Zechenbahnbrücke

Hervester ärgert sich über nachlässige Arbeiten an Brücke

Dorsten, Hervest - Bei den Sanierungsarbeiten an der Zechenbahnbrücke wird geschludert, behauptet der Hervester Winfried Witteberg. Er bemägelt Verstöße gegen Arbeitsschutz, Brandschutz, Umweltschutz.

Winfried Witteberg ist Hervester. Täglich spaziert er mit seinem Hund morgens, mittags und spätabends an der Hervester Zechenbahnbrücke vorbei. Was er dort sieht, bringt den Brückenfreund und ehemaligen Angestellten der Zeche Fürst Leopold auf: "Die Baufirma verstößt gegen Arbeitsschutz-, Umweltschutz- und Brandschutzauflagen." "Mitten im geschützten Flora-Fauna-Habitat der Lippeaue fliegen Funken herum wegen der Schweißarbeiten. An einigen Stellen ist das knochentrockene Gras schon in Flammen aufgegangen." Die Arbeiter selbst trügen keine Schutzkleidung. "Sie schweißen im T-Shirt und kurzen Hosen."

Zweimal musste die Feuerwehr ran

Zweimal hat der Hervester im Juli die Feuerwehr gerufen, damit sie Schwelbrände am Lippeufer erstickt. Einmal war die Polizei draußen, weil Unbekannte die dort herumliegenden Brocken ehemaliger Eisenbahnschwellen von der Brücke genutzt haben, um ein Feuer zu machen. "Die haben mit Sicherheit giftige Dämpfe eingeatmet", sagt der Hervester.

"Ich verstehe nicht, warum die Stadt nicht schon längst einen Gutachter auf die Kontaminierung der Eisenbahnschwellen angesetzt hat." Zeit genug dazu habe sie ja in den letzten dreieinhalb Jahren seit der Sperrung gehabt. Stadtsprecher Ludger Böhne sagte auf unsere Anfrage: "Die Bedeutung der Lippeaue als Flora-Fauna-Habitat ist bekannt. Aus diesem Grunde steht die Stadt Dorsten im intensiven Austausch mit den ausführenden Firmen, dem Lippeverband und Aufsichtsbehörden, um Lösungen für einzelne Probleme zu finden."

Regen wäscht Eisenbahnschwellen seit 80 Jahren

Die "getränkten Eisenbahnschwellen" sind aus seiner Sicht nicht problematisch: "Sie liegen seit 80 Jahren auf der Brücke und die darin enthaltenen Mittel konnten und wurden seitdem bei jedem Regen ausgespült." Keine neue Gefahr also, die nicht in den Jahrzehnten vorher schon bestanden hätte. "Mit dem Abschluss der Abbrucharbeiten sind die kontaminierten Bahnschwellen ja verschwunden."

Nur mit Schweißbrennern möglich

Winfried Wittebergs Kritik, dass gegen Brandschutz verstoßen wird, kontert der Stadtsprecher so: "Leider ist die Demontage der alten und überwiegend festgerosteten Schrauben und Nieten häufig nur mit Schweißbrennern möglich. Insofern ist eine Brandgefahr aufgrund der extrem trockenen Witterung nicht vollständig auszuschließen bzw. nur durch eine vorübergehende Stilllegung der Baustelle, bis wieder feuchtere Witterung eintritt. Dies versuchen wir derzeit in Absprache mit allen Beteiligten zu vermeiden, da sich jede Verzögerung auf die Baufortschritte auswirken würde."

Über Vandalismusschäden hat sich die bauausführende Firma in der vergangenen Woche beklagt: Sachbeschädigungen und Diebstähle kommen danach häufiger vor. Dass Unbekannte die Bahnschwellen anzünden, findet Ludger Böhne befremdlich: "Überhaupt auf die Idee zu kommen, in den Lippenauen und in dieser besonderen Witterung Feuer anzuzünden...."

Firma muss Arbeitsschutz beachten

Für die Einhaltung des Arbeitsschutzes sei die Firma verantwortlich. "Von der Stadt und dem Sicherheits- und Gesundheitskoordinator wird die Einhaltung überprüft."

Die Bezirksregierung in Münster rät bei mutmaßlichen Verstößen gegen die Arbeitsschutzvorschriften dazu, Kontakt zum Dezernat für Arbeitsschutz in Herten aufzunehmen: "Über E-Mail sind die Kollegen zu erreichen: poststelle@brms.nrw.de ."

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