Nach Niedergang des Bergbaus

Warum Dorsten eine Stadt im Aufschwung ist

HERVEST - Dorsten hat mit der Schließung der Zeche Tausende Arbeitsplätze verloren. Mittlerweile hat sich die Stadt, insbesondere der Ortsteil Hervest, von dem Niedergang des Bergbaus wirtschaftlich erholt. Die Erfolgsgeschichte schilderte Windor-Geschäftsführer Josef Hadick in der Hervestkonferenz.

Auf dem ehemaligen Zechengelände an der Halterner Straße sorgen Stadt, Tempelmann-Gruppe (Tedo) und die Ruhrkohle (RAG) dafür, dass die Brachflächen des Bergwerkes wiederbelebt werden.

„Wo Arbeitsplätze geschaffen werden, wird Wohnraum nachgefragt“, sagte Hadick. Er verwies auf die Neubaugebiete an der Josefstraße und am Hellweg/Glück-Auf-Straße. Eine Vielzahl von Eigenheimen, Reihenhäuser oder Doppelhaushälften sowie Mietwohnungen werden dort gebaut für Menschen, die nach Dorsten ziehen möchten oder ins Eigenheim wechseln.

Angebot richtet sich an "Schwellenhaushalte"

Am Hellweg wird die Deutsche Reihenhaus 33 Reihenhäuser errichten. „Eine komprimierte Bebauung zwar, die aber in Absprache mit dem Bauherren den Gegebenheiten angepasst worden ist“, wie Hadick sagte. Das Angebot richte sich an „Schwellenhaushalte“, die nicht mehr mieten, sondern kaufen wollen, „aber nicht das Budget für ein freistehendes Einfamilienhaus haben“.

Dass Wohnungsbau in Dorsten, speziell aber auch in Hervest nottut, verdeutlichte Josef Hadick anhand von Zahlen aus der Wirtschaftsförderung. Nach der Stilllegung der Zeche hat Hervest zwischen 1996 bis 2016 eine rasante Talfahrt, dann aber trotz weltweiter wirtschaftlicher Krisen einen deutlichen Aufschwung erlebt.

„Es hat 18 Jahre gebraucht, bis der Arbeitsplatzverlust kompensiert werden konnte“, sagte Hadick. Abwärts sei es ab 1998 gegangen, als das Bergwerk Lippe dem Verbund angeschlossen wurde. „Die Zahl der Arbeitsplätze in Dorsten sank von 17 188 auf 13 951“, so Hadick.

Zukunftsfähige Wirtschaftszweige

Nach der Talfahrt, die bis 2005 anhielt, ging es dann aber wieder aufwärts mit dem Arbeitsplatzangebot in Dorsten. Statt Bergbau bieten die revitalisierten Zechenflächen in drei Bereichen zwischen Fürst-Leopold-Allee und Halterner Straße nun Unternehmen Platz, die sich auf zukunftsfähige Wirtschaftszweige verstehen.

Maschinenbau, Export- und Importfirmen, Oberflächen- und Informationstechnik sowie Schweißtechnik sind in Hervest heimisch geworden. „Eine der Grundbedingungen für die Ansiedlung ist, dass die Unternehmen 50 Prozent ihres Umsatzes außerhalb eines Radius von 50 Kilometern rund um Dorsten machen müssen“, sagte Josef Hadick.

8,3 Hektar umfasst das städtische Areal auf dem Zechengelände. „Davon sind 5,3 Hektar von zehn interessierten Firmen reserviert worden, 22 Firmen mussten wir abweisen, weil sie die RWP-Kriterien, die Bedingungen des regionalen Wirtschaftsförderungsprogrammes NRW, leider nicht erfüllt haben.“

Andere Vermarktungspartner

Vier der 22 Unternehmen habe man bei anderen Vermarktungspartnern unterbringen können, weitere fünf Firmen hätten Flächenangebote in anderen Dorstener Gewerbegebieten angenommen.

Auf den Flächen der Tempelmann-Gruppe konnten zudem Einzelhandel, Gastronomie, Wohnheim und ein Hotel untergebracht werden.

„Am Förderturm wird gerade gebaut, dort werden Garagen und Parkplätze errichtet, die Waschstraße davor ist bereits eröffnet worden.“

200 weitere Arbeitsplätze

Josef Hadick erzählte der Hervestkonferenz, dass bis heute am Standort Fürst Leopold 300 neue Arbeitsplätze geschaffen worden seien. „Für die nahe Zukunft rechnen wir, und die Zahlen halten wir für realistisch, mit 200 weiteren Arbeitsplätzen“, sagte Hadick. Vom Arbeitsplatzverlust zwischen 1996 und 2016 habe sich Dorsten vollständig erholt. „Trotz sinkender Bevölkerungszahlen, wir haben 6000 Einwohner weniger als in den 1990er-Jahren, gibt es in Dorsten wieder 17.143 Arbeitsplätze.“

Rubriklistenbild: © Hans Blossey

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