Die zehn häufigsten Todesursachen

Darum sterben Menschen in Dorsten

Dorsten - Der Tod ist kein Thema, über das man spricht. Doch er ist allgegenwärtig. 902 Menschen starben 2015 in Dorsten. Häufigste Ursache unter zehn Todesarten war nicht Herz-Kreislaufversagen, sondern Lungenkrebs.

Die Todesursache eines Menschen hängt auch von seinem Lebensstil ab. Wer ungesunde Gewohnheiten aufgibt, hat gute Chancen, gesund älter zu werden. Das kostet nur etwas Überwindung. Statistisches Zahlenmaterial muss fachkundig interpretiert werden. Zu den häufigsten Todesursachen und den Lebensumständen von Menschen in Dorsten ein Interview mit dem Ärztlichen Leiter des St.-Elisabeth-Krankenhauses, Dr. Wilhelm Gross-Weege.

Wir haben von der nordrheinwestfälischen Datenbank die zehn häufigsten Todesursachen in Dorsten genannt bekommen. Erstaunlicherweise ist das bei uns der Lungenkrebs, auf Platz eins sind nicht Herz-Kreislauferkrankungen.

Dazu muss man Folgendes sagen: Unser Krankenhaus hat eine Lungenfachabteilung. Eine Lungenfachabteilung zieht automatisch auch Patienten aus dem Umfeld nach Dorsten. Es kann sein, dass Menschen, die aus einer anderen Stadt zu uns zur Behandlung kommen, hier an Lungenkrebs gestorben sind.

Woran sterben denn die Dorstener, an Altersschwäche?

Nein, es gibt überall regional vergleichbare Erkrankungen und auch vergleichbare Tumorerkrankungen. Das sollte sich nicht groß unterscheiden. Das mag regional unterschiedlich sein, kann durch Industrie-/Asbestbelastung, durch Bergbautätigkeit oder starkes Rauchen begründet sein.

Dorsten hat ja eine jahrzehntelange Bergbaugeschichte. Das hat sich sicher auch in der Sterbestatistik niedergeschlagen, dass Menschen an Staublunge gestorben sind?

Ganz genau. Staublunge und die Feinstäube, die dazu gekommen sind, haben zu schwerwiegenden Lungenerkankungen mit Todesfolge geführt. Zurzeit wird auch die Auswirkung von PCB auf den menschlichen Organismus untersucht.

Wie ist denn der Erfahrungswert im Dorstener Krankenhaus? Eine Statistik besagt, dass Männer in Dorsten an die 79 Jahre alt werden, Frauen sogar 84 Jahre.

Das spricht im Grunde genommen für die eigene gesunde Lebensweise.

Und im hohen Alter gibt es dann andere Krankheitsbilder, die letztendlich zum Tod führen?

Man vermutet, dass bestimmte Krankheiten bei den sogenannten geburtenstarken Jahrgängen, also die Altersgruppe der um 1960 geborenen Kinder, deutlich häufiger vorkommen werden. Nicht, weil die Krankheiten sich häufen, sondern weil es mehr Menschen gibt.

Demenzerkrankungen zum Beispiel?

Demenzerkrankungen natürlich, aber auch Krebserkrankungen.

Krebserkrankungen sind dem fortgeschrittenen Alter geschuldet?

Natürlich. Früher sind die Menschen früher gestorben, bevor sich der Krebs entwickeln konnte. Und jetzt kommt der Krebs und es kommt hinzu, dass man die älteren Menschen heute besser behandeln kann, weil sie fitter als ihre Vorfahren sind. Früher hieß es: Da kann man nichts mehr machen und der Betreffende ist dann am Krebs gestorben. Heute sagt man: Der Mensch ist zwar 80 Jahre alt, aber man kann ihn noch gut behandeln.

Unter den zehn häufigsten Todesursachen in Dorsten stehen Herzkrankheiten auf Platz zwei.

Das ist deutschlandweit so. Herzinfarkte ziehen sich durch alle Altersgruppen hindurch. Vorbedingungen für Herzkreislauferkrankungen ist im Prinzip Arteriosklerose (krankhafte Veränderung der Arterien infolge von Kalkablagerungen an der inneren Wand der Blutgefäße). Sie wird durch Bluthochdruck und Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit) Übergewicht, Rauchen verursacht.

Das trifft zunehmend ja auch jüngere Menschen. Ist es feststellbar, dass Wohlstandskrankheiten sich bemerkbar machen?

Sagen wir mal so: Wenn Sie bei den Eskimos schauen, finden Sie keine Wohlstandskrankheiten oder Herzinfarkte. Das hat sicher etwas mit der Wohlstandsgesellschaft zu tun.

Zu viel Essen, zu fette Ernährung, zu wenig Bewegung?

Ganz genau.

Sie begegnen diesen Patienten ja auch im Krankenhaus. Kann man Einfluss auf ihre gesunde Ernährung oder gesunde Lebensweise nehmen?

In den letzten Jahren hört man immer häufiger, dass gesunde Ernährung oder eine gesunde Lebensweise etwas bewirken können. Jemand, der mit dem Rauchen aufhört, hat Chancen, dass seine Lunge sich erholt. Man weiß, dass das Flimmerepithel, das sind die Flimmerhärchen in der Lungen, die dafür sorgen, dass wir Fremdstoffe raushusten können, sich nach einem jahrelangen Rauchstopp wieder bilden. Wenn man weglässt, was schlecht ist für den Körper, gibt es offensichtlich Reparationsmechanismen. Und bei Übergewicht ist ganz klar: Wenn Übergewicht abgebaut wird, ist die Zuckerkrankheit weg, der Blutdruck geht runter. Das Erste, was man einem Menschen mit Übergewicht und zu hohem Blutdruck sagt, ist: "Nimm ab und beweg dich."

Und das sagen die Ärzte ihren Patienten dann auch?

Ich hoffe. Es ist ja tatsächlich auch so, dass der Patient lieber eine Tablette hätte, statt seine Gewohnheiten mittelfristig zu verändern.

Welche ärztlichen Empfehlungen gibt es, um gesund alt zu werden und dann zu sterben?

Wenn man alte Menschen befragt, dann gibt es welche, die sagen, sie hätten regelmäßig ein Glas Schnaps getrunken. Wenn Sie mich fragen: Das erste ist, was einem an Genen mitgegeben wird von seinen Großeltern und Eltern. Dann sicherlich, dass man auf sich achtet, dass der Blutdruck normal eingestellt wird und dauerhaft kontrolliert wird. Bluthochdruck ist ungesund für die Blutgefäße. Dann, dass man ein vernünftiges Körpergewicht hat und sich gesund ernährt und auf Bewegung achtet. Mehr kann man gar nicht tun.

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