrichtung.

"Die Zahl bedürftiger älterer Frauen - Witwen und alleinstehende Rentnerinnen - nimmt unter unseren Kunden immer mehr zu." Diese Beobachtung macht das ehrenamtliche Team der Dorstener Tafel um den Vereinsvorsitzenden Herbert Rentmeister schon seit einiger Zeit. Erst vorgestern wurden wieder die Ausweise für das neue Halbjahr ausgegeben, die die Bedürftigkeit der Tafel-Kunden bescheinigen. "180 Ausweise sind bei uns das Maximum. Mehr können wir nicht bewältigen", sagt Rentmeister, wohlwissend, dass immer mehr Menschen auf die Lebensmittelspenden der Händler angewiesen sind.

Außer den älteren Frauen, die mit ihrer schmalen Rente ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten könnten, gebe es in Dorsten aber noch einen weiteren großen Tafel-Kundenstamm: "Bei uns kaufen auch sehr viele junge Menschen, die wegen einer psychischen Belastung so gut wie keine Chancen haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen", sagt Rentmeister. Und begründet diese lokale "Spezialität" damit, dass es in Dorsten bei Caritas, Diakonie und anderen wohltätigen Verbänden viele Einrichtungen gebe, die sich dieser Klientel im Besonderen annähmen.

Geringe AnzahlDie Zahl der Asylbewerber sei im Vergleich dazu eher gering: "Von denjenigen Familien, die Ende 2015 gekommen sind, stehen die meisten jetzt auf eigenen Füßen", meint Rentmeister. Lediglich alleinlebende junge Männer nutzten noch das Angebot.

"Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander", kommentiert Rentmeister diese erschreckende Entwicklung, die der ursprünglichen Grundidee der Tafel - eine vorübergehende Einrichtung für Notsituationen zu sein - widerspreche. "Die Initialzündung zur Gründung der Dorstener Tafel im Jahr 2003 war es, unversorgten Kindern zu helfen. Mittlerweile sind wir unfreiwillig in die Rolle eines mittelständischen Unternehmens gedrängt, das dauerhaft Bedürftigkeit auffängt", sieht Rentmeister die Aufgabe der Tafel nicht als die eines etablierten Versorgers an.

Doch solange die Nachfrage an allen drei Tafel-Standorten - dem Laden und dem Kinderkleidermarkt in Wulfen-Barkenberg sowie dem Mittagstisch An der Vehme 1 in der Altstadt - so stark angenommen wird, wie es zurzeit der Fall ist, muss die Tafel notgedrungen auch weiterhin "gedeckt" sein.

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