+
Peter Hardes zeigt, wie er mit einem Küchenmesser eine Melone schnitt, als Polizisten  in seine Wohnung stürmten.

Ermittlungen dauern an

Dorsten: SEK stürmt zunächst die falsche Wohnung - der Bewohner berichtet

Spezialeinheiten der Polizei haben am Dienstag eine Wohnung in Dorsten durchsucht - zunächst wohl die falsche, wie sich schnell herausstellte.

  • In Dorsten haben Spezialeinheiten der Polizei eine Wohnung durchsucht.
  • Zuvor war ein Streit zwischen zwei Familien eskaliert und bei einer Schlägerei war ein Mann verletzt worden.
  • Jetzt berichtet Bewohner Peter Hardes die Details der dramatischen Aktion.

Update 14.5., 16 Uhr: Inzwischen sind neue Details zum Hergang der Verwechslung durch das SEK bekanntgeworden. Der Erdgeschossbewohner berichtet: Drei Schüsse hört Peter Hardes am Dienstagabend, dann stehen Polizei-Spezialkräfte in seinem Wohnzimmer in Dorsten. Der 43-Jährige isst gerade Wassermelone mit seiner zweieinhalb Jahre alten Tochter. 

"Dann bin ich natürlich aufgesprungen, mit Messer in der Hand, ich war ja am Melone Schneiden", erzählt der 43-Jährige. "Messer weg, Messer weg" hätten die Beamten gebrüllt. "Ich: Messer weg." Zwei Mann fixieren ihn am Boden, um ihn herum Elite-Polizisten mit Maschinenpistolen. Wenig später stellt sich heraus: Die Polizei hat sich in der Wohnung geirrt, Hardes ist völlig unschuldig.

"Die Kleine wurde schreiend auf der Couch gelassen und musste alles mit angucken"

Der 43-Jährige zeigt sich auch am Donnerstag noch reichlich aufgewühlt von dem Polizeieinsatz bei sich zu Hause, der eigentlich dem Nachbarn in der anderen Erdgeschosswohnung galt. "Was ich doof fand, dass die Kleine schreiend auf der Couch gelassen wurde und alles mit angucken musste. Ich hätte ein bisschen Respekt erwartet und gedacht, da kommt ein Polizist oder eine Polizistin und nimmt das Kind erst mal aus dem Gefahrenbereich." Seine Partnerin, die Mutter des Kindes, sei zu dem Zeitpunkt gerade mit den Hunden draußen gewesen.

SEK-Beamter nimmt seine Haube ab und entschuldigt sich

Kurz nach dem Getöse kommt der Nachbar aus der anderen Erdgeschosswohnung, die ein paar Stufen höher liegt, und erkundigt sich: "Was ist denn hier los?" Es stellt sich heraus: Der 25-Jährige ist der eigentlich Gesuchte. "Dann haben sie mich losgelassen", sagt Hardes. Er kümmert sich sofort um seine Tochter. "Nach fünf Minuten kam ein SEK-Beamter, nahm seine Haube ab und entschuldigte sich." Den Schaden wird die Polizei ersetzen. "Das haben die mir 100-prozentig versichert."

"Das nächste Mal sollen sie klingeln und Kuchen mitbringen"

Abgesehen von der Art und Weise der Türöffnung hat Hardes für das Vorgehen der Polizei sogar ein gewisses Verständnis. "Natürlich haben die mich nicht gebeten: Dürfen wir die Wohnung betreten? Die haben mich aber auch nicht auf den Boden geschmissen oder Sonstiges. Ich habe keine Folgeschmerzen, keine blauen Flecken. Es war keine Polizeigewalt im Spiel, das ist mir ganz wichtig." Allerdings: "Es war der seelische Knacks, den man weghatte." Er hofft jedenfalls, dass "die lernen aus den Fehlern". Beim Entschuldigungsbesuch am Mittwoch habe er den Beamten gesagt: "Das nächste Mal, wenn sie kommen, sollen sie klingeln und Kuchen mitbringen. Dann spendiere ich den Kaffee."

Update, 13.5., 20 Uhr: Wie sich herausstellte, hat das SEK am Dienstagabend wohl zunächst die falsche Wohnung an der Barkenberger Allee in Dorsten gestürmt. Die Familie ist auch am Tag danach noch total geschockt, berichtet die Dorstener Zeitung. Demnach habe die zweijährige Tochter nur geschrien, als die bewaffneten Männer plötzlich die Wohnungstür aufbrachen und im Wohnzimmer standen. Die Polizei habe sich entschuldigt und wolle für den Schaden aufkommen.

Erstmeldung (12.5., 19.50 Uhr):

Nach einer Schlägerei am 8. Mai an der Barkenberger Allee in Dorsten, hat die Polizei mit Unterstützung von Spezialeinheiten, am Dienstag (12. Mai), die Wohnung der Tatverdächtigen durchsucht.

Dorsten: Polizei durchsucht Wohnung und findet Elektroschock-Geräte

Bei der Schlägerei war ein 38-jähriger Mann aus Dorsten vermutlich mit einem Messer verletzt worden. In der Wohnung der Tatverdächtigen hat die Polizei nun nach weiteren Waffen gesucht, denn im Zuge der Ermittlungen wurde bekannt, dass ein Beteiligter möglicherweise eine Schusswaffe besitzen könnte, so die Polizei.

In der Wohnung wurden Elektroschock-Geräte und ein Messer gefunden und sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an.

kawe

Mit dpa-Material

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Teutonia SuS Waltrop strahlt: Dieser Neuzugang soll die Sturmprobleme lösen 
Teutonia SuS Waltrop strahlt: Dieser Neuzugang soll die Sturmprobleme lösen 
Stadt muss alten Müllwagen ausrangieren -  so viel kostet das Ersatzfahrzeug     
Stadt muss alten Müllwagen ausrangieren -  so viel kostet das Ersatzfahrzeug     
Hier öffnen die Kinos im Kreis Recklinghausen und in der Umgebung als Erstes
Hier öffnen die Kinos im Kreis Recklinghausen und in der Umgebung als Erstes
Dreimal die Woche ans Mittelmeer: Flughafen Dortmund erweitert sein Streckennetz
Dreimal die Woche ans Mittelmeer: Flughafen Dortmund erweitert sein Streckennetz
Unfall am Erdbeerfeld: Verletzte Kinder (2/5) und Mutter müssen ins Krankenhaus
Unfall am Erdbeerfeld: Verletzte Kinder (2/5) und Mutter müssen ins Krankenhaus

Kommentare