Zwei Jahre Mercaden in Dorsten - eine Bestandsaufnahme

Neues Mercaden-Management kündigt Veränderungen an

Dorsten - Die Mercaden in Dorsten wurden vor zwei Jahren eröffnet. Gefeiert wird der Geburtstag nicht, denn die Anfangseuphorie ist längst verflogen. Doch in den nächsten Monaten soll die Wende zum Guten kommen. Das neue Centermanagement gibt erstmals Einblicke in seine Pläne. Wir haben auch mit Händlern und Kunden gesprochen und nehmen Sie mit auf einen Drohnenflug.

Die Mercaden im März 2018. Es herrscht Tristesse im Einkaufszentrum am Westwall. Zwei Jahre nach der Eröffnung stehen mehr als ein Dutzend Ladenlokale leer. Rollläden sind heruntergelassen, die Kühltheke der "Früchteoase" ist abgeschaltet. Das Mercafé dahinter - geschlossen. Die Küche bei B4Burger - kalt. "Immergrün" ist für immer leer. Die Aufzählung ließe sich problemlos verlängern. Viele Dorstener denken inzwischen wie Heinrich Wissmann: "Die Mercaden sind ein totgeborenes Kind, weil nach zwei Jahren schon die Hälfte der Läden geschlossen ist."

Manche Mieter haben die Mercaden Hals über Kopf verlassen, so scheint es. Obwohl die langfristigen Mietverträge dies nach Informationen der Redaktion eigentlich untersagen. "Wir haben in den letzten Wochen im Erdgeschoss ein wenig aufgeräumt", gibt Helmut Koprian (68) zu. Doch die Leerstände lassen sich nicht kaschieren. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Koprian iQ soll mit seinem Team seit Jahresbeginn ausbügeln, was in den Mercaden schiefgelaufen ist. Und das ist augenscheinlich eine ganze Menge. Für "machbar" hält der Seniorchef diese Aufgabe. Das Schwaben-Center in Augsburg, die Flensburg-Galerie, Mercado in Nürnberg oder die Rathaus-Galerie in Essen - das Hamburger Unternehmen hat schon ganz andere Einkaufszentren flott gemacht. "Aber wir brauchen Zeit."

Um Zeit ging es in den Mercaden schon immer.

Kaufland eröffnete mit 14 Tagen Verspätung

Das fing bei der Eröffnung an. Als Bürgermeister Tobias Stockhoff, hkm-Geschäftsführer Herbert Krämer und Center-Manager Bernard Banning am 3. März 2016 das magentafarbene Band am Haupteingang durchschnitten, war Ankermieter Kaufland noch gar nicht fertig. 14 Tage später verkaufte man das den Dorstenern als "zweite Eröffnung".

Deutlich zu lange dauerte es, bis die Kanaluferpromenade und die Rampe zum Hintereingang der Mercaden im vergangenen Jahr fertig waren. Das war kein Versäumnis der Mercaden-Betreiber, die aber auch immer wieder um Geduld baten, wenn es um die Frage ging, wann denn die letzten Ladenlokale vermietet seien. Und schließlich war sogar von ganz viel Zeit, nämlich von "drei bis fünf Jahren" die Rede, bis die Mercaden endgültig etabliert seien.

Inzwischen ist die Zeit der hkm Management AG abgelaufen. Die OFB Projektentwicklung, hinter der die Landesbank Hessen-Thüringen als Geldgeberin steckt, hat die Zusammenarbeit im Dezember 2017 beendet. Jetzt schlägt die Stunde von Helmut Koprian und seiner Mannschaft. "Die ersten Optimierungskonzepte sind erstellt", bestätigte er auf Anfrage. "Wir rechnen mit einer Konzept- und Planungszeit bis zum Sommer 2018. Danach erfolgt die Genehmigungs- und die Realisierungsphase."

Das bedeutet: Es geht zunächst nicht in erster Linie darum, die Leerstände in den Mercaden zu beseitigen. Fachleute wissen, dass Gespräche mit potenziellen Mietern generell schwieriger, langwieriger geworden sind. Für das Einkaufszentrum am Westwall wären Verhandlungen derzeit wohl ohne Aussicht auf Erfolg, weil eine "Story" fehlt. Helmut Koprian spricht deshalb von "Nachinvestitionen des Eigentümers" und von "funktionalen und architektonischen Änderungen". Details will er erst in einigen Wochen nennen, auch zum "neuen Vermarktungskonzept" und "geplanten Umstrukturierungen".

Neuer Centermanager kommt am 1. April

Eine wichtige Personalentscheidung ist derweil schon gefallen: Ab 1. April wird ein Centermanager als "Kümmerer", so Helmut Koprian, eingesetzt. Andrea Hegenbarth, seine rechte Hand, verlässt dann die kleine Hansestadt Dorsten wieder und kehrt zurück in die große Hansestadt an der Elbe. Der neue Mann wird erster Ansprechpartner für Mieter und Stadtverwaltung sein - und für die Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt (DIA). Die Mercaden waren ja immer als Ergänzung zur Innenstadt konzipiert und sind auch DIA-Mitglied.

"Erschreckend" findet DIA-Vorsitzender Thomas Hein die Entwicklung, hofft aber mit Blick auf die Rathaus-Galerie in Essen auf bessere Zeiten. "Da waren mal 70 Prozent aller Läden geschlossen, glaube ich, aber Koprian hat es geschafft, dass wieder nahezu alles vermietet ist." Josef Bellendorf, Metzgermeister in der Altstadt und Caterer beim Mercaden-Richtfest, mag nicht in Zweckoptimismus machen. "Wir hätten uns ein Beispiel an Holland nehmen und als Stadt am Wasser an dieser Stelle den Freizeitwert erhöhen sollen. Das hätte der Altstadt gutgetan."

Auch das sehen viele Dorstener ähnlich. Erste Pläne hatten ja wenigstens einen Blick aufs Wasser von der Lippestraße aus in Aussicht gestellt.

Nicht allen verbliebenen Händlern in den Mercaden steht derzeit das Wasser bis zum Hals. "Manche Umsätze sind gut", weiß Helmut Koprian inzwischen. Ankermieter Kaufland ist nach eigenen Angaben "mit der Gesamtentwicklung in Dorsten sehr zufrieden", Deichmann-Sprecher Ulrich Effing räumt ein, dass "unser Laden noch Entwicklungspotenzial hat. Am Ende profitieren doch alle von einer steigenden Kundenfrequenz."

Der Weg dorthin ist nicht nur für den Schuhverkäufer noch weit.

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