Gericht

Kleiner Junge schwer misshandelt?

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DORSTEN - Dieser Fall geht unter die Haut. Im Oktober 2016 ist ein völlig apathischer, zweijähriger Junge aus Dorsten in die Kinderklinik Gelsenkirchen gekommen. Seit Mittwoch stehen Mutter und Stiefvater vor Gericht.

Die Verletzungen des kleinen Kindes waren so schwer, dass im Prozess sogar einer Sozialarbeiterin die Tränen kamen. Sie war mit dem Zweijährigen damals in die Klinik gefahren, hatte ihn dabei die ganze Zeit auf dem Arm tragen müssen.

„Das Kind hat nicht mehr geschrien, nur noch gewimmert“, sagte die 30-Jährige als Zeugin vor dem Essener Landgericht. „Es war einfach nur kraftlos.“ Die Ärzte hatten später eine Schädelblutung, ein gebrochenes Schienbein und zahlreiche Hämatome festgestellt. „Der ganze Rücken war grün und blau“, so die Sozialarbeiterin.

Unterernährt und ausgetrocknet

Die Sozialarbeiterin war am 19. Oktober 2016 – nach einem anonymen Anruf – mit einer Kollegin in der Wohnung der Angeklagten aufgetaucht. Der kleine Junge lag lethargisch im Bett, war dehydriert und „nicht ganz da“.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten den Jungen geschlagen und auf den Boden geworfen haben. Außerdem sollen sie ihm eine Hand verbrannt und ihn nicht ausreichend mit Flüssigkeit und Nahrung versorgt haben.

Von Misshandlung wollten die Angeklagten zum Prozessauftakt jedoch nichts wissen. „Ich würde niemals ein Kind hinschmeißen, es schlagen oder ihm wehtun“, sagte der 25-Jährige den Richtern. Der Bruch des Schienbeins müsse passiert sein, als er an einem Motorroller geschraubt habe. Der Junge habe auf dem Sitz gesessen, als der Roller plötzlich umgefallen sei. Ein Unfall – mehr nicht.

Vater hat bereits Haftstrafe

Warum der Zweijährige so lethargisch gewesen sei, könne er sich auch nicht erklären. Er habe den Jungen ein bisschen hochgeschmissen und wieder aufgefangen, als er komisch reagiert habe.

Der 25-Jährige ist am Essener Landgericht kein Unbekannter. Er war erst im Oktober 2017 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Kurz nachdem das Jugendamt den damals Zweijährigen und auch das gerade geborene gemeinsame Baby des Paares aus der Familie geholt hatte, hatte er im Haus an der Lippestraße Feuer gelegt. Der heute dreijährige Sohn seiner Noch-Ehefrau befindet sich heute bei der Oma, das gemeinsam Kind ist in einer Pflegefamilie.

Rubriklistenbild: © Volker Hartmann (dpa)

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